Business & Beyond Neues Jahr: Das ändert sich im Januar 2026

Neues Jahr: Das ändert sich im Januar 2026

Mindestlohn, Rente, Steuern: 2026 bringt massive Veränderungen für Wirtschaft und Verbraucher. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick – und was sie für Unternehmen und Arbeitnehmer bedeuten.

Der Jahreswechsel 2025/26 markiert eine wirtschaftspolitische Zäsur. Mit über 50 gesetzlichen Neuregelungen greift die Bundesregierung tief in die Wirtschaftsstruktur ein – von der Energiepreisbremse über Rentenreformen bis zur Umgestaltung des Arbeitsmarkts. Besonders der Mittelstand steht vor einer Gratwanderung zwischen neuen Entlastungen und verschärften Auflagen. Die Auswirkungen werden jeden spüren: Arbeitnehmer, Unternehmer und Rentner.

Entlastungsoffensive bei Energiekosten

Die Abschaffung der Gasspeicherumlage zum 1. Januar 2026 bringt spürbare Entlastungen für Wirtschaft und Privathaushalte. „Ein Haushalt mit 20.000 kWh Jahresverbrauch spart dadurch knapp 58 Euro jährlich“, berichtet „web.de“. Parallel dazu sinken durch einen Milliardenzuschuss des Bundes die Netzkosten, was bei durchschnittlichem Verbrauch etwa 100 Euro Ersparnis bedeuten kann.

Für energieintensive Unternehmen plant die Regierung einen vergünstigten Industriestrompreis von rund fünf Cent pro Kilowattstunde. Laut „Deutsche Handwerks Zeitung“ stehen die Verhandlungen mit der EU-Kommission kurz vor dem Abschluss. Die Stromsteuer für produzierende Gewerbe wird zudem dauerhaft gesenkt – ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für den Industriestandort Deutschland.

Arbeitsmarkt im Umbruch

Der gesetzliche Mindestlohn steigt auf 13,90 Euro pro Stunde, wodurch sich auch die Minijob-Grenze auf 603 Euro monatlich erhöht. Diese Anpassung betrifft etwa sechs Millionen Beschäftigte direkt, so „mdr.de“. Parallel dazu steigen die Branchenmindestlöhne in mehreren Handwerkszweigen: Dachdecker erhalten künftig mindestens 14,96 Euro (ungelernt) bzw. 16,60 Euro (gelernt), Gebäudereiniger 15 Euro.

Azubis profitieren von der erhöhten Mindestausbildungsvergütung, die im ersten Lehrjahr auf 724 Euro steigt – ein Plus von 6,2 Prozent. Nicht tarifgebundene Betriebe dürfen maximal 20 Prozent unter dem Branchentarif zahlen. Diese Regelung soll die Attraktivität der dualen Ausbildung steigern und dem Fachkräftemangel entgegenwirken, so „mdr.de“.

Rentenreform mit Aktivrente als Kernstück

Die Rentenversicherung erfährt 2026 tiefgreifende Änderungen. Kernstück ist die neue Aktivrente: Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht hat und weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. „Diese Regelung gilt allerdings nur für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse“, schreibt „Deutsche Handwerks Zeitung“. Selbstständige und Minijobber bleiben vorerst außen vor.

Für Neurentner steigt der zu versteuernde Anteil der Rente auf 84 Prozent. Die Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung erhöht sich auf 8.450 Euro monatlich, in der knappschaftlichen Rentenversicherung auf 10.400 Euro. Das Durchschnittsentgelt wird vorläufig auf 51.944 Euro jährlich festgesetzt, wie „mdr.de“ berichtet.

Steuerliche Entlastungen und neue Pflichten

Der Grundfreibetrag steigt auf 12.348 Euro, der Kinderfreibetrag auf 3.414 Euro pro Elternteil. Die Freigrenze für den Solidaritätszuschlag wird für die meisten Steuerklassen auf 20.350 Euro angehoben, für Steuerklasse III sogar auf 40.700 Euro.

Pendler profitieren von einer vereinheitlichten Entfernungspauschale: Ab dem ersten Kilometer können 38 Cent als Werbungskosten abgesetzt werden – unabhängig von der Wegstrecke und dem genutzten Verkehrsmittel. Die Ehrenamtspauschale steigt auf 960 Euro, die Übungsleiterpauschale auf 3.300 Euro jährlich.

Digitalisierungsschub und Bürokratieabbau

Die Bonpflicht könnte 2026 entfallen – ein lang geforderter Bürokratieabbau für den Einzelhandel. Ab Ende März wird der Schufa-Score transparenter: Verbraucher können ihre Bonität digital und kostenlos einsehen. Die Auskunftei vereinfacht zudem die Berechnung, damit auch Laien ihre Kreditwürdigkeit nachvollziehen können.

Für Gesundheitshandwerke wie Augenoptiker oder Hörakustiker wird die Anbindung an die Telematikinfrastruktur Pflicht. Diese digitale Vernetzung benötigt aber Investitionen in einen elektronischen Berufsausweis und eine Institutionskarte.

Business Punk Check

Die Wirtschaftspolitik 2026 ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits entlastet sie durch Energiepreisbremsen und Steuererleichterungen, andererseits erhöht sie durch steigende Sozialabgaben und neue Dokumentationspflichten den Druck auf Unternehmen. Der wahre Knackpunkt liegt in der Umsetzung: Viele Maßnahmen wie die Aktivrente klingen gut, schließen aber wichtige Gruppen aus.

Besonders der Mittelstand steht vor einem Belastungstest – während Großkonzerne von Industriestrompreis und Digitalisierungsförderungen profitieren, müssen KMUs komplexe Regeländerungen stemmen. Die Rechnung ist einfach: Wer die neuen Spielregeln schnell adaptiert, gewinnt; wer in alten Strukturen verharrt, verliert. Für Unternehmer heißt das: Jetzt Prozesse anpassen, Fördermöglichkeiten identifizieren und Geschäftsmodelle neu justieren.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Unternehmen profitieren am stärksten von den Wirtschaftsreformen 2026?
    Am meisten profitieren energieintensive Industriebetriebe durch den vergünstigten Industriestrompreis und die Abschaffung der Gasspeicherumlage. Auch Handwerksbetriebe mit Rentnerbeschäftigung können durch die Aktivrente Fachkräfte länger halten. Gastronomie und Lebensmittelhandwerk gewinnen durch die Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent für Speisen.
  • Wie können mittelständische Unternehmen die Mehrkosten durch höhere Mindestlöhne kompensieren?
    Mittelständler sollten jetzt Prozessoptimierungen vorantreiben und Digitalisierungsförderungen nutzen. Konkret: Prüfen Sie Teilzeitaufstockungsprämien für bestehende Mitarbeiter statt Neueinstellungen, nutzen Sie steuerliche Entlastungen und investieren Sie in Energieeffizienz, um von den neuen Preisbremsen maximal zu profitieren.
  • Welche Branchen stehen vor den größten Herausforderungen durch die Reformen?
    Personalintensive Dienstleister mit geringen Margen trifft der Mindestlohnanstieg besonders hart. Auch Handwerksbetriebe mit hohem Dokumentationsaufwand (etwa durch die EU-Entwaldungsverordnung) und kleine Gesundheitshandwerke durch die Telematikanbindung stehen vor erheblichen Investitionen. Hier sind strategische Preisanpassungen und Digitalisierungsoffensiven unverzichtbar.
  • Wie sollten sich Unternehmen auf die Aktivrente vorbereiten?
    Entwickeln Sie jetzt flexible Arbeitszeitmodelle für Mitarbeiter im Rentenalter. Identifizieren Sie wertvolle Wissenträger und bieten Sie ihnen attraktive Teilzeitmodelle an. Wichtig: Die Aktivrente gilt nur für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen – planen Sie entsprechende Vertragsmodelle, die den steuerfreien Höchstbetrag von 2.000 Euro optimal nutzen.
  • Welche steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten ergeben sich für Unternehmen 2026?
    Prüfen Sie die einheitliche Pendlerpauschale von 38 Cent für Ihre Mitarbeiter, nutzen Sie die erhöhten Freibeträge für Ehrenamtliche und Übungsleiter und kalkulieren Sie die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie ein. Für energieintensive Betriebe lohnt die frühzeitige Beantragung des vergünstigten Industriestrompreises. Stellen Sie Lohnsteuer-Freibeträge bis zum 31. Januar, um sofort mehr Liquidität zu sichern.

Quellen: „web.de“, „mdr.de“, „Deutsche Handwerks Zeitung“

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