Business & Beyond Made in Germany am Kipppunkt: Autoabbau, China-Konkurrenz, Trump-Zölle – wohin steuert die Wirtschaft?

Made in Germany am Kipppunkt: Autoabbau, China-Konkurrenz, Trump-Zölle – wohin steuert die Wirtschaft?

„Massive Gewinneinbrüche, Überkapazitäten und schwächelnde Auslandsmärkte machen einen deutlichen Stellenabbau unumgänglich – gerade in Deutschland, wo Management-, Verwaltungs- und F&E-Funktionen angesiedelt sind“, erklärt der EY-Experte laut „tagesschau.de“. Automobilindustrie und Maschinenbau stellen deutlich weniger junge Menschen ein als in den Vorjahren.

Transformation statt Deindustrialisierung?

Die aktuelle Entwicklung hat eine Debatte über eine mögliche „Deindustrialisierung“ Deutschlands entfacht. Doch die „taz“ argumentiert, dass eine konsequente Transformation hin zur E-Mobilität der bessere Weg wäre: „Stattdessen wiederholen sie die Fehler der Vergangenheit und verzögern die Transformation. Sie kippen bereits gesteckte Klimaziele.

Und sie opfern über 50.000 Stellen innerhalb eines Jahres, um weiter möglichst hohe Gewinne mit einer überholten Technik einzufahren.“ In einer längerfristigen Betrachtung zeigt sich zudem, dass die Industriebeschäftigung Ende 2024 immer noch um 3,5 Prozent höher lag als 2014. Die Frage ist nicht, ob Deutschland seine Industrie verliert – sondern wie sie sich transformieren muss, um zukunftsfähig zu bleiben.

Business Punk Check

Der deutsche Industriestandort steht nicht vor dem Ende – aber vor einer schmerzhaften Häutung. Die Wahrheit ist: Die Autoindustrie hat den Wandel verschlafen und zahlt jetzt den Preis. Statt einer klaren Transformationsstrategie erleben wir ein verzweifeltes Festhalten an alten Geschäftsmodellen, während gleichzeitig Tausende Jobs geopfert werden. Besonders bitter: Erstmals trifft es auch die hochqualifizierten Köpfe, die eigentlich den Wandel gestalten sollten.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer jetzt noch auf Verbrenner-Technologie setzt, plant seinen eigenen Untergang. Für Absolventen heißt es: Die sicheren Karrierepfade in der deutschen Industrie existieren nicht mehr. Der Standort Deutschland braucht keine Nostalgie, sondern einen radikalen Neuanfang – mit klarem Fokus auf Zukunftstechnologien statt auf das Verteidigen überholter Geschäftsmodelle.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Branchen sind vom Stellenabbau am stärksten betroffen?
    Die Autoindustrie führt mit 51.500 gestrichenen Stellen (fast 7 Prozent) die Negativliste an, gefolgt vom Maschinenbau mit 17.000 und der Metallerzeugung mit 12.000 verlorenen Arbeitsplätzen. Die Chemie- und Pharmabranche konnte ihre Beschäftigtenzahlen dagegen weitgehend halten.
  • Was bedeutet die Krise für Hochschulabsolventen und Ingenieure?
    Erstmals seit Jahrzehnten müssen sich Hochschulabsolventen auf steigende Arbeitslosigkeit einstellen. Besonders Ingenieure, die traditionell in der Automobil- und Maschinenbaubranche Karriere machten, sollten sich breiter aufstellen und Kompetenzen in Zukunftsfeldern wie Digitalisierung, erneuerbare Energien oder KI entwickeln.
  • Handelt es sich um eine vorübergehende Krise oder einen strukturellen Wandel?
    Die Daten deuten klar auf einen strukturellen Wandel hin. Die Kombination aus geopolitischen Spannungen (Zollstreit mit USA), Transformationsdruck (E-Mobilität) und verschlafener Innovation führt zu einer grundlegenden Neuausrichtung der deutschen Industrie. Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle radikal überdenken, statt auf eine Rückkehr zum Status quo zu hoffen.
  • Wie können mittelständische Zulieferer auf die Krise reagieren?
    Mittelständische Zulieferer sollten ihre Abhängigkeit von der klassischen Automobilindustrie reduzieren und ihr Know-how auf andere Branchen übertragen. Gleichzeitig gilt es, gezielt in Zukunftstechnologien zu investieren und internationale Märkte jenseits der traditionellen Exportziele zu erschließen. Kooperationen mit Startups können helfen, Innovationslücken zu schließen.
  • Ist Deutschland auf dem Weg in die Deindustrialisierung?
    Von einer vollständigen Deindustrialisierung kann nicht gesprochen werden – die Industriebeschäftigung liegt immer noch 3,5 Prozent über dem Niveau von 2014. Allerdings findet ein schmerzhafter Strukturwandel statt, der bestimmte Industriezweige härter trifft als andere. Entscheidend wird sein, ob Deutschland den Übergang zu zukunftsfähigen Industriezweigen schafft.

Quellen: „br.de“, „tagesschau.de“, „taz.de“

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