Brand & Brilliance Instagram Instants: Metas nächste Kopie sucht verzweifelt Relevanz

Instagram Instants: Metas nächste Kopie sucht verzweifelt Relevanz

Meta testet mit Instants eine neue App für flüchtige Fotos – wieder eine Snapchat-Kopie. Während Instagram längst zur Werbefläche verkommen ist, soll die Standalone-App echte Momente zurückbringen. Doch die Friedhöfe gescheiterter Social-Media-Experimente sind voll.

Meta startet den nächsten Versuch, verlorenes Terrain zurückzuerobern. In Italien und Spanien testet der Konzern aktuell Instants – eine eigenständige App für Fotos, die nach einmaligem Ansehen verschwinden. Die Mechanik kennt jeder: Bild aufnehmen, verschicken, nach 24 Stunden ist alles gelöscht.

Klingt vertraut? Sollte es auch, denn Snapchat macht genau das seit über einem Jahrzehnt. Nur dass Instagram jetzt versucht, dieses Konzept in eine separate App auszulagern, während die Hauptplattform längst zur Influencer-Werbeschleuder mutiert ist.

Keine Filter, keine Bearbeitung – nur rohe Realität

Instants setzt auf radikale Einfachheit. Fotos müssen direkt in der App aufgenommen werden, Uploads aus der Galerie sind nicht möglich. Bearbeitungstools? Fehlanzeige. Gibt es nicht.

Lediglich Text lässt sich hinzufügen. Die Botschaft dahinter: Authentizität statt Hochglanz. Meta will zurück zu den Wurzeln, als Instagram noch eine Plattform für spontane Momentaufnahmen war – bevor Ads und Creator die Feeds übernahmen. Die App funktioniert sowohl eigenständig als auch als Feature innerhalb von Instagram, wobei sich Inhalte plattformübergreifend teilen lassen.

Déjà-vu: Metas Kopier-Strategie schlägt wieder zu

Die Strategie ist nicht neu. Instagram hat bereits Stories von Snapchat übernommen, Reels von TikTok geklaut und mit Threads eine X-Alternative gebaut. Jetzt also Instants – eine weitere Anleihe bei Snapchat und BeReal.

Letztere App zählt trotz Übernahme durch Voodoo und Werbeintegration noch immer rund 40 Millionen aktive Nutzer. Doch Metas Bilanz bei solchen Experimenten ist durchwachsen. TikTok testete mit TikTok Now eine ähnliche App, stellte sie aber nach wenigen Monaten wieder ein. Auch Instagrams eigene BeReal-Kopien wie Glimpse oder Spontaneous Stories verschwanden sang- und klanglos.

Die Rechnung könnte trotzdem aufgehen

Bei über drei Milliarden monatlich aktiven Instagram-Nutzern reicht bereits ein Bruchteil, um Instants zum Erfolg zu machen. Der Login über den bestehenden Instagram-Account senkt die Einstiegshürde massiv – ähnlich wie bei Threads. Wer Snapchat oder BeReal nicht nutzt, könnte durch die nahtlose Integration zum Ausprobieren verleitet werden.

Und dann kommt der eigentliche Plan: Werbung. Laut TechCrunch können die geteilten Inhalte bereits jetzt für personalisierte Ads und Empfehlungen genutzt werden. Bei BeReal funktionieren Anzeigen laut Nielsen besonders gut in Bereichen wie Ad Recall und Kaufabsicht – ein Detail, das dem Werbeimperium Meta sicher nicht entgangen ist.

Business Punk Check

Seien wir ehrlich: Instants ist kein mutiger Innovationsschritt, sondern der verzweifelte Versuch, verlorene Intimität zurückzukaufen. Instagram ist zur Werbewüste verkommen, in der Authentizität nur noch als Marketing-Buzzword existiert. Jetzt soll eine separate App richten, was die Hauptplattform längst zerstört hat. Das Problem: Meta hat null Glaubwürdigkeit in Sachen „echter Momente“. Die Strategie ist durchsichtig – erst kostenlos Nutzer anlocken, dann Werbung reinpumpen, bis auch diese App zur nächsten Monetarisierungsmaschine mutiert. Trotzdem könnte es funktionieren. Nicht weil Instants brillant ist, sondern weil Meta drei Milliarden gefangene Nutzer hat. Der Ein-Klick-Login macht den Einstieg lächerlich einfach, und wer Instagram ohnehin nutzt, wird vermutlich auch Instants ausprobieren.

Die eigentliche Frage ist: Wie lange dauert es, bis die ersten Ads auftauchen? BeReal hat gezeigt, dass selbst „authentische“ Plattformen schnell zu Werbeflächen werden. Meta wird diesen Weg noch schneller gehen. Die Wahrheit über Instants? Es ist ein Experiment mit Ablaufdatum, das nur so lange funktioniert, wie Meta die Werbegier zügelt. Und diese Selbstbeherrschung hat der Konzern noch nie besessen.

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet sich Instants von Snapchat und BeReal?

Instants kombiniert Elemente beider Apps: Fotos verschwinden nach einmaligem Ansehen wie bei Snapchat, während der Fokus auf unbearbeitete Authentizität an BeReal erinnert. Der entscheidende Unterschied liegt in der Integration mit Instagram – Nutzer können denselben Account verwenden und Inhalte plattformübergreifend teilen. Allerdings fehlt Instants die zeitliche Spontaneität von BeReal, wo alle Nutzer gleichzeitig posten.

Lohnt sich Instants für Unternehmen und Marketer?

Aktuell ist Instants ein Testlauf ohne klares Werbemodell. Frühe Adopter könnten von organischer Reichweite profitieren, bevor Meta Werbung integriert. Doch Vorsicht: Die App zielt auf private Kommunikation zwischen Freunden ab, nicht auf Brand-Content. Wer authentisches Storytelling sucht, sollte warten, bis Meta die kommerzielle Strategie offenlegt – vermutlich mit personalisierten Ads wie angekündigt.

Warum scheitern so viele Standalone-Apps von Meta?

Metas Problem ist die fehlende Differenzierung. TikTok Now, Instagrams BeReal-Kopien und andere Experimente boten nichts, was die Originale nicht besser machten. Nutzer haben keine Lust, zwischen zehn Apps zu wechseln, wenn eine reicht. Instants könnte durch die Instagram-Integration überleben, aber nur wenn Meta nicht zu schnell monetarisiert und die App zur nächsten Werbefläche degradiert.

Wie schnell wird Meta Werbung in Instants integrieren?

Meta hat bereits bestätigt, dass Instants-Inhalte für personalisierte Werbung genutzt werden können. Die Frage ist nicht ob, sondern wann sichtbare Ads kommen. BeReal brauchte Jahre bis zur Werbeintegration, Meta wird deutlich schneller sein. Realistisch sind sechs bis zwölf Monate nach dem globalen Launch – genug Zeit, um Nutzer anzulocken, bevor die Monetarisierung beginnt.

Sollten Nutzer Instants jetzt schon verwenden?

Wer Instagram nutzt und Snapchat oder BeReal vermisst, kann Instants ausprobieren. Die App bietet eine werbefreie Umgebung für private Momente – zumindest vorerst. Doch niemand sollte sich Illusionen machen: Meta baut keine Apps aus Nächstenliebe. Sobald die Nutzerzahlen stimmen, folgen Ads und Algorithmen. Wer echte Privatsphäre sucht, bleibt besser bei verschlüsselten Messengern.

Quellen: TechCrunch, t3n, Techbook

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