Business & Beyond Game On: Deutschlands Gaming-Branche rockt den Wirtschaftsmarkt

Game On: Deutschlands Gaming-Branche rockt den Wirtschaftsmarkt

Die deutsche Games-Branche explodiert: 81% mehr Firmen seit 2018, 22% Umsatzplus und 20% mehr Jobs. Doch mit nur 5,5% Marktanteil im eigenen Land bleibt die Nische hungrig nach mehr.

Deutschland hat einen neuen Wirtschaftsbooster – und er versteckt sich nicht in Berliner Startup-Büros oder Münchner Tech-Schmieden. Die Gaming-Branche entwickelt sich zum heimlichen Wirtschaftsmotor. Seit 2018 hat sich die Anzahl der Games-Unternehmen hierzulande fast verdoppelt – von 524 auf 948 Firmen. Eine Wachstumsrate, von der andere Branchen nur träumen können.

Vom Underdog zum Wirtschaftsfaktor

Der Branchenumsatz kletterte um 22 Prozent auf 3,73 Milliarden Euro, während die Mitarbeiterzahl um 20 Prozent auf 14.800 stieg, wie aus einer aktuellen Studie des Branchenverbands Game hervorgeht, berichtet „t-online.de“. Diese Zahlen sind keine Spielerei, sondern harter Wirtschaftsfaktor. Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen haben sich dabei zu den Gaming-Hotspots entwickelt, wie „tagesschau.de“ dokumentiert. Hamburg und Baden-Württemberg komplettieren die Top-Standorte.

Besonders bemerkenswert: Die Wachstumstreiber sind vor allem kleine Studios wie Neoludic aus Köln, das 2021 gegründet wurde und mit gerade mal acht Mitarbeitern das preisgekrönte Spiel „Tiny Bookshop“ entwickelte. Das Frankfurter Studio Keen Games landete mit „Enshrouded“ einen Hit.

Staatliche Förderung als Game-Changer

Die Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Der Staat hat erkannt, dass in Pixeln und Polygonen wirtschaftliches Potenzial steckt. Zwischen 2020 und 2025 flossen insgesamt 183 Millionen Euro an Fördergeldern in die Branche. Für 2026 stehen weitere 125 Millionen Euro bereit. „Die Games-Förderung zahlt sich aus für Deutschland“, bilanziert Felix Falk, Geschäftsführer des Game-Verbands laut „t-online.de“.

Doch im gleichen Atemzug räumt er ein: „Wir sind noch klein als Branche. Wir müssen noch wachsen, um gesund zu sein.“ Diese Einschätzung trifft den Kern des Problems. Denn trotz aller Erfolge: Von 100 Euro, die deutsche Gamer ausgeben, landen gerade mal 5,50 Euro bei heimischen Entwicklern. Der Rest fließt ins Ausland – vornehmlich in die USA, nach Kanada und Großbritannien, wo die Blockbuster-Titel entstehen.

Internationale Konkurrenz spielt in anderer Liga

Zu den wenigen großen Namen in Deutschland gehört Ubisoft mit seinem Strategiespiel „Anno 1800 und dessen Römer-Version ‚Anno 117′“, wie „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Doch während die deutschen Studios noch um Marktanteile kämpfen, dominieren internationale Konzerne den globalen Markt. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) hat das Thema zur Chefsache gemacht.

Die Zuständigkeit für Games wanderte vom Wirtschafts- ins Forschungsministerium – ein symbolischer Schritt, der zeigt: Games werden nicht mehr als reine Unterhaltung gesehen, sondern als Innovationstreiber. Die Branche drängt zusätzlich auf steuerliche Entlastungen, um wettbewerbsfähiger zu werden, wie „t-online.de“ meldet.

Business Punk Check

Die harten Fakten sprechen Klartext: Deutschland spielt im globalen Games-Business noch in der Kreisliga, während USA und Asien Champions League zocken. Mit 5,5% Marktanteil im eigenen Land ist die deutsche Games-Branche ein wirtschaftspolitischer Papiertiger. Die 183 Millionen Euro Förderung? Ein netter Anfang, aber gegen die Milliarden-Investments in anderen Ländern ein Tropfen auf den heißen Stein.

Was fehlt, sind nicht nur mehr Geld und Steueranreize, sondern vor allem Konstanz in der Förderpolitik. Die ständigen Zuständigkeitswechsel zwischen Ministerien sind Gift für langfristige Unternehmensentwicklung. Die wahre Herausforderung: Deutschland braucht nicht hunderte Klein-Studios, sondern echte Global Player, die internationale Blockbuster produzieren können. Nur so entsteht ein echter Wirtschaftsfaktor mit Strahlkraft über den Nischenmarkt hinaus.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum erreichen deutsche Spieleentwickler nur 5,5% Marktanteil im eigenen Land?
    Der geringe Marktanteil resultiert aus fehlenden großen Studios mit internationaler Schlagkraft. Deutschland hat viele kleine, kreative Teams, aber kaum Unternehmen mit ausreichenden Ressourcen für globale Blockbuster-Produktionen. Zudem fehlt es an langfristiger, verlässlicher Förderung im Vergleich zu Ländern wie Kanada oder Großbritannien.
  • Welche konkreten Vorteile bringen Steueranreize für die Gaming-Branche?
    Steueranreize würden besonders mittelständischen Studios ermöglichen, mehr Kapital in Entwicklung und Wachstum zu investieren. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Steuererleichterungen für Kreativunternehmen die Ansiedlung größerer Studios fördern und hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Frankreich und Großbritannien haben damit bereits erfolgreiche Ökosysteme aufgebaut.
  • Wie können deutsche Studios international wettbewerbsfähiger werden?
    Deutsche Studios müssen strategische Allianzen bilden, um Ressourcen zu bündeln. Gleichzeitig sollten sie sich auf Nischen konzentrieren, in denen Deutschland bereits stark ist – etwa Strategiespiele und Simulationen. Zudem braucht es mehr Wagniskapital speziell für Gaming-Unternehmen und intensivere Kooperationen mit Hochschulen für Talententwicklung.
  • Welche wirtschaftlichen Spillover-Effekte hat die Gaming-Branche auf andere Industrien?
    Gaming-Technologien fließen zunehmend in Bereiche wie Automobilentwicklung (Simulationen), Medizin (Trainingsanwendungen) und Filmproduktion (Visualisierungstechniken) ein. Diese Technologietransfers steigern die Wettbewerbsfähigkeit traditioneller Industriezweige und schaffen neue Geschäftsmodelle. Allerdings braucht es dafür größere Studios mit entsprechender Expertise.

Quellen: „t-online.de“, „tagesschau.de“, „Süddeutsche Zeitung“

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