Business & Beyond 30% Kursverlust – aber 65 Milliarden Aufträge: Rheinmetalls Comeback-Story

30% Kursverlust – aber 65 Milliarden Aufträge: Rheinmetalls Comeback-Story

Rheinmetall schmiedet eine Allianz mit Indra in Spanien, der Auftragsbestand liegt bei 65 Milliarden Euro. Trotzdem verlor die Aktie 30 Prozent. Was läuft schief?

Deutschlands größter Rüstungskonzern expandiert nach Spanien und verliert gleichzeitig massiv an Börsenwert. Rheinmetall unterzeichnete mit dem spanischen Technologiekonzern Indra ein Memorandum of Understanding für ein Joint Venture. Das Ziel: Militär-Lastwagen, gepanzerte Fahrzeuge und möglicherweise Kampfpanzer für die spanische Armee produzieren.

Das Auftragsvolumen bewegt sich im Milliardenbereich. Doch während Konzernchef Armin Papperger neue Märkte erschließt, stürzt die Aktie ab. Seit dem Jahreshoch Mitte Januar hat der Titel fast 30 Prozent verloren – trotz eskalierender Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten.

Spanien-Deal schafft Jobs – aber nicht in Deutschland

Das geplante Gemeinschaftsunternehmen soll noch 2025 gegründet werden und direkt bei zwei spanischen Ausschreibungen mitmischen: bis zu 3.000 Militär-Lastwagen und mehrere hundert gepanzerte taktische Fahrzeuge. Rheinmetall bringt seine Fahrzeugkompetenz ein, Indra liefert Sensorik und Elektronik für Flugzeuge, Schiffe und Satelliten.

Die Produktion läuft komplett in Spanien, dort entstehen laut Merkur 500 bis 700 neue Arbeitsplätze. Für deutsche Standorte bedeutet das: nichts. Die Kooperation erweitert zwar das Portfolio, verschiebt aber Wertschöpfung ins Ausland. Indra erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro, davon 1,4 Milliarden in der Verteidigungssparte – ein Plus von über einem Drittel.

Enttäuschende Zahlen drücken den Kurs

Anfang März präsentierte Rheinmetall die Bilanz für 2024 und die Prognose für 2025. Beide verfehlten die Erwartungen. Der Umsatz kletterte zwar um 29 Prozent auf 9,94 Milliarden Euro, blieb aber unter den Analystenschätzungen. Gravierender: Der Gewinn je Aktie brach von 10,87 Euro auf 7,22 Euro ein.

Die Umsatzprognose für 2025 liegt bei 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro – deutlich unter dem Analystenkonsens von 15,0 Milliarden Euro. Auch die Margenprognose von 19 Prozent enttäuschte und traf nur das untere Ende der Erwartungen. Die Börse reagierte prompt mit Kursverlusten.

Monopol bei Artilleriemunition bröckelt

Im März genehmigte das Bundeskartellamt die Allianz zwischen Diehl Defence und dem norwegischen Rüstungskonzern Nammo. Das Joint Venture beendet Rheinmetalls faktisches Monopol bei 155-mm-Artilleriemunition. Bisher war der Düsseldorfer Konzern unangefochtener Hauptlieferant der Bundeswehr. Jetzt verlagert Nammo seine Produktion nach Deutschland, Diehl stellt die Fertigungsanlagen.

Die Bundeswehr signalisierte bereits, die Abhängigkeit von einem einzigen Großlieferanten reduzieren zu wollen. Diehl/Nammo erhielt einen massiven Rahmenvertrag, den Rheinmetall früher allein bedient hätte. Das trifft die profitabelste Sparte des Konzerns direkt – künftig sinken die Margen im Munitionsgeschäft so Sharedeals.

Auftragsbestand von 65 Milliarden Euro als Sicherheitsnetz

Trotz Kursrutsch sitzt Rheinmetall auf einem Auftragsbestand von 65 Milliarden Euro. Das sichert die Produktion für die nächsten vier Jahre. Die Aktie notiert aktuell nur noch 17 Prozent über dem 12-Monatstief bei 1.180 Euro. Analysten sehen die Kursziele zwischen 1.500 und 2.050 Euro – deutlich über dem aktuellen Niveau.

Die geopolitische Lage spielt dem Konzern langfristig in die Karten: Europa muss sich verteidigungspolitisch unabhängiger von den USA aufstellen. Die NATO in ihrer bisherigen Form verliert an Bedeutung. Rheinmetall positioniert sich als europäischer Rüstungschampion und profitiert von steigenden Verteidigungsbudgets.

Business Punk Check

Rheinmetall expandiert strategisch klug nach Spanien, verliert aber gleichzeitig Marktanteile im lukrativen Munitionsgeschäft. Der Spanien-Deal klingt nach Wachstum, schafft aber keine einzige Stelle in Deutschland – die Wertschöpfung wandert ab. Parallel dazu zerstört die Diehl/Nammo-Allianz das Artilleriemunitions-Monopol, das jahrelang die fettesten Margen lieferte. Die Bundeswehr diversifiziert bewusst ihre Lieferanten, Rheinmetall verliert Pricing Power.

Die enttäuschenden Zahlen für 2024 und die verhaltene Prognose für 2025 zeigen: Das Wachstumstempo verlangsamt sich. Der Auftragsbestand von 65 Milliarden Euro klingt beruhigend, aber die Frage ist, zu welchen Margen diese Aufträge abgearbeitet werden. Die geopolitische Lage bleibt günstig, doch der Konzern kämpft jetzt mit echter Konkurrenz statt mit einem faktischen Monopol. Für Anleger bedeutet das: Die Story stimmt langfristig, aber die goldenen Jahre mit explodierenden Margen sind vorbei. Wer jetzt einsteigt, kauft solides Wachstum – aber keine Vervielfachung mehr.

Häufig gestellte Fragen

Warum fällt die Rheinmetall-Aktie trotz steigender Verteidigungsausgaben?

Die Aktie verliert an Wert, weil Rheinmetall sein Monopol bei Artilleriemunition an die Diehl/Nammo-Allianz verliert und die Geschäftszahlen für 2024 sowie die Prognose für 2025 unter den Analystenschätzungen lagen. Der Gewinn je Aktie brach von 10,87 Euro auf 7,22 Euro ein, die Umsatzprognose liegt deutlich unter dem Konsens. Die Börse reagiert auf sinkende Margen und zunehmende Konkurrenz, nicht auf geopolitische Trends.

Welche Auswirkungen hat der Spanien-Deal auf deutsche Standorte?

Der Spanien-Deal mit Indra schafft 500 bis 700 Arbeitsplätze – allerdings ausschließlich in Spanien, wo Produktion und Unternehmenssitz angesiedelt werden. Für deutsche Rheinmetall-Standorte entstehen keine neuen Stellen, die Wertschöpfung wandert ins Ausland ab. Die Kooperation erweitert zwar das internationale Portfolio, stärkt aber nicht die heimische Industriebasis.

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg bei Rheinmetall?

Die Aktie notiert 17 Prozent über dem 12-Monatstief, Analysten sehen Kursziele zwischen 1.500 und 2.050 Euro. Der Auftragsbestand von 65 Milliarden Euro sichert vier Jahre Produktion. Langfristig profitiert Rheinmetall von Europas Verteidigungsausbau, kurzfristig drücken aber Margenerosion und Konkurrenz. Wer auf solides Wachstum statt auf Vervielfachung setzt, findet hier ein attraktives Einstiegsniveau.

Wie gefährlich ist die Diehl/Nammo-Allianz für Rheinmetall?

Die Allianz beendet Rheinmetalls faktisches Monopol bei 155-mm-Artilleriemunition, der profitabelsten Sparte des Konzerns. Die Bundeswehr will bewusst die Abhängigkeit von einem Großlieferanten reduzieren und vergab bereits einen massiven Rahmenvertrag an Diehl/Nammo. Das bedeutet sinkende Margen und Marktanteilsverluste im lukrativsten Geschäftsfeld. Rheinmetall muss künftig im Wettbewerb bestehen statt Monopolpreise durchzusetzen.

Welche Rolle spielt die geopolitische Lage für Rheinmetalls Zukunft?

Europas wachsende Unabhängigkeit von der NATO und steigende Verteidigungsbudgets schaffen langfristig Nachfrage. Die Differenzen zwischen Europa und den USA bei Ukraine- und Nahost-Konflikten beschleunigen den Aufbau europäischer Verteidigungskapazitäten. Rheinmetall positioniert sich als kontinentaler Champion und profitiert strukturell von dieser Entwicklung. Die goldenen Monopol-Jahre sind aber vorbei – künftig zählt Wettbewerbsfähigkeit statt Marktmacht.

Quellen: Merkur, Sharedeals

Das könnte dich auch interessieren