Brand & Brilliance „Die Zukunft bleibt menschlich“

„Die Zukunft bleibt menschlich“

Marcel Pesch ist Gründer von academy4.ai, einem der führenden deutschsprachigen Bildungsanbieter im Bereich Künstliche Intelligenz. Mit seinem praxisorientierten Weiterbildungsprogramm hilft er Berufstätigen, Startups und Mittelständlern, KI systematisch einzusetzen. Welche KI-Trends sieht er für 2026?

Business Punk: Marcel, du hast gesagt: „KI wird Dich nicht ersetzen, aber derjenige, der sie nutzt, wird es tun.“ Das klingt wie eine Herausforderung an alle, die Technologie lieber ignorieren. Was war 2025 für dich der zentrale Trend in der KI-Welt?

Marcel Pesch: Ganz klar: Es gibt inzwischen immer mehr wirklich gute KI-Anbieter, auch aus Deutschland. Das ist ein echter Mindshift. Wir sehen, dass wir mit deutschen Large Language Models echte Alternativen zu den großen US-Tools bekommen – auch rechtlich, was DSGVO-Konformität angeht. Das ist nicht nur ein Trend, sondern ein Standortvorteil.

Bedeutet das, dass der Hype um ChatGPT bald Vergangenheit ist?

Marcel Pesch: Nicht vorbei, aber er differenziert sich. Viele Unternehmen fangen an, Agenten und Automationen zu bauen, die viel anwendungsnäher sind als reine Chatbots. Diese digitalen Assistenten können Social-Media-Posts schreiben, Werbeanzeigen erstellen, im Vertrieb arbeiten, und sogar Lern- oder Persönlichkeitsprofile entwickeln. Und sie lernen durch Nutzung: Je mehr sie eingesetzt werden, desto besser werden sie. Das ist ein Quantensprung weg vom einfachen Prompten.

Du bist immer wieder in Unternehmen unterwegs und stellst fest, dass die Nutzung von KI-Agenten noch am Anfang ist. Was heißt das für den Markt?

Fast jeder nutzt heute ChatGPT, viele nutzen einfache Automationen – aber Agenten baut kaum einer. Dabei sind sie der echte Effizienztreiber: Sie treffen Entscheidungen autonom, verknüpfen E-Mail, LinkedIn und Kalender und schaffen echte Entlastung. Wir setzen bei uns 80 Prozent unserer Arbeit über Agenten um, und das macht einen riesigen Unterschied. Wir hätten sonst unser Wachstum gar nicht in der Geschwindigkeit hinbekommen.

Wirst du eigentlich persönlich noch gebraucht, wenn die KI alles übernimmt?

Unbedingt! KI löst nicht alles. Die drei wichtigsten Voraussetzungen sind: Spielerische Neugier, Geduld bei Frustration — und die Frage: Macht KI hier wirklich Sinn? Der Mensch wird nicht ersetzt. Kreativität bleibt unantastbar, und KI wird zum Impulsgeber, nicht zum Kopierautomaten.

Was bedeutet das für Jobs und Lernen?

Fortbildung wird zur Pflicht. KI muss in Schulen und Unternehmen zum Standard werden. Jobs werden nicht verschwinden — sie verändern sich. Ein Social-Media-Pro wird mit KI mehr schaffen, ein Programmierer baut Agenten. Die Zukunft gehört denen, die KI strategisch und verantwortungsvoll einsetzen.

Und was heißt das für 2026 konkret?

Agenten werden Standard. Es entstehen Co-Creations zwischen Mensch und Maschine. Ich kenne große Anwalts-Kanzleien zum Beispiel, die schon so arbeiten. Für alle gilt aber: Human in the loop. Das Zwischenmenschliche wird zum Wachstumsmotor. Unsere Community-Events und Alumni-Treffen zeigen, dass die Zukunft menschlich bleibt.

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