Brand & Brilliance Finnland stellt scharf: Startup IXI erklärt der Gleitsicht den Krieg

Finnland stellt scharf: Startup IXI erklärt der Gleitsicht den Krieg

Gleitsicht ist praktisch – aber auch ein bisschen wie 90er-Software: läuft, nervt, kostet. Jetzt kommt IXI aus Finnland und sagt: Schluss mit festen Zonen, her mit Echtzeit-Fokus. Eye-Tracking und Flüssigkristalle sollen deine Sehstärke automatisch nachregeln, während du einfach nur… guckst. 40 Millionen Euro später steht da eine Brille, die aussieht wie Alltag und sich anfühlt wie Zukunft.

Gleitsichtbrillen sind die Könige der Kompromisse. Drei Zonen, fließender Übergang – und trotzdem: Randverzerrungen, Eingewöhnungsphase, Preislevel „Aua“. Klar, das Ding ist ein Klassiker: Nah, fern, irgendwo dazwischen – alles drin. Aber wer einmal beim Treppensteigen kurz in den falschen Bereich geglotzt hat, weiß: „fließend“ kann auch „wackelig“ heißen. Und genau an dieser Stelle setzt IXI an: weniger Zonen, mehr echtes Sehen.​

Die Finn*innen drehen am Fokus-Regler – automatisch

IXI (gegründet 2021, rund 75 Mitarbeiter*Innen) baut keine AR-Spielerei, keine Insta-Brille, keinen E-Mail-im-Sichtfeld-Zirkus. Das Ding will nur eins: scharf stellen. Und zwar ohne dass du den Kopf verrenkst oder den Sweet Spot suchst. In den Gläsern steckt Flüssigkristall-Technik, die die optische Wirkung verändern kann. Dazu kommt Eye-Tracking, das checkt, worauf du fokussierst – und dann wird die Linse passend „getuned“. Über IR-LEDs und Photodioden trackt das System die Augenreflexion, wie Kamera-Autofokus fürs Gesicht.

22 Gramm Rebellion im Alltagslook

Das Punkigste an der Nummer? Sie sieht nicht punkig aus. Laut Berichten wirkt die Brille fast wie eine ganz normale – unauffällig, kein Cyborg-Vibe, kein dicker Technik-Knubbel. Und sie ist leicht: rund 22 Gramm. Die Brille soll im Alltag funktionieren: Temperaturwechsel, Feuchtigkeit, Bewegung – kein Diva-Device, sondern „zieh an und geh raus“. Und wenn Technik ausfällt: Sicherheitsmodus, zurück auf Grundkorrektur für Fernsicht. Heißt: auch wenn der Akku stirbt, fährst du nicht blind nach Hause.

Strom rein, scharf raus

Ja, du musst sie laden. Willkommen in der Zukunft: USB-Kabel, magnetischer Anschluss, abends andocken, morgens wieder sehen wie ein Mensch. In CES-2026-Berichten war von sehr kleinen Akkus in den Bügeln die Rede – genug für etwa einen Tag Nutzung (je nach Version/Setup, teils 16–18 Stunden). Das Ziel ist Low-Power: schlau rechnen, wenig ziehen. Denn eine Brille ist kein Smartphone – sie soll verschwinden, nicht dominieren.

Marktstart: erst Europa, dann der Rest

IXI will zuerst in Europa starten, sobald Zulassungen durch sind, danach USA und weitere Märkte. Preis? Noch nicht fix, aber die Ansage ist klar: nicht „10-Euro-Lesebrille“, eher „High-End-iPhone“-Liga – zumindest am Anfang. Das Startup hat insgesamt 36,5 Millionen US-Dollar eingesammelt (rund 40 Millionen Euro) und wird u. a. von namhaften Investor*innen getragen, inklusive Amazon Alexa Fund.

Klingt nach Magie – ist aber Optik mit Attitüde

CEO Niko Eiden verkauft das Ganze mit der besten Metapher: Von Fixfokus über Manuellfokus zu Autofokus. Und mal ehrlich: Wenn progressive Gläser bisher der Endgegner waren, dann klingt das hier wie der „Skip Intro“-Button fürs Sehen. Klar, auch Flüssigkristalle können Verzerrungen produzieren – IXI sagt: selten sichtbar. Wenn das in der Praxis stimmt, könnte das die erste echte „Warum haben wir das nicht früher gehabt?“-Innovation seit der Gleitsichtwelle sein.

Echte Konkurrenz für Gleitsicht

Wenn IXI liefert, wird Gleitsicht nicht verschwinden – aber sie bekommt Konkurrenz, die nicht nach Optikerprospekt riecht, sondern nach Aufbruch. Und das ist, ganz punkig gesagt, überfällig.

Die IXI-Autofokus-Brille im klassischen Look

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