Business & Beyond „Krypto ist keine Währung“

„Krypto ist keine Währung“

Was ist der Kern der Änderungsvorschläge?

Die Änderungsvorschläge spiegeln die unterschiedlichen Positionen der politischen Gruppierungen wider. Der Berichterstatter im Europäischen Parlament schlägt vor, ein europäisches Zahlungssystem zunächst von privaten Anbietern aufbauen zu lassen. Demgegenüber wollen erfreulich viele Parlamentarier anderer Fraktionen weitere Verzögerungen verhindern. Sie setzen von Anfang an auf ein Zusammenspiel von einem öffentlichen Basisangebot – dem digitalen Euro – und privaten Anbietern. Diese Haltung teilen wir im Eurosystem, denn die Erfahrung der vergangenen 25 Jahre zeigt, dass es privaten Anbietern bislang nicht gelungen ist, eine wirklich europäische Lösung zu etablieren.

Verzögert das jetzt die Einführung des digitalen Euro?

Die Abstimmung im Europäischen Parlament ist für Mai angesetzt. Da ist jetzt Druck auf dem Kessel. Wenn es gut läuft, kommt die Einigung bis Ende 2026. Das Ziel von uns Zentralbanken im Eurosystem ist es, zur Jahresmitte 2027 einen Pilotbetrieb zu starten. Wir rechnen nach wie vor damit, dass der digitale Euro im Jahr 2029 live gehen wird.

Wer könnte an diesem Pilotbetrieb teilnehmen?

Das Eurosystem wird im März ein Verfahren zur Interessenbekundung starten und damit europäische Banken und andere Zahlungsdienstleister einladen, am Pilotprojekt teilzunehmen.

Aber alles hängt am Parlament . . .

. . . es geht jetzt um die Details. Der Gesetzgeber in Brüssel muss sie vorgeben und entscheiden, wie der digitale Euro aussehen soll. Zum Beispiel beim Thema Haltegrenzen. Die Banken sind besorgt, dass zu viel Liquidität von den Bankkonten abfließt. Deswegen fordern sie eine Höchsthaltegrenze für den digitalen Euro.

Wie hoch?

Im Gespräch waren einmal 3000 Euro. Aber das wird im Zusammenspiel zwischen der Europäischen Zentralbank und dem Rat der EU entschieden, nachdem der EZB-Rat das endgültige Go für den digitalen Euro gegeben hat.

Ich dachte, die EZB wäre unabhängig.

Unabhängigkeit von Zentralbanken ist ein wichtiges Thema. Der europäische Gesetzgeber muss jedoch den Rahmen für den digitalen Euro als gesetzliches Zahlungsmittel vorgeben. Das Verordnungspaket, das Single Currency Package, enthält übrigens nicht nur die gesetzliche Grundlage für den digitalen Euro, sondern wird auch Bargeld als gesetzliches Zahlmittel stärken. Der digitale Euro soll das Bargeld nicht ersetzen. Und darauf achtet der europäische Gesetzgeber sehr genau. Bargeld soll also nicht abgeschafft werden. Im Gegenteil: Die aktuellen Verordnungstexte des Rats der EU und des Berichterstatters im Europäischen Parlament sehen vor, dass es im Einzelhandel eine Annahmepflicht für Bargeld geben soll.

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