Business & Beyond Bier-Krise: Deutschland fliegt aus Top 5 – Russland überholt

Bier-Krise: Deutschland fliegt aus Top 5 – Russland überholt

Deutschland verliert seinen Platz unter den Top 5 der weltgrößten Bierproduzenten an Russland. Heimische Brauereien kämpfen mit sinkender Nachfrage, während die Hopfenbranche trotz Überangebot einen Lichtblick bietet.

Der deutsche Biermarkt steckt in einer handfesten Krise. Was jahrzehntelang undenkbar schien, ist nun bittere Realität: Deutschland ist nicht mehr unter den Top 5 der weltgrößten Bierproduzenten.

Russland hat die Bundesrepublik überholt und auf Platz sechs verdrängt. Laut „Welt“ sank die Produktion hierzulande um ein Prozent auf 8,4 Milliarden Liter, während Russland einen Zuwachs von neun Prozent auf 9,1 Milliarden Liter verzeichnete. Damit verliert Deutschland auch seinen seit 2013 gehaltenen Titel als europäischer Biermeister.

Das Dilemma der deutschen Brauereien

Die Ursachen für den Abstieg sind vielschichtig. Während in Russland die heimische Produktion nach dem Rückzug internationaler Konzerne und aufgrund von Sanktionen deutlich angekurbelt wurde, kämpfen deutsche Brauereien mit strukturellen Problemen. „Der Bierkonsum ist seit Jahrzehnten rückläufig“, berichtet „br.de“. Demografischer Wandel, veränderte Trinkgewohnheiten und eine sinkende Kaufkraft setzen der Branche zu.

Besonders alarmierend: 2025 könnte zum schwächsten Bierjahr seit der Wiedervereinigung werden. Von Januar bis Mai brach die Nachfrage bereits um fast sieben Prozent auf 34,1 Millionen Hektoliter ein, wie „Welt“ berichtet. Volker Kuhl, Geschäftsführer der Großbrauerei Veltins, spricht von einem „historischen Minus“ und einem „Kampf für viele Brauereien“.

Konsolidierungswelle rollt an

Die Folgen sind bereits sichtbar. BarthHaas-Geschäftsführer Thomas Raiser, dessen Unternehmen als weltgrößter Hopfenhändler tiefe Einblicke in die Branche hat, erwartet laut „Welt“ eine weitere Konsolidierung. „Wir wissen, dass mittelständische Brauereien unter einem enormen Druck stehen“, wird er zitiert. Der aggressive Preiswettbewerb in Deutschland verschärft die Situation zusätzlich.

Ein aktuelles Beispiel ist Oettinger. Der Billigbrauer, dessen Ausstoß im vergangenen Jahr um zwölf Prozent einbrach, schließt seinen Standort in Braunschweig. Rund 150 Mitarbeiter sind betroffen. Nach Angaben von „Welt“ begründet Brauereichef Stefan Blaschak die Entscheidung mit dem auf das Niveau von vor 20 Jahren gesunkenen Absatz.

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