Business & Beyond Nena Brockhaus über Netzwerke, Mut und Sichtbarkeit

Nena Brockhaus über Netzwerke, Mut und Sichtbarkeit

Puschmann über Brockhaus: „Kaum jemand verfügt über ein Netzwerk wie Nena – insbesondere in ihrer Altersklasse. Bemerkenswert ist auch, dass sie sich alles selbst aufgebaut hat. Nena ist weder die Frau von noch die Tochter von.“ Entstanden ist ein lebendiges Live-Gespräch über Netzwerke, Carsten Maschmeyer, Erfolg, Misserfolg und Sichtbarkeit.

Carsten Puschmann: „Netzwerk ist für mich das zentrale Thema, um über Erfolg und Misserfolg zu entscheiden. Bevor wir jetzt so richtig einsteigen, Nena: Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie würdest du dich selbst einschätzen, wie gut bist du im Netzwerken, und wie würdest du beschreiben, was Netzwerk für dich bedeutet?“

Nena Brockhaus: „Man macht sich ja direkt zu Beginn erst einmal unsympathisch, wenn man sich gleich am Anfang selbst lobt. Dementsprechend gebe ich mir jetzt keine zehn. Aber ich würde sagen, meine ganze Karriere beruht auf Netzwerk. Ich hatte mit dreizehn Jahren diesen großen Traum, Politikjournalistin zu werden, und komme selbst nicht aus einem Haushalt mit Medienmenschen und Journalisten. Dementsprechend hatte ich gar keine andere Wahl, als mir früh selbst Türen zu öffnen. Und das habe ich mit sehr viel Fleiß ganz gut gemacht. Ich gebe mir eine Acht. Ist das okay?“

Carsten Puschmann: „Ich würde dir eher eine zwölf geben. Du bist superschnell, super on point, super kreativ, du verbindest auch immer die richtigen Menschen miteinander. Hier sind einige im Raum, die du vernetzt hast. Aber wenn wir jetzt über dein Netzwerk sprechen, Nena: Wer ist denn dein wichtigster Kontakt?“

Nena Brockhaus: „Das ist schwer zu sagen, weil es davon abhängt, wie man ‚wichtig‘ definiert. Vermutlich ist es Carsten Maschmeyer. Im Sommer 2021 entstand die Idee zu WoMen on Top, einer Initiative, die Frauen und Männer zusammenbringt, um über die gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit zu sprechen. Mir fehlte damals im Bereich Female Empowerment der echte Austausch zwischen den Geschlechtern. Die Female-only-Events holten mich nicht ab. Für die Gründung hatten wir kein Geld, aber ich hatte mein Netzwerk. Also habe ich Carsten angerufen, den ich kannte. Er sagte sofort, dass er dabei ist – und er kam nicht allein, sondern gemeinsam mit Veronica Ferres. Das war ein großer Vertrauensvorschuss. Carsten hat damals ideell und finanziell ermöglicht, dass wir WOT starten konnten. Warum er heute mein wichtigster Kontakt ist? Weil daraus eine Freundschaft entstanden ist. Ich lerne viel von ihm. Er ist der beste Netzwerker, den ich je getroffen habe, und er hat auch die besten Ratschläge, wie man sein Netzwerk hält.“ 

Carsten Puschmann: „Wir haben da schon häufig drüber gesprochen. Du hast mir einmal erzählt, dass du Carsten und auch DM-Chef Christoph Werner, den du damals ebenfalls für WOT gewinnen konntest, einfach fünf Slides von deiner Gmail-Adresse geschickt hast. Vielleicht ist auch eine These, dass Kompetenz allein nicht mehr ausreicht. Wer nicht sichtbar ist, kommt irgendwann nicht mehr weiter.“

Nena Brockhaus: „Ich bin da keinesfalls im Tijen-Onaran-Lager. Ich halte da nicht so viel von. Selbstverständlich ist es klug, LinkedIn und Instagram zu nutzen, wenn man beispielsweise Journalist oder Politiker ist – durchaus auch als Unternehmer. Aber wenn man in die Konzerne reinschaut, sind meistens nicht die Sichtbarsten die Erfolgreichsten. Ich würde auch nicht sagen, dass jemand mit 100.000 LinkedIn-Followern wichtiger für die Gesellschaft ist, nur weil er sie hat. Ich finde, dass wir es mit dem ‚Nur wer sichtbar ist, findet statt‘-Trend in der Gesellschaft stark übertreiben.“

Carsten Puschmann: „Lass uns einmal über positive sowie negative Aspekte beim Netzwerken sprechen. Wenn die Rolltreppe immer hochfährt, skaliert ein Netzwerk relativ schnell – ob über Social Media, Veranstaltungen oder der eine bringt dich mit dem nächsten ins Gespräch. Aber lass uns jetzt auch mal über schwierige Situationen sprechen. Wenn du jetzt auf deine Karriere zurückblickst, wo du auch mal in einer schwierigen Situation warst: Wie hat dir dein Netzwerk auch aus einer schwierigen Situation wieder herausgeholfen?“

Nena Brockhaus: „Damit sind wir wieder bei Carsten Maschmeyer. Als ich damals von heute auf morgen bei BILD gekündigt habe, war er der Erste, der mich angerufen und mir direkt geschrieben hat. Ich erinnere mich noch genau: Ich saß am Gardasee, habe auf das Wasser geschaut und wusste, dass meine Zeit bei BILD vorbei ist. Ich habe den Laptop aufgeklappt, die Kündigung an die Chefredaktion geschickt, und trotzdem war es schmerzvoll. Ich habe BILD sehr geliebt. Gerade deshalb war es so schön und wertvoll, dass Carsten sofort angerufen hat. Diese Erfahrung hat mich geprägt: Heute greife auch ich zum Telefon, wenn ich sehe, dass jemand ein Unternehmen verlässt.“

Carsten Puschmann: „Carsten hat mir gesagt, es geht um Netzwerk und nicht um Reichweite. Wo ist da für dich der Unterschied? Denn was ich häufig höre, auch von unseren Start-ups: Ich habe jetzt 10.000, 50.000, 100.000 Follower. Aber was hat das am Ende für einen Wert, wenn ich viele Menschen erreiche und das Netzwerk nenne, obwohl sie eigentlich gar nicht zu meinem Netzwerk gehören? Du hast beides: ein exzellentes Netzwerk und eine hohe Reichweite. Wie differenzierst du da?“

Nena Brockhaus: „Viele Menschen machen den Fehler, nach Reichweite zu netzwerken. Das sieht man auch bei vielen Veranstaltungen. Ich habe das selbst schon erlebt, wie Influencer verwirrt geschaut haben, als ich ohne Millionenreichweite am Haupttisch saß. Es war spürbar, wie sie da saßen und dachten: ‚Warum sitzt die hier?‘ Dadurch hatte ich gar keine Lust, mit ihnen zu sprechen. Der größte Fehler ist, nach Reichweite und Position zu netzwerken.“

Carsten Puschmann: „Wie netzwerkst du?“

Nena Brockhaus: „Ausschließlich nach Talent, Leistung und Durchsetzungskraft – nicht nach Position oder Reichweite. Es gab berufliche Stationen, wo mich der Praktikant mehr fesselte als der stellvertretende Chefredakteur. Und am Ende wurde der Praktikant richtig krass. Auch bei unseren WOT-Veranstaltungen laden wir nicht nach Position ein. Es gibt Chefredakteure, die ich nicht einlade, weil ich menschlich nichts von ihnen halte – obwohl es für WOT natürlich gut wäre, sie dabeizuhaben. Ich lebe mein berufliches Leben auch nicht nach Reichweite. Wenn es mir allein um LinkedIn-Reichweite gehen würde, wüsste ich genau, wie es geht: hübsches Foto von mir mit Ausschnitt und irgendein Kalenderspruch – fertig ist der Reichweitenpost. Aber das ist ja nichts wert. Ich will Mehrwert bieten.“

Das war die gekürzte Fassung des Live-Gesprächs zwischen Carsten Puschmann und Nena Brockhaus. Das gesamte Gespräch in voller Länge hört ihr im Business Punk-Podcast How to Hack.

Das könnte dich auch interessieren