Brand & Brilliance Uber schnappt sich Delivery Hero – „Ubern“ wir bald nur noch?

Uber schnappt sich Delivery Hero – „Ubern“ wir bald nur noch?

Uber kontrolliert jetzt 19,5 Prozent von Delivery Hero und ist damit größter Aktionär. Über Optionen könnte der US-Konzern bald eine Sperrminorität erreichen. Die Aktie springt – doch was steckt wirklich dahinter?

Uber kontrolliert jetzt 19,5 Prozent von Delivery Hero und ist damit größter Aktionär. Über Optionen könnte der US-Konzern bald eine Sperrminorität erreichen. Die Aktie springt – doch was steckt wirklich dahinter?

Uber hat sich still und leise zum mächtigsten Player bei Delivery Hero gemausert. Mit 19,5 Prozent der Anteile thront der US-Konzern nun an der Spitze der Aktionärsstruktur des Berliner Lieferdienstes.

Zusätzlich hält Uber Optionen auf weitere 5,6 Prozent – genug, um perspektivisch eine Sperrminorität von rund 25 Prozent zu erreichen. Die Börse reagierte prompt: Die Delivery-Hero-Aktie legte um 5,6 Prozent auf 31,15 Euro zu. Doch während die Zahlen klar sind, bleibt die Strategie dahinter nebulös.

Vom Nebendarsteller zum Hauptakteur

Noch im April hatte Uber dem niederländischen Finanzinvestor Prosus ein Aktienpaket abgekauft und war damit auf 7,2 Prozent eingestiegen. Jetzt, nur einen Monat später, hat sich dieser Anteil fast verdreifacht. Woher die zusätzlichen Anteile stammen, bleibt unklar – weder Uber noch Delivery Hero äußern sich dazu konkret.

Fakt ist: Prosus muss seinen Anteil bis zum Spätsommer auf unter zehn Prozent reduzieren und hielt zuletzt noch 16,8 Prozent. Der Hongkonger Vermögensverwalter Aspex hatte zuvor ebenfalls zugegriffen und damit den Druck auf Gründer Niklas Östberg erhöht, der seinen Rückzug bis Anfang 2027 angekündigt hat.

Keine Übernahme – vorerst

Uber betont in einer Pflichtmitteilung, dass eine Aufstockung auf 30 Prozent – die ein Übernahmeangebot auslösen würde – derzeit nicht geplant sei. Das Wort „derzeit“ lässt allerdings Interpretationsspielraum. Mit den bestehenden Optionen könnte Uber seine Position jederzeit ausbauen, ohne die 30-Prozent-Schwelle zu überschreiten.

Eine Sperrminorität würde ausreichen, um strategische Entscheidungen bei Delivery Hero zu blockieren oder mitzugestalten. Delivery Hero selbst gibt sich gelassen und spricht von einer Bestätigung seiner Plattform- und Everyday-App-Strategie. Das Unternehmen konzentriere sich weiterhin auf operative Performance und die Prüfung strategischer Optionen, heißt es in einer Mitteilung.

Was Uber wirklich will

Die Frage ist: Warum investiert Uber so massiv in einen direkten Konkurrenten? Mit Uber Eats betreibt der Konzern selbst einen Lieferdienst, der in vielen Märkten gegen Delivery Hero antritt. Eine mögliche Erklärung: Uber könnte auf eine strategische Partnerschaft oder Marktaufteilung abzielen. In einigen Regionen dominiert Delivery Hero, in anderen Uber Eats.

Eine Kooperation könnte Synergien schaffen und den Wettbewerbsdruck reduzieren. Alternativ könnte Uber langfristig doch auf eine Übernahme spekulieren – nur eben nicht sofort. Die Sperrminorität wäre dann ein taktischer Zwischenschritt, um Einfluss zu sichern und gleichzeitig flexibel zu bleiben.

Business Punk Check

Uber spielt ein cleveres Spiel – und Delivery Hero hat wenig Gegenwehr. Die Sperrminorität ist kein Zufall, sondern ein taktischer Schachzug, um Einfluss zu sichern, ohne die Kosten und regulatorischen Hürden einer Komplettübernahme zu tragen. Delivery Heros PR-Gerede von „Bestätigung der Plattform-Strategie“ ist durchsichtig: Hier übernimmt ein Konkurrent schrittweise die Kontrolle, und das Management verkauft es als Erfolg.

Die Wahrheit? Uber könnte jetzt jede strategische Entscheidung blockieren oder erzwingen – von Marktaustritten über Partnerschaften bis hin zu Verkäufen. Für Investoren ist das kurzfristig positiv, weil Uber als Ankeraktionär Stabilität suggeriert. Langfristig aber verliert Delivery Hero seine Unabhängigkeit. Die spannende Frage: Will Uber wirklich nur mitspielen – oder bereitet der Konzern eine schleichende Übernahme vor, bei der die 30-Prozent-Schwelle elegant umgangen wird? Die Optionen auf weitere Anteile sind jedenfalls keine Dekoration. Wer jetzt auf Delivery Hero setzt, wettet faktisch auf Ubers Strategie. Und die ist alles andere als transparent.

Häufig gestellte Fragen

Warum investiert Uber so massiv in Delivery Hero?

Uber könnte auf eine strategische Partnerschaft oder Marktaufteilung abzielen, um Wettbewerbsdruck zu reduzieren und Synergien zu schaffen. Mit einer Sperrminorität sichert sich der Konzern Einfluss, ohne sofort eine teure Übernahme stemmen zu müssen. Alternativ könnte dies ein taktischer Zwischenschritt für eine spätere Komplettübernahme sein.

Was bedeutet eine Sperrminorität für Delivery Hero?

Mit rund 25 Prozent der Anteile könnte Uber strategische Entscheidungen bei Delivery Hero blockieren oder maßgeblich mitgestalten. Das betrifft etwa Fusionen, Verkäufe von Unternehmensteilen oder grundlegende Strategieänderungen. Delivery Hero würde damit faktisch nicht mehr allein über seine Zukunft entscheiden können.

Wird Uber Delivery Hero komplett übernehmen?

Aktuell verneint Uber eine Aufstockung auf 30 Prozent, die ein Übernahmeangebot auslösen würde. Das Wort „derzeit“ lässt jedoch Spielraum für spätere Schritte. Mit den bestehenden Optionen auf weitere 5,6 Prozent bleibt Uber flexibel und kann seine Position jederzeit ausbauen, ohne sofort alle Karten auf den Tisch legen zu müssen.

Wie reagiert die Börse auf den Uber-Einstieg?

Die Delivery-Hero-Aktie legte um 5,6 Prozent auf 31,15 Euro zu – ein klares Signal, dass Investoren den Schritt positiv bewerten. Die Hoffnung: Uber könnte entweder für Stabilität sorgen oder langfristig einen Übernahmeaufschlag zahlen. Kurzfristig profitiert Delivery Hero von der Aufmerksamkeit und dem Vertrauensvorschuss.

Was passiert mit Gründer Niklas Östberg?

Östberg hat seinen Rückzug bis Anfang 2027 angekündigt, nachdem Großaktionär Aspex Druck gemacht hatte. Der Uber-Einstieg könnte diesen Prozess beschleunigen oder verändern. Möglicherweise wird Uber auf eine neue Führung drängen, die stärker auf Kooperationen mit dem US-Konzern ausgerichtet ist.

Quellen: WirtschaftsWoche, n-tv

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