Brand & Brilliance KI-Pionier auxmoney: Mehr als nur ein künstlicher TV-Spot

KI-Pionier auxmoney: Mehr als nur ein künstlicher TV-Spot

Fintechs gelten als Angreifer der traditionellen Bankenwelt. Doch während viele noch über die Theorie von Künstlicher Intelligenz diskutieren, schafft auxmoney Fakten. Im Interview erklären Chief Growth Officer Matthias von der Heyde und Director Brand Marketing Tobias Schmelter, warum KI bei ihnen paradoxerweise für mehr Menschlichkeit sorgt und wie sie das Marketing von starren Millionenbudgets befreien.

Das Düsseldorfer Unternehmen nutzt KI mittlerweile als strategisches Multitool: von hochpräzisen Kreditentscheidungen in Minutenschnelle bis hin zum ersten komplett KI-generierten TV-Spot der Firmengeschichte. Doch hinter der technologischen Fassade steckt ein überraschendes Ziel: Mehr Menschlichkeit. Ein Interview über die Sinnhaftigkeit von Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine , die Entfesselung von kreativem Storytelling und die Frage, warum am Ende nur eines zählt: Die Wirkung beim Kunden

1. „auxmoney gilt als Fintech-Pionier – jetzt setzt ihr auch bei KI auf eine Vorreiterrolle. Wo genau kommt KI bei euch bereits zum Einsatz?“

Matthias: „Wir machen seit fast 20 Jahren nichts anderes, als Daten zu nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen. Als andere Fintechs noch nicht mal existierten, haben wir schon unser eigenes Scoring-System gebaut. Diese KI-Kampagne ist keine plötzliche Innovation – das ist die logische Fortsetzung dessen, was wir immer gemacht haben. Wir setzen KI mittlerweile in vielen Bereichen ein – von der Kreditentscheidung über das Recruiting, den Kundenservice bis hin zum Marketing.

Im Kundenservice nutzen wir KI, um Routineanfragen effizient zu bearbeiten und Prozesse zu optimieren. Das klingt erstmal nach dem, was viele Unternehmen machen. Der Unterschied bei uns: Wir sehen KI nicht als Ersatz für menschlichen Kontakt, sondern als Enabler. Die Zeit, die wir durch automatisierte Prozesse gewinnen, investieren wir in echte Beratung – für die Kundinnen und Kunden, die das persönliche Gespräch suchen.

Im Marketing sind wir noch einen Schritt weitergegangen: Wir haben kürzlich einen TV-Spot veröffentlicht, der komplett KI-generiert ist. Nicht als Experiment, sondern als bewusste strategische Entscheidung.“

2. „Ihr habt kürzlich einen komplett KI-generierten TV-Spot veröffentlicht. Was war die Motivation dahinter – Kosteneinsparung oder steckt mehr dahinter?“

Tobias: „Natürlich spielt Effizienz eine Rolle – wir wären kein gutes Fintech, wenn wir das ignorieren würden. Aber die eigentliche Motivation liegt woanders.

Wenn du einen klassischen TV-Spot produzierst, fließt ein enormer Teil deiner Zeit und Energie in die Produktion selbst: Location-Scouting, Casting, Drehgenehmigungen, Wetter-Abhängigkeiten, Post-Production. Das sind alles Dinge, die mit der eigentlichen Geschichte, die du erzählen willst, erstmal nichts zu tun haben.

Wir wollten dieses Verhältnis umdrehen. Mit KI-gestützter Produktion können wir uns voll und ganz auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Story. Die technische Umsetzung wird zum ausführenden Element, nicht mehr zum limitierenden Faktor.

Konkret heißt das: Statt drei Tage am Set zu stehen und zu hoffen, dass alles klappt, können wir drei Tage länger an der Geschichte arbeiten, die unsere Kundinnen und Kunden wirklich berührt.“

3. Kritiker hinterfragen, ob KI-generierte Werbung menschliche Geschichten erzählen kann und ob sie nicht generell weniger authentisch ist. Wie seht ihr das?“

Tobias: „Die Frage ist doch: Was macht Werbung eigentlich authentisch? 

Wir glauben: Authentizität entsteht durch die Geschichte, die du erzählst – nicht durch die Produktionsmethode. Wir drehen schließlich keine Dokumentation, sondern einen Werbespot. Wenn wir eine Story erzählen, die emotional resoniert, die ein echtes Bedürfnis anspricht, dann ist das so authentisch wie Werbung eben sein kann. Egal, ob diese Geschichte mit einer professionellen Filmkamera oder mit KI visualisiert wurde.

Mal ehrlich: Die meisten Werbespots werden heute ohnehin in künstlicher Studioumgebung oder vor Greenscreens gedreht und in der Post-Production massiv bearbeitet. Der „authentische Außendreh“ mit bezahlten Schauspielern ist oft selbst schon eine Illusion. Und diese Schauspieler – so gut sie auch performen – werden bezahlt, um eine Rolle zu spielen. Die wenigsten von ihnen haben sich jemals wirklich mit dem Produkt identifiziert, das sie bewerben. Ist das authentischer oder menschlicher als ein KI-generierter Spot, der eine echte Kundengeschichte visualisiert?

Niemand erwartet bei einem Werbespot dokumentarische Echtheit. Solange die Produktionsqualität stimmt und die Geschichte berührt, ist die Frage „Wie wurde das produziert?“ für den Endverbraucher letztlich irrelevant.

Am Ende entscheiden die Zuschauer nicht nach Produktionsmethode, sondern danach, ob sie sich angesprochen fühlen. Und das Feedback auf unseren Spot zeigt: Die Geschichte funktioniert.“

4. „Viele Unternehmen nutzen KI, um Personal zu ersetzen. Ihr sagt, KI schafft mehr Zeit für persönlichen Kundenkontakt – wie passt das zusammen?“

Matthias: „Das ist tatsächlich ein Punkt, der uns wichtig ist, weil er oft falsch verstanden wird.

Ja, KI kann Aufgaben übernehmen. Aber die Frage ist: Welche Aufgaben? Bei uns übernimmt KI vor allem die repetitiven, zeitfressenden Prozesse – Dinge, die vorher viel Kapazität gebunden haben, ohne dass sie einen echten Mehrwert für die Kundenbeziehung geschaffen hätten.

Ein Beispiel: Wenn jemand eine einfache Frage zum Kontostand oder zum Zahlungstermin hat, kann KI das schnell und zuverlässig beantworten – oft sogar besser, weil rund um die Uhr verfügbar. Die Kolleginnen und Kollegen im Service haben dadurch mehr Zeit für die Fälle, die wirklich menschliche Aufmerksamkeit brauchen: komplexe Anliegen, emotionale Situationen, individuelle Beratung.

Unser Ansatz ist: KI dort einsetzen, wo sie Prozesse beschleunigt – und Menschen dort einsetzen, wo Empathie und Urteilsvermögen gefragt sind, wir würden sagen: ‚wenn es drauf ankommt‘. Das ist kein Widerspruch, das ist eine sinnvolle Arbeitsteilung.“

5. „Was bedeutet der KI-Einsatz konkret für eure Kund:innen? Merken die überhaupt einen Unterschied?“

Matthias: „Ja, aber im positiven Sinne. Und oft merken sie es gar nicht bewusst – sie erleben einfach, dass Dinge schneller und reibungsloser funktionieren. Kleinere Kreditsummen sind für vielen Banken beispielsweise nicht attraktiv, weil die Prozesskosten zu hoch sind. Wir machen hier meist ein Angebot – und zwar innerhalb von wenigen Minuten.

Der Kreditantrag bei auxmoney war schon immer digital und schnell. Aber durch KI-gestützte Prozesse können wir heute noch präzisere Entscheidungen in noch kürzerer Zeit treffen. Für die Kundin oder den Kunden bedeutet das: weniger Warten, weniger Unsicherheit, schneller Klarheit.

Im Kundenservice bedeutet es: Einfache Anliegen werden sofort gelöst, bei komplexeren Fragen sind echte Menschen da, die sich Zeit nehmen können.

Den Erfolg dieser Maßnahmen messen wir ganz konkret: Erreichbarkeit und durchschnittliche Bearbeitungszeit pro Anfrage sind zentrale KPIs bei uns. Und die Resultate sprechen für sich: Wir antworten oft noch am gleichen Tag. Wir haben einen NPS von 60 – ein hervorragender Wert in unserer Branche – und bekommen überwiegend positive Bewertungen auf den gängigen Bewertungsplattformen. Die Zahlen bestätigen, dass unser Ansatz funktioniert.“

6. „Wie sieht eure KI-Strategie für die Zukunft aus – besonders im Marketing? Wird der klassische Dreh bald obsolet?“

Tobias: „Obsolet würde ich nicht sagen – aber die Gewichtung wird sich verschieben. Die klassische Produktion wird eine Option unter mehreren sein, nicht mehr der Default.

Für uns im Marketing bedeutet das: Die Frage „Welche Geschichte wollen wir erzählen?“ wird wichtiger als die Frage „Wie produzieren wir das?“. Stell dir vor, du hast eine Idee für einen Spot und kannst innerhalb von Tagen eine erste Version sehen – nicht als Storyboard, sondern als fertiges Video. Du kannst Varianten testen, Feinheiten anpassen und die Geschichte perfektionieren, bevor du dich festlegst. Wir können auch Geschichten ausprobieren, die früher aufgrund teurer Produktion sofort von der Ideenliste gestrichen worden wäre. Man denke an Aufnahmen im Flugzeug, ein Shooting im Krankenhaus, weil die Pflegerin eben da arbeitet, die gesamte neue Wohnungseinrichtung, das spielt alles keine Rolle mehr. 

Aber der vielleicht wichtigste Aspekt: Wir können Kampagnen und Konzepte jetzt viel schneller zu den Endkonsumenten bringen und Ideen anhand echter Resultate bewerten. Früher war man mit einer gut klingenden, aber vielleicht nicht optimal funktionierenden Kampagne fast gezwungen, diese über einen längeren Zeitraum laufen zu lassen – einfach weil ein sechs- oder siebenstelliges Produktionsbudget dahinterstand. Diesen Zwang haben wir nicht mehr. Wenn eine Kampagne nicht performt, können wir schnell wechseln, ohne dass uns die Sunk Costs im Nacken sitzen.

Denn letztlich muss Werbung funktionieren. Branchen Awards für ein vermeintlich ausgeklügeltes Konzept und schöne Bilder sind für uns kein Maßstab – Wirkung beim Kunden ist es. Und KI gibt uns die Flexibilität, genau darauf zu optimieren.“

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