Business & Beyond Machtwechsel bei BMW: Milan Nedeljković erbt Zipses Thron

Machtwechsel bei BMW: Milan Nedeljković erbt Zipses Thron

BMW bekommt einen neuen Chef: Milan Nedeljković übernimmt im Mai das Steuer von Oliver Zipse. Der Produktionsvorstand gilt als Architekt der „Neuen Klasse“ und genießt breiten Rückhalt.

Der Führungswechsel bei BMW kommt früher als erwartet. Milan Nedeljković, aktuell Produktionsvorstand, wird am 14. Mai die Nachfolge von Oliver Zipse als Vorstandsvorsitzender antreten, wie „Bild“ berichtet. Der Wechsel erfolgt unmittelbar nach der Hauptversammlung des Münchner Autokonzerns und markiert das Ende einer erfolgreichen, aber ungewöhnlich kurzen Ära.

Der Vorgänger: Krisenmanager mit klarer Linie

Zipse, der seit 2019 an der Spitze stand, hat BMW durch turbulente Zeiten navigiert. Unter seiner Führung hielt der Konzern laut „FAZ“ konsequent an der Strategie der „Technologieoffenheit“ fest – ein Ansatz, der neben Elektroautos auch Verbrennern weiterhin eine Zukunft einräumt.

Diese Flexibilität erwies sich als Vorteil gegenüber Wettbewerbern wie Mercedes und Volkswagen, besonders während globaler Lieferkettenprobleme und Chipkrisen.

Der Nachfolger: Produktionsexperte mit Vertrauensvorschuss

Nedeljković, 57, verantwortet seit 2019 als Produktionsvorstand unter anderem den Produktionsstart der „Neuen Klasse“ – BMWs milliardenschwere Plattform für die nächste Generation elektrischer Fahrzeuge. Aufsichtsratschef Nicolas Peter lobt ihn für „strategischen Weitblick“ und „große Umsetzungsstärke“, wie „Bild“ meldet.

Bemerkenswert: Auch die Arbeitnehmerseite steht hinter ihm. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Martin Kimmich betont, Nedeljković genieße „hohes Ansehen und Vertrauen in der Belegschaft“.

Hintergrund des Wechsels: Altersgrenze als Katalysator

Der Führungswechsel folgt der ungeschriebenen Regel bei BMW, wonach Vorstände mit 60 Jahren ausscheiden sollten. Zipse, der im Februar 62 wird, erhielt von den Eigentümerfamilien Quandt und Klatten bereits eine Ausnahmegenehmigung, wie „FAZ“ berichtet.

Seine ursprünglich bis 2026 geplante Amtszeit wird nun vorzeitig beendet – nachdem er mit der „Neuen Klasse“ sein wichtigstes strategisches Projekt auf den Weg gebracht hat.

Business Punk Check

Der Wechsel von Zipse zu Nedeljković ist mehr als nur ein Personalrochade – es ist ein strategisches Statement. Während andere deutsche Autobauer zwischen radikalem E-Kurs und Verbrenner-Nostalgie schwanken, setzt BMW auf pragmatische Flexibilität.

Die Wahl eines Produktionsexperten als CEO signalisiert: In Zeiten von Lieferkettenchaos und geopolitischen Spannungen gewinnt nicht der mit den lautesten Elektro-Visionen, sondern wer tatsächlich liefern kann. Nedeljković steht für Umsetzungsstärke statt PowerPoint-Strategie. Die Herausforderung: Er muss die teure „Neue Klasse“ zum Erfolg führen, während gleichzeitig die Verbrenner-Margen für die Transformation sorgen sollen. Ein Balanceakt, der über die Zukunft des deutschen Premium-Segments entscheiden könnte.

Häufig gestellte Fragen

  • Was bedeutet Nedeljkovićs Ernennung für BMWs Elektrostrategie?
    Nedeljković wird die „Neue Klasse“ weiter vorantreiben, aber voraussichtlich den pragmatischen Mittelweg zwischen reiner Elektrifizierung und Verbrenner-Technologie beibehalten. Als Produktionsvorstand kennt er die Realitäten der Transformation besser als jeder andere im Konzern.
  • Welche Auswirkungen hat der Führungswechsel auf den deutschen Mittelstand?
    Zulieferer sollten sich auf Kontinuität bei gleichzeitiger Beschleunigung einstellen. Nedeljković wird die Lieferketten weiter optimieren und könnte regionale Zulieferer stärken, um Abhängigkeiten zu reduzieren – eine Chance für spezialisierte Mittelständler.
  • Wie unterscheidet sich BMWs Transformationsstrategie von anderen deutschen Autoherstellern?
    BMW setzt auf einen evolutionären statt revolutionären Ansatz. Während VW alles auf die Elektrokarte setzt und Mercedes zwischen Luxus-Elektrifizierung und Verbrenner-Profit schwankt, verfolgt BMW eine flexiblere Strategie, die sich an tatsächlichen Marktentwicklungen orientiert.
  • Welche Branchen profitieren von BMWs Kurs unter Nedeljković?
    Besonders Unternehmen im Bereich Produktionsautomatisierung, flexible Fertigungssysteme und Batterie-Technologie dürften von Nedeljkovićs Fokus auf effiziente Produktion profitieren. Auch Software-Spezialisten für Produktionssteuerung können mit Aufträgen rechnen.

Quellen: „Bild“, „FAZ“

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