Business & Beyond Business Punk-Interview: „Mein Sohn fährt autonom – ich bin eingestiegen“

Business Punk-Interview: „Mein Sohn fährt autonom – ich bin eingestiegen“

Business Punk-Interview mit Bettina Hauck über den Waymo-Alltag ohne Fahrer, globale Skalierung – und warum Deutschlands Bremsmanöver zum Risiko wird. Bettina Hauck berichtet aus erster Hand, wie sich autonome Mobilität anfühlt, wenn sie nicht mehr Vision, sondern Routine ist. Ein persönlicher Blick auf eine Technologie, die weltweit skaliert – und Deutschland vor eine unbequeme Standortfrage stellt.

Waymo tritt auf’s Gas: Mit 16 Milliarden Dollar frischem Kapital schaltet der Robotaxi-Pionier in den Expansionsmodus. Aus einem Google-Experiment ist eine 126-Milliarden-Maschine geworden, die jede Woche Hunderttausende autonome Fahrten abwickelt – nächster Halt: London und Tokio. Autonomes Fahren ist damit kein Zukunftsversprechen mehr, sondern globales Infrastrukturprojekt mit wachsender Fallhöhe. Dieser Bericht verbindet persönliches Erleben mit einer Standortfrage. Während die Welt skaliert, wirkt Daimlers Bremsmanöver wie ein falsches Signal für den Innovationsstandort Deutschland.

Autonome Mobilität ist Gegenwart

Kein Fahrer, das Lenkrad ständig in Bewegung, dreht sich von alleine. Nur ein sanftes Anfahren, während draußen der Verkehr vorbeizieht. Autonome Taxis gehören in Teilen der USA längst zum Alltag. Möglich macht das Waymo, ein Unternehmen aus dem Alphabet-Konzern, das heute bereits über 100.000 vollautonome Fahrten pro Woche anbietet. Die Unfallrate liegt nach Unternehmensangaben rund 85 Prozent unter der menschlicher Fahrer.

Für viele junge Menschen ist diese Form der Mobilität längst normal. Einer von ihnen ist Benjamin, ein deutscher Austauschschüler an einer US-Highschool in Los Angeles. Waymo ist für ihn schlicht Fortbewegung: zur Schule, zu Freunden, zum Sport. Seine Mutter Bettina Hauck, Rechtsanwältin aus München, erlebt dieselbe Technologie bewusst und reflektiert – als Einladung, Zukunft nicht zu diskutieren, sondern zu erfahren. Business Punk hat Bettina Hauck getroffen und gefragt, wie es sich anfühlt, die Kontrolle abzugeben. Im Gespräch mit Günther Suchy erzählt sie von ihrer ersten Fahrt im Waymo – irgendwo zwischen Neugier, Kontrollverlust und überraschender Gelassenheit.

Das Business Punk-Interview

Ein Business Punk-Gespräch mit Bettina Hauck, Rechtsanwältin aus München.

„Nach fünf Minuten habe ich vergessen, dass niemand fährt“.

Business Punk: Bettina, nimm uns mit in den Moment des Einsteigens in ein Waymo-Taxi. Wie hat sich das angefühlt?

Bettina Hauck: Das war wirklich ein eigenartiger, fast surrealer Moment. Man öffnet die Tür, setzt sich hin – und dann schaut man automatisch nach vorne und merkt: Da sitzt ja niemand. Kein Fahrer, kein Blickkontakt, kein „Hallo“. Stattdessen Displays, Sensoren und diese absolute Ruhe. Mein Herz hat kurz schneller geschlagen, einfach weil es so ungewohnt war.

Business Punk: Was war dein erster Gedanke in diesem Moment, als das Taxi ohne Fahrer ankam?

Bettina Hauck: Eine Mischung aus Neugier und Respekt. Ich bin sehr offen für Innovation, aber ich habe auch gern ein klares Gefühl dafür, wer gerade Verantwortung trägt. Und hier war sofort klar: Die Kontrolle liegt nicht bei einem Menschen, sondern vollständig bei der Technik. Das war neu – und ehrlich gesagt auch ein bisschen herausfordernd.

Business Punk: Wie lief der Start der Fahrt ab, und worauf hast du besonders geachtet?

Bettina Hauck: Total unspektakulär – im positiven Sinne. Das Auto hat sich sanft in Bewegung gesetzt, ohne Ruckeln, ohne Geräusch. Ich habe fast instinktiv die Hände angespannt, so nach dem Motto: Jetzt passiert gleich was. Aber nichts Dramatisches passierte. Es fuhr einfach los, sehr ruhig, sehr kontrolliert.

Business Punk: Wann hast du gemerkt, dass sich deine Haltung verändert?

Bettina Hauck: Nach ein paar Minuten. Ich erinnere mich genau an den Moment, als ich plötzlich aus dem Fenster geschaut habe, statt nach vorne. Da wurde mir bewusst: Ich kontrolliere nicht mehr jede Bewegung. Ich lasse mich fahren. Dieses Umschalten passierte ganz leise, fast unbemerkt. Und das alles ohne Fahrer!

Business Punk: Wie würdest du das Fahrverhalten im Vergleich zu einem menschlichen Fahrer beschreiben?

Bettina Hauck: Sehr bedacht. Kein aggressives Beschleunigen, kein hektisches Spurwechseln. Eher so, als würde jemand fahren, der immer ruhig bleibt. Gerade an Kreuzungen und bei Fußgängern merkt man diese Vorsicht.

Business Punk:  Gab es einen Moment, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Bettina Hauck: Ja, an einer größeren Kreuzung. Auf dem Bildschirm konnte ich sehen, wie das Auto gleichzeitig Ampeln, Fahrräder, Menschen und Fahrzeuge erkennt. In dem Moment wurde mir klar: Das ist keine Spielerei – das ist Realität.

Business Punk: Dein Sohn nutzt Waymo täglich. Wie hast du diesen Kontrast erlebt?

Bettina Hauck: Das war fast das Spannendste. Für ihn ist das banal. Er denkt nicht darüber nach, ob da jemand fährt oder nicht. Es funktioniert – also ist es normal. So schnell wird Zukunft Alltag.

Business Punk: Mit welchem Gefühl bist du ausgestiegen – und würdest du wieder einsteigen?

Bettina Hauck: Ich bin tatsächlich mit einem Lächeln ausgestiegen. Es war kein Nervenkitzel, kein Adrenalin, sondern eher dieses ruhige Staunen. Ich hatte das Gefühl, etwas Neues erlebt zu haben, ohne dass es anstrengend war. Und ja, ich bin danach mehrfach wieder eingestiegen – genau so entsteht Normalität.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fazit: Wenn Zukunft leise funktioniert und Deutschland die Welt vorbeiziehen lässt

Für Bettina Hauck war die Fahrt mit Waymo kein technisches Experiment, sondern ein persönlicher Perspektivwechsel: Kontrolle abgeben, Vertrauen entwickeln. Ein Erlebnis, das zeigt, wie nah die Zukunft des Fahrens bereits ist – und wie unspektakulär sie sich anfühlt, wenn sie funktioniert.

Während autonome Mobilität international skaliert, wirkt Deutschlands Kurs auffallend vorsichtig. Das zeigen auch die jüngsten Aussagen von Ola Källenius. Der Vorstandsvorsitzende von Mercedes-Benz bestätigte im Januar 2026, dass Level-3-Systeme – freihändiges Fahren bis 95 km/h – in der neuen S-Klasse pausiert werden. Gründe: hohe Kosten, geringe Nachfrage. Stattdessen liegt der Fokus auf Assistenzsystemen (Level 2). Level 3 soll weiterentwickelt und später zurückkehren. Doch strategisch ist das riskant: Während Unternehmen wie Waymo Software skalieren und Realität schaffen, tritt Deutschlands Leitindustrie auf die Bremse. Autonomes Fahren ist kein Technikthema mehr. Es ist Infrastruktur, Standortpolitik und Wettbewerbsfähigkeit. Oder zugespitzt: Während ein deutscher Schüler in Kalifornien täglich ins fahrerlose Taxi steigt, diskutiert Deutschland noch über Tempo.

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