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Anthropic startet Claude Science: Der KI-Kampf ums Labor gegen Google und OpenAI beginnt

Drei Forschungslabore mit Anthropic, OpenAI und Google Logos zeigen unterschiedliche Zugangstrategien
BP | KI-generiert mit ChatGPT KI-Giganten im Kampf um Wissenschaftler: Drei Strategien im Vergleich
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Anthropic startet Claude Science als offene Arbeitsumgebung für Wissenschaftler – während OpenAI auf Enterprise-Gating setzt und Google proprietäre Modelle ausspielt. Ein Vergleich zeigt, wer das bessere Angebot macht.

Anthropic schickt eine Kampfansage an OpenAI und Google DeepMind: Mit Claude Science launcht das KI-Startup eine spezialisierte Arbeitsumgebung für Forscher, die auf breiten Zugang statt exklusive Partnerschaften setzt. Das Setup ist simpel, aber durchdacht: Ein Haupt-Agent koordiniert Dutzende spezialisierte Sub-Assistenten, die sich durch über 60 wissenschaftliche Datenbanken und vorkonfigurierte Toolkits für Genomik, Proteomik und Chemieinformatik arbeiten. Am Ende prüft ein separater Faktencheck-Agent Zitate und Berechnungen – eine Antwort auf die wachsende Flut fabrizierter Quellen in KI-gestützten Papers.

Das eigentlich Clevere: Claude Science läuft lokal auf macOS, Linux oder via SSH auf HPC-Clustern. Sensible Forschungsdaten bleiben auf der eigenen Infrastruktur, nur der jeweils nötige Kontext wandert zu Claude, wie The Decoder berichtet. Bei Bedarf skaliert die Plattform von einer einzelnen GPU auf Hunderte – etwa wenn Nvidias BioNeMo-Toolkit mit Modellen wie Evo 2 oder Boltz-2 zum Einsatz kommt.

Die Wettbewerber spielen ein anderes Spiel

OpenAI wählte im April einen völlig anderen Weg: GPT-Rosalind ist ein spezialisiertes Modell für biologisches Reasoning – aber nur für qualifizierte US-Enterprise-Kunden verfügbar. Amgen, Moderna, Novo Nordisk und das Allen Institute bekamen Early Access, alle anderen müssen warten. Die Message: Wir gaten den Zugang, ihr zahlt Premium.

Google DeepMind setzt derweil auf proprietäre Schwergewichte, die niemand sonst hat: AlphaFold und AlphaGenome sind Eigenentwicklungen, die in Gemini for Science gebündelt werden. Wo Anthropic und OpenAI Datenbanken anbinden, besitzt Google die Modelle selbst – ein struktureller Vorteil, den die Konkurrenz nicht aufholen kann, so TechCrunch.

Was Forscher wirklich brauchen

Jérôme Lecoq vom Allen Institute nutzt Claude Science bereits für Multi-Agent-Review-Pipelines. Das Team um Stephen Francis am UCSF Brain Tumor Center reduzierte die Germline-Analyse von Gliomen auf einen Bruchteil der bisherigen Zeit – mit unabhängig validierten Ergebnissen. Der Workflow-Ansatz funktioniert: Forscher können Grafiken in natürlicher Sprache editieren, die Plattform ändert automatisch den zugrundeliegenden Code. Reproduzierbarkeit inklusive – jede Visualisierung kommt mit dem exakten Code, der Umgebung und der Message-History. Anthropic fördert zudem bis zu 50 Forschungsprojekte mit je 30.000 Dollar in Credits.

Bewerbungen laufen bis 15. Juli 2026, Projektstart ist September. Das Signal: Wir wollen Masse, nicht Exklusivität.

Business Punk Check

Die drei Strategien zeichnen ein Bild für die Zukunft vertikaler KI-Produkte in Law, Finance und Engineering: Anthropic demokratisiert den Zugang, OpenAI monetarisiert über Enterprise-Gating, Google nutzt proprietäre Assets als Burggraben. Für europäische Forschungseinrichtungen bedeutet das konkret: Claude Science ist sofort verfügbar (Pro-Abo reicht), OpenAI bleibt US-Enterprise-Kunden vorbehalten, Google spielt in einer eigenen Liga.

Der Haken bei Anthropic: Es ist dasselbe Modell, das sich selbst checkt – kein unabhängiger Truth-Layer. Trotzdem die pragmatischste Lösung für Labs ohne Millionen-Budget. Wer jetzt nicht testet, verschläft den Anschluss. Die Frage ist nicht mehr, ob KI ins Labor kommt – sondern welcher Vendor die Workflows kontrolliert.

Quellen: The Decoder, TechCrunch

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.