Business & Beyond Amazon-Effekt: Warum der Einzelhandel 2025 trotz Krise wuchs

Amazon-Effekt: Warum der Einzelhandel 2025 trotz Krise wuchs

Trotz Konjunkturflaute verzeichnete der deutsche Einzelhandel 2025 ein überraschendes Umsatzplus von 2,4 Prozent. Der Haupttreiber: Eine Amazon-Umstrukturierung, die bisher nicht erfasste Umsätze in die deutsche Statistik brachte.

Der deutsche Einzelhandel hat 2025 allen wirtschaftlichen Widrigkeiten getrotzt. Mit einem inflationsbereinigten Umsatzplus von 2,4 Prozent steht die Branche deutlich besser da als erwartet. Laut „tagesschau.de“ handelt es sich um den größten Zuwachs seit dem Corona-Jahr 2020 – und das Doppelte des Vorjahreswerts. Doch hinter dem Wachstum steckt ein statistischer Sondereffekt, der das Gesamtbild verzerrt.

Der Amazon-Boost

Die positive Entwicklung verdankt der Handel vor allem einem starken ersten Halbjahr mit einem realen Umsatzplus von 3,8 Prozent. So ist dieser Schub auf die Umstrukturierung eines großen Unternehmens im Versandhandel zurückzuführen. Branchenkenner identifizieren den E-Commerce-Riesen Amazon als Verursacher.

Durch konzerninternen Umbau flossen plötzlich Umsätze in die deutsche Statistik, die zuvor nicht erfasst wurden. „Insofern ist das noch keine solide Grundlage, um das Jahr 2025 für den Einzelhandel und seine Umsätze einzuordnen“, so der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, laut „Handelsblatt“. Er verweist auf Erfahrungswerte, wonach vorläufige Daten später häufig nach unten korrigiert werden.

Gewinner und Verlierer

Besonders stark profitierte der Online- und Versandhandel mit einem beeindruckenden Umsatzplus von fast 11 Prozent, wie das Statistische Bundesamt laut „tagesschau.de“ mitteilte. Auch der Handel mit Kosmetik- und Gesundheitsprodukten wuchs überdurchschnittlich um 3,4 Prozent.

Nicht alle Branchen konnten jedoch vom Aufwärtstrend profitieren. Der Textil- und Bekleidungssektor verzeichnete einen Umsatzrückgang von etwa einem Prozent. Besonders zum Jahresende zeigte die Entwicklung nach unten: Im November, dem Auftakt des Weihnachtsgeschäfts, lag der Umsatz inflationsbereinigt 1,8 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Konsumkrise trotz Wachstumszahlen

„Klar ist auf jeden Fall, dass 2025 für viele Handelsunternehmen ein eher schwieriges Jahr war“, sagte Genth laut „Handelsblatt“. „Die Konsumstimmung machte keine Fortschritte und konnte nie die Werte der Vor-Corona-Zeit erreichen.“ Die Verbraucherstimmung hat sich zum Jahreswechsel weiter verschlechtert. Das Konsumklimabarometer sank um 3,5 Punkte auf minus 26,9 Zähler – ein Wert, der zuletzt im April 2024 unterschritten wurde.

Wie „n-tv.de“ berichtet, kletterte die Sparneigung der Deutschen auf den höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2008. „Es fehlt an Dynamik, der Umsatz tritt seit mehr als einem halben Jahr auf der Stelle“, erklärte Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, laut „tagesschau.de“. „Wegen Arbeitsplatzsorgen und politischer Unsicherheit wird Geld lieber gespart.“.

Business Punk Check

Der Amazon-Effekt verschleiert die wahre Lage des Einzelhandels. Während die Statistik jubelt, kämpfen lokale Händler mit sinkender Kauflaune und wachsender Online-Konkurrenz. Die Zahlen zeigen eine unbequeme Wahrheit: Der stationäre Handel verliert strukturell, während der E-Commerce-Sektor – angeführt von wenigen Giganten – die Gewinne einstreicht.

Besonders brisant: Die Sparquote auf Rekordniveau signalisiert tiefes Konsumenten-Misstrauen gegenüber der wirtschaftlichen Zukunft. Für Händler bedeutet das: Wer nicht digital transformiert und Mehrwert jenseits des reinen Produktverkaufs bietet, wird weiter Marktanteile verlieren. Die Polarisierung zwischen Premium- und Discount-Segment wird sich 2026 verstärken – die Mitte stirbt.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Einzelhandelsbranchen haben trotz Konsumflaute Potenzial?
    Gesundheits- und Kosmetikprodukte zeigen mit 3,4 Prozent Wachstum überdurchschnittliche Resilienz. Auch Premium-Segmente mit starkem Markenkern und Discount-Anbieter mit klarem Preisvorteil können sich behaupten. Die Mitte ohne klares Profil verliert dagegen weiter.
  • Wie können stationäre Händler dem Amazon-Effekt begegnen?
    Erfolgreiche Händler setzen auf hybride Modelle mit digitalem Rückgrat. Entscheidend sind nahtlose Omnichannel-Erlebnisse, lokale Verfügbarkeit als Vorteil und Community-Building durch Events oder Workshops, die online nicht replizierbar sind.
  • Was bedeutet die Rekord-Sparquote für Marketingstrategien im Handel?
    Werbebotschaften müssen von „Want“ auf „Need“ umstellen. Langlebigkeit, Wertstabilität und praktischer Nutzen werden wichtiger als Status oder Trend-Appeal. Finanzierungsmodelle und flexible Zahlungsoptionen werden zum entscheidenden Kaufargument.
  • Welche politischen Maßnahmen könnten die Konsumstimmung verbessern?
    Laut Handelsverband würden Stromsteuersenkungen, gedeckelte Sozialabgaben und gezielte Entlastungen für mittlere Einkommen den Konsum ankurbeln. Planungssicherheit für Unternehmen und Verbraucher ist der Schlüssel zur Überwindung der Konsumzurückhaltung.

Quellen: „tagesschau.de“, „Handelsblatt“, „n-tv.de“

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