Business & Beyond „Krypto ist keine Währung“

„Krypto ist keine Währung“

Woran liegt das?

Weil sie um Teile ihre Geschäftsmodells bangen und häufig an Etabliertem festhalten wollen.

Warum?

Weil vieles noch nicht klar ist. Am Ende wollen die Banken verdienen, was ich verstehe. Es gibt auch Sorgen, dass der digitale Euro disruptiv auf die Geschäftsmodelle wirken könnte. Ich teile das nicht, weil wir im Eurosystem dieses Projekt partnerschaftlich mit der Kreditwirtschaft gestalten wollen. Wir können es nicht allein stemmen. Die Banken werden die Schnittstelle zum Kunden bilden. Sie erhalten, wie bei anderen Zahlungsmitteln auch, Gebühren vom Handel. Darüber hinaus können sie Zusatzdienste anbieten, die über die gebührenfreien Basisdienste hinausgehen und so neue Einnahmequellen erschließen.

Wie bringen Sie die Skeptiker in der Kreditwirtschaft zum Mitmachen?[AG1] 

Reden. Es gibt keine Woche, in der ich nicht persönliche Gespräche führe oder auf Konferenzen aufkläre.

Wir haben eine rasante Entwicklung bei Krypto-Währungen . . .

Krypto-Assets bitte, das sind keine Währungen . . .

Okay. Es gibt inzwischen auch Stablecoins, die beispielsweise an den Dollar gebunden sind. Kommt der digitale Euro zu spät?

Stablecoins werden derzeit vor allem für den Krypto-Handel genutzt. Im europäischen Massenzahlungsverkehr, also als Konkurrenz zum digitalen Euro, sehe ich eine Nutzung von Stablecoins auf absehbare Zeit eher nicht. Aber nur, weil wir es uns heute nicht vorstellen können, kann trotzdem etwas passieren. Auch deswegen dürfen wir Entwicklungen nicht verschlafen, sondern brauchen den digitalen Euro. Parallel sind wir dabei, eine europäische Lösung für Finanzmarkttransaktionen in digitalem Zentralbankgeld zu entwickeln, also für Transaktionen zwischen Banken, Börsen und Clearinghäusern. Eine solche Lösung wird bereits in diesem Jahr zur Anwendung kommen.

Dagegen hat das Europäische Parlament nichts?

Nein, da bedarf es keiner gesetzlichen Grundlage wie beim digitalen Euro, der gesetzliches Zahlungsmittel werden soll.

Sie sind seit fünf Jahren an diesem Projekt. Dauert es Ihnen nicht ein bisschen lange?

Große Projekte auf europäischer Ebene sind keine 100-Meter-Sprints. Das sind alles Marathonläufe.

Wieviel Kilometer hat das Projekt Digitaler Euro schon geschafft?

Nach meiner Einschätzung haben wir die 30-Kilometer-Marke hinter uns gelassen.

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