Business & Beyond 341.500 Industriejobs weg: Der Maschinenbau verlangt einen härteren China-Kurs

341.500 Industriejobs weg: Der Maschinenbau verlangt einen härteren China-Kurs

Der deutsche Maschinenbau fordert wirksamere Instrumente gegen staatlich begünstigte Konkurrenz aus China. Seit 2019 sind nach einer EY-Auswertung rund 341.500 Arbeitsplätze in der deutschen Industrie weggefallen. Eine weitere Studie zeigt, dass heute deutlich weniger deutsche Jobs vom Endverbrauch in China abhängen als noch 2021. Beide Entwicklungen hängen miteinander zusammen, dürfen aber nicht gleichgesetzt werden.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau hat sein China-Positionspapier verschärft. Der VDMA fordert, mögliche Ausgleichszölle künftig nicht nur für einzelne Produkte, sondern für ganze Warengruppen zu prüfen. Die bisherige Vorgehensweise der EU sei angesichts der Breite möglicher Wettbewerbsverzerrungen zu langsam.

Subventionen, Dumping und ungleiche Bedingungen

VDMA-Präsident Bertram Kawlath betont, der Verband erkenne die Leistungen chinesischer Wettbewerber an. Zugleich seien staatliche Subventionen, Dumping und andere Wettbewerbsverzerrungen umfassend dokumentiert. Europa müsse deshalb schneller reagieren und faire Bedingungen im Binnenmarkt durchsetzen.

„Wir respektieren die Leistungen unserer chinesischen Konkurrenz“, sagte er laut Spiegel und weiter: „Wir dürfen nicht zulassen, dass wir zum Spielball von Subventionen, Dumping und Währungsmanipulation werden.“

Oliver Richtberg, Leiter Außenwirtschaft beim VDMA, kritisiert, dass die EU-Kommission mögliche Verzerrungen bislang weitgehend produktbezogen untersucht. Es könne Jahrzehnte dauern, sämtliche Fälle einzeln zu bearbeiten. Der Verband fordert deshalb Verfahren auf Ebene ganzer Warengruppen sowie eine mögliche Beweislastumkehr: Bei belastbaren Hinweisen auf unfaire Vorteile müssten betroffene Anbieter darlegen, dass sie nicht von diesen Praktiken profitieren.

Industriearbeitsplätze gehen verloren

Die Lage der deutschen Industrie ist angespannt. Nach einer EY-Auswertung sind seit 2019 rund 341.500 Industriearbeitsplätze verschwunden. Allein im ersten Quartal 2026 lag die Beschäftigung um rund 127.300 Stellen unter dem Vorjahresniveau. Besonders stark betroffen sind die Automobilindustrie und der Maschinenbau.

China ist dabei ein wichtiger Faktor, aber nicht die einzige Ursache. Die deutsche Industrie leidet zugleich unter schwacher Nachfrage, hohen Standortkosten, geopolitischen Konflikten, US-Protektionismus und einem teilweise verschleppten technologischen Umbau.

Eine IW-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 2025 noch rund 700.000 deutsche Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Endverbrauch in China abhängig waren. Im Jahr 2021 waren es noch etwa 1,1 Millionen. Der Rückgang um rund 400.000 bedeutet allerdings nicht, dass all diese Stellen verloren gingen. Er zeigt zunächst, dass das deutsche Wirtschaftsmodell deutlich weniger vom Exportgeschäft mit China getragen wird.

Härterer Kurs ohne Handelskrieg

In Berlin und Brüssel wächst die Bereitschaft, auf unfaire Wettbewerbsbedingungen entschlossener zu reagieren. Diskutiert werden Ausgleichszölle, strengere Marktüberwachung und Vorteile für europäische Anbieter bei bestimmten öffentlichen Projekten.

Gleichzeitig bleiben die wirtschaftlichen Abhängigkeiten groß. China ist Absatzmarkt, Produktionsstandort und wichtiger Lieferant von Rohstoffen und Vorprodukten. Ein umfassender Handelskonflikt könnte deshalb auch europäische Unternehmen erheblich treffen.

Die zentrale Herausforderung besteht darin, unfaire Praktiken abzuwehren, ohne den Wettbewerb vollständig abzuschotten. Zölle können heimischen Unternehmen Zeit verschaffen. Sie ersetzen aber keine Investitionen in Innovation, Produktivität und eigene Schlüsseltechnologien.

Der Mittelstand gerät besonders unter Druck

Große Konzerne können Produktion und Investitionen international verteilen. Mittelständische Maschinenbauer haben diese Möglichkeit häufig nicht. Sie sind stärker auf den europäischen Markt angewiesen und können subventionierte Preise ihrer Konkurrenz nur begrenzt ausgleichen.

Genau deshalb verlangt der VDMA schnelleres Handeln. Es gehe nicht darum, chinesische Produkte pauschal auszusperren, sondern vergleichbare Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Ob die vorgeschlagenen Instrumente ausreichen, hängt auch davon ab, wie konsequent und rechtssicher die EU sie umsetzt.

Business Punk Check

Der Maschinenbau beschreibt ein echtes Problem: Europa prüft einzelne Produkte, während China Industriepolitik in ganzen Wertschöpfungsketten betreibt. Ausgleichszölle auf Warengruppen können deshalb sinnvoller sein als jahrelange Einzelfallverfahren.

Doch die Industriekrise allein China anzulasten, wäre bequem und falsch. Rund 341.500 verlorene Industriearbeitsplätze seit 2019 sind auch das Ergebnis schwacher Investitionen, hoher Kosten, politischer Unsicherheit und strategischer Fehler deutscher Unternehmen. China verschärft den Druck. Es hat die hausgemachten Probleme aber nicht erfunden.

Die IW-Zahl von rund 400.000 Stellen zeigt keinen direkten Arbeitsplatzverlust durch chinesisches Dumping. Sie zeigt, wie stark die Bedeutung des deutschen Exportgeschäfts mit China seit 2021 gesunken ist. Das alte Modell, hochwertige Maschinen und Autos nach China zu verkaufen, trägt immer weniger.

Zölle können Luft verschaffen, aber keinen technologischen Vorsprung erzeugen. Wer den Mittelstand wirklich schützen will, muss unfairen Wettbewerb begrenzen und zugleich bessere Bedingungen für Investitionen, Energie, Forschung und Skalierung schaffen. Sonst verteidigt Europa mit höheren Handelsbarrieren lediglich eine Industrie, die trotzdem weiter an Boden verliert.

Quellen: Spiegel, Tagesschau, n-tv

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