Business & Beyond BMW trotzt der Autokrise: 10,2 Milliarden Gewinn – doch China wackelt

BMW trotzt der Autokrise: 10,2 Milliarden Gewinn – doch China wackelt

Während Mercedes und VW abstürzen, hält sich BMW noch im Rennen. Doch die operative Marge fällt auf 5,3 Prozent – niedrigster Wert seit 2020. China-Flaute und Trumps Zölle kosten die Münchner 1,5 Prozentpunkte Rendite.

Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise – doch BMW zeigt, dass es auch anders geht. Während Mercedes und Volkswagen massive Gewinneinbrüche vermelden, behaupten sich die Münchner mit einem operativen Ergebnis von 10,2 Milliarden Euro an der Spitze der deutschen Premiumhersteller. Der Nettogewinn liegt bei 7,45 Milliarden Euro, nur 3 Prozent unter Vorjahr. Klingt solide – doch ein genauer Blick auf die Zahlen offenbart, wie dünn das Eis wirklich ist.

China-Desaster trifft BMW härter als zugegeben

Der Absatz in China brach um 12,5 Prozent ein. Das ist mehr als nur ein Rückschlag – das ist ein Alarmsignal für einen Markt, der jahrelang als Cashcow galt. Laut Stern kompensierte BMW die Verluste durch Zuwächse in Europa (plus 7,3 Prozent) und Amerika (plus 5,6 Prozent). Unterm Strich stieg der weltweite Absatz um magere 0,5 Prozent auf 2,46 Millionen Fahrzeuge. Der Umsatz? Minus 6,3 Prozent auf 133,5 Milliarden Euro. Diese Schere zwischen Absatz und Umsatz zeigt: BMW verkauft mehr Autos, verdient aber weniger pro Fahrzeug.

„Im Vergleich zu den beiden anderen deutschen Herstellern hat BMW in China deutlich weniger Federn lassen müssen und steht insgesamt stabiler da“, sagt Autoexpertin Beatrix Keim vom Center Automotive Research zu Bild.

Handelspolitik frisst Profitabilität auf

Die operative Marge im Autogeschäft liegt bei 5,3 Prozent – niedrigster Stand seit der Pandemie. Trumps Zölle und EU-Handelskonflikte kosten BMW rund 1,5 Prozentpunkte Marge. Für 2026 rechnet der Konzern mit weiteren 1,25 Prozentpunkten Belastung.

Das bedeutet: Die Marge dürfte auf 4 bis 6 Prozent fallen, deutlich unter dem früheren Zielkorridor von 8 bis 10 Prozent. Was BMW als „strategische Flexibilität“ verkauft, ist in Wahrheit ein Rückzugsgefecht gegen geopolitische Realitäten.

Elektro-Offensive als letzter Strohhalm

BMW setzt auf E-Mobilität: 17,9 Prozent aller verkauften Fahrzeuge sind rein elektrisch, der Absatz stieg um 3,6 Prozent. Doch reicht das? Die Konkurrenz aus China produziert günstiger und schneller.

BMWs Premiumstrategie funktioniert nur, solange Kunden bereit sind, den Aufpreis zu zahlen – und genau diese Bereitschaft schwindet in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Führungswechsel in turbulenten Zeiten

Im Mai übergibt Oliver Zipse den Chefposten an Milan Nedeljkovic. Der neue CEO erbt ein Unternehmen, das zwar besser dasteht als Mercedes und VW, aber mit schrumpfenden Margen und wachsendem Druck aus Asien kämpft.

Die Frage ist nicht, ob BMW die Krise übersteht – sondern ob der Konzern seine Premiumposition verteidigen kann, wenn die Handelskriege eskalieren und China weiter wegbricht.

Business Punk Check

BMW verkauft die Zahlen als Erfolg – doch die Wahrheit ist unbequemer. Eine Marge von 5,3 Prozent ist für einen Premiumhersteller gefährlich niedrig. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag der Zielkorridor bei 8 bis 10 Prozent. Was ist passiert? Handelskriege, China-Flaute und eine E-Offensive, die zwar Absatz bringt, aber keine Rendite. BMWs Strategie basiert darauf, dass Kunden bereit sind, für „Made in Germany“ einen Aufpreis zu zahlen. Doch genau diese Bereitschaft bröckelt, wenn chinesische Hersteller technologisch aufholen und Tesla die Premiumdefinition neu schreibt.

Die politische Dimension wird unterschätzt: Trumps Zölle kosten BMW 1,5 Prozentpunkte Marge – das sind bei 133,5 Milliarden Euro Umsatz rund 2 Milliarden Euro Gewinnverlust. Für 2026 drohen weitere 1,25 Prozentpunkte. Das ist keine Randnotiz, sondern ein massiver Eingriff in die Profitabilität. Wer glaubt, Handelspolitik sei nur Theorie, sollte sich BMWs Zahlen ansehen.

Häufig gestellte Fragen

Warum schneidet BMW besser ab als Mercedes und Volkswagen?

BMW hat früher auf Flexibilität in der Produktion gesetzt und sich klar im Premiumsegment positioniert. Während VW mit Überkapazitäten und Mercedes mit Imageproblemen kämpft, profitieren die Münchner von einer stabileren Markenwahrnehmung. Dennoch: Die Marge von 5,3 Prozent zeigt, dass auch BMW massiv unter Druck steht.

Welche Rolle spielen Handelskonflikte für BMWs Profitabilität?

Trumps Zölle und EU-Handelskonflikte kosten BMW aktuell 1,5 Prozentpunkte Marge, für 2026 werden weitere 1,25 Prozentpunkte erwartet. Das bedeutet: Geopolitik frisst direkt in die Gewinnmarge. Für Premiumhersteller, die global produzieren und verkaufen, wird Handelspolitik zum existenziellen Risikofaktor.

Wie abhängig ist BMW wirklich vom chinesischen Markt?

Der Absatzrückgang von 12,5 Prozent in China zeigt die Verwundbarkeit. Zwar kompensiert BMW durch Europa und Amerika, doch die Frage bleibt: Wie lange funktioniert das? China war jahrelang der wichtigste Wachstumsmarkt – fällt er dauerhaft weg, muss BMW seine gesamte Strategie überdenken.

Kann E-Mobilität BMW retten?

17,9 Prozent E-Auto-Anteil klingen ambitioniert, reichen aber nicht gegen chinesische Konkurrenten, die schneller und günstiger produzieren. BMWs Premiumstrategie funktioniert nur, wenn Kunden bereit sind, für deutsche Ingenieurskunst zu zahlen. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten schwindet diese Bereitschaft – und damit BMWs wichtigster Wettbewerbsvorteil.

Was bedeutet der Führungswechsel für BMWs Zukunft?

Milan Nedeljkovic übernimmt in turbulenten Zeiten. Er muss beweisen, dass BMW seine Position gegen chinesische Angreifer und schrumpfende Margen verteidigen kann. Die nächsten zwei Jahre entscheiden, ob BMW weiter Premiumführer bleibt oder zum Sanierungsfall wird.

Quellen: Bild, Stern, Manager Magazin

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