Business & Beyond Ölkrieg im Einkaufswagen: Iran-Konflikt sprengt die Preise

Ölkrieg im Einkaufswagen: Iran-Konflikt sprengt die Preise

Der Krieg gegen den Iran schickt Öl- und Gaspreise nach oben. Doch Energie ist nur der Anfang der Kostenlawine. Schon bald könnten viele Alltagsprodukte deutlich teurer werden – und dein Warenkorb wird zum Krisenbarometer.

Der Krieg als Preistreiber

Seit den Militärschlägen der USA und Israels gegen den Iran reagieren die Energiemärkte nervös. Öl- und Gaspreise sind deutlich gestiegen – und mit ihnen die Kosten für den weltweiten Transport von Waren. Teurer Treibstoff verteuert nahezu jede Lieferkette, vom Containerfrachter bis zum Lieferwagen. Ökonom Brian Bethune vom Boston College warnt vor einem nachhaltigen Kostenschock. Unternehmen können die steigenden Transportkosten kaum selbst tragen und müssen sie weitergeben. Für Europa kommt ein zusätzlicher Verstärker hinzu: der Dollar. Weil Öl weltweit in US-Dollar gehandelt wird, trifft ein Preissprung europäische Verbraucher doppelt hart. Wenn der Euro gegenüber dem Dollar nachgibt, verteuert sich Energie allein durch den Wechselkurs zusätzlich.

Transport wird zum Luxusgut

Die Frachtkosten hängen direkt am Dieselpreis. Logistikkonzerne arbeiten mit automatischen Treibstoffzuschlägen. Beim Paketdienst FedEx etwa steigt der Aufschlag rapide, wenn der Dieselpreis über bestimmte Schwellen klettert – zuletzt auf fast 25 Prozent. In Europa kommt ein weiterer Faktor hinzu: Umleitungen von Tankern und Frachtern rund um Krisengebiete. Wenn wichtige Routen unsicher werden, verlängern sich Fahrzeiten, Versicherungsprämien steigen und zusätzliche Mautkosten fallen an. Transport wird damit schnell zum teuren Engpass der globalen Wirtschaft.

Erste Effekte im Supermarkt

Für Verbraucher werden die Folgen zuerst im Supermarkt sichtbar. Besonders betroffen sind frische Produkte wie Obst, Gemüse, Fleisch und Milch. Solche Waren lassen sich kaum auf Vorrat lagern. Steigen die Transportkosten für Lastwagen oder Kühlketten, landen diese Mehrkosten oft innerhalb weniger Tage auf dem Preisschild.

Die Europa-Falle: Gas und Grundstoffe

Während in den USA vor allem Dieselpreise die Transportkosten treiben, trifft die Krise Europa besonders über den Gasmarkt. Gas ist der zentrale Energieträger vieler Industrien. Düngemittel gehören zu den gasintensivsten Produkten überhaupt. Wenn Gaspreise steigen, verteuert sich Dünger – und damit zeitversetzt auch Getreide, Brot und Fleisch. Auch die Grundstoffindustrie gerät unter Druck. Chemie- und Stahlprodukte stecken in fast allen Lieferketten, von Plastikverpackungen bis zu Autos. Steigende Produktionskosten in diesen Branchen können sich erst Monate später voll in den Verbraucherpreisen niederschlagen.

Zeitliche Staffelung des Preisschocks

Die Auswirkungen kommen nicht auf einmal, sondern in Wellen. Innerhalb weniger Wochen verteuern sich vor allem Sprit, Transport und frische Lebensmittel. Nach einigen Monaten folgen Industrieprodukte oder Baumaterialien, sobald alte Lieferverträge auslaufen. Langfristig können sogenannte Zweitrundeneffekte entstehen, wenn steigende Preise höhere Löhne und neue Inflationserwartungen auslösen. Ein wichtiger Puffer existiert allerdings noch: Viele Unternehmen haben ihre Lager in den vergangenen Monaten stark aufgefüllt, um möglichen US-Zöllen zuvorzukommen. Diese Vorräte dämpfen den Preisschock zunächst. Erst wenn neue Waren bestellt werden müssen, schlagen die höheren Kosten vollständig durch.

Der globale Domino-Effekt

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist China. Als größter Ölimporteur der Welt reagiert die chinesische Wirtschaft besonders empfindlich auf steigende Energiepreise. Sollten hohe Ölpreise das Wachstum in China deutlich bremsen, könnte die weltweite Nachfrage nach vielen Industriegütern sinken. Im Extremfall droht eine globale Rezession. Die Preise würden dann zwar irgendwann wieder fallen – allerdings um den Preis schwächerer Konjunktur und möglicher Jobverluste.

Strategien der Konzerne

Unternehmen suchen bereits nach Wegen, die steigenden Kosten abzufedern. Eine bekannte Methode ist die sogenannte Shrinkflation. Dabei bleiben die Preise gleich, während die Produktmengen schrumpfen. Andere Firmen versuchen, ihre Produktion näher an die Absatzmärkte zu verlagern. Dieses sogenannte Nearshoring soll riskante Transportwege über lange Seehandelsrouten reduzieren. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, bleibt vielen Unternehmen nur ein drastischer Schritt: Stellen abbauen, um gestiegene Energiekosten in der Bilanz auszugleichen.

Zentralbanken in der Zwickmühle

Für Notenbanken entsteht damit ein schwieriges Dilemma. Zinserhöhungen können die Nachfrage bremsen, aber sie lösen keinen Angebotsschock. Energie lässt sich nicht einfach durch höhere Zinsen billiger machen. Gleichzeitig müssen Zentralbanken verhindern, dass sich steigende Energiepreise dauerhaft in der Inflation festsetzen. Am Ende gilt daher die nüchterne Diagnose von Ökonom Bethune: Die Kosten verschwinden nicht – sie tauchen nur an anderer Stelle wieder auf. Meist direkt im Portemonnaie der Verbraucher.

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