Business & Beyond Mitten in der Energiekrise: EU stoppt Gaslieferungen aus Russland

Mitten in der Energiekrise: EU stoppt Gaslieferungen aus Russland

In dieser Woche greifen weitere Sanktion gegen die Lieferung von russischem Flüssiggas in die EU und nach Deutschland. Energiemanager warnen davor.

In dieser Woche wird es konkret: Die EU setzt den nächsten Schritt ihres Sanktionskurses um. Ab dem 25. April sollen russische Flüssiggas-Lieferungen (LNG) schrittweise auslaufen – komplett beendet werden sie nach aktuellem Plan bis Anfang 2027. Für Deutschland, das über Frankreich und Belgien nach wie vor russisches Flüssiggas bezieht, heißt das: weniger russisches Gas im System. Für die Energiebranche bedeutet es mehr Risiko.

Einer der wenigen, die das offen ansprechen, ist Claudio Descalzi, Chef des italienischen Energiekonzerns Eni. Er fordert, die Pläne noch einmal zu prüfen. Nicht aus politischen Gründen – sondern aus praktischen.

Sein Argument ist simpel: Rund 20 Milliarden Kubikmeter LNG aus Russland sind aktuell noch im europäischen System. Das sei kein Detail, sondern eine Art Sicherheitsnetz. Ein Puffer, der hilft, Schwankungen abzufedern – etwa bei Kälte, hoher Nachfrage oder Lieferproblemen. Etwas ein Viertel davon landet in Deutschland über Häfen wie Dünkirchen wird es nach Deutschland geschickt.

Descalzi denkt wie ein Manager: Was fehlt, wenn man etwas streicht? Was kostet es? Und was passiert, wenn der Plan nicht aufgeht? In der Wirtschaft zählt am Ende, ob es funktioniert. Wenn nicht, wird schnell nachjustiert.

Die Politik tickt anders. Hier geht es nicht nur um Versorgung, sondern auch um Haltung. Bundeskanzler Friedrich Merz macht klar: Sanktionen sollen bleiben. Ein Zurück wäre aus seiner Sicht das falsche Signal – vor allem mit Blick auf den Krieg in der Ukraine.

Genau hier liegt der Konflikt: Auf der einen Seite steht das Ziel, sich endgültig von Russland unabhängig zu machen. Auf der anderen Seite die Frage, ob Europa die fehlenden Mengen schnell genug ersetzen kann. LNG aus den USA, Katar oder Norwegen waren eingeplant – aber der Irankrieg bringt diesen Plan ins Wanken. Der ist teurer und der Preis stärker vom Weltmarkt abhängig.

Die große Sorge in der Branche: Wenn der Puffer wegfällt, könnten Preise noch weiter steigen, Lieferketten wackeln – und im schlimmsten Fall die Versorgung unsicher werden.

Am Ende geht es um eine ziemlich unangenehme Frage: Wie viel Risiko kann sich Europa leisten, um politisch konsequent zu bleiben?

Descalzis Vorstoß wirkt deshalb weniger wie Kritik – und mehr wie ein Reality-Check. Einer, der zeigt: Zwischen politischem Kurs und praktischer Umsetzung klafft gerade eine Lücke. Und genau die könnte teuer werden.

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