Business & Beyond Oxfam, Champagner und ein Denkfehler: Warum Reiche den Armen nichts wegnehmen

Oxfam, Champagner und ein Denkfehler: Warum Reiche den Armen nichts wegnehmen

Mehr Reiche, weniger Arme: Zum Auftakt in Davos scheitert Oxfams Lieblingserzählung mal wieder am Hefeteig der Realität.

Januar. Davos. SUVs im Stau, Lachsbrötchen auf Silbertabletts – und Oxfam am Mikrofon. Jedes Jahr dasselbe Spiel: Die NGO erklärt pünktlich zum Weltwirtschaftsforum, warum Reiche böse sind, Milliardäre das Problem heißen und der Kapitalismus moralisch kurz vor dem Herzstillstand steht. Beweisstück A: Zahlen der Weltbank. Urteil: System ungerecht.

Klingt gut. Ist aber falsch.

Die aktuelle Empörungsformel lautet: Rund 3000 Milliardäre besitzen 18,3 Billionen Dollar. Seit 2020 ist ihr Vermögen inflationsbereinigt um über 80 Prozent gewachsen. Gleichzeitig lebt angeblich fast die Hälfte der Menschheit in Armut. Subtext: Die da oben nehmen den Armen das Brot vom Teller. Nullsummenspiel. Einer gewinnt, alle anderen verlieren.

Wohlstand ist kein Kuchen, bei dem jemand zu gierig zugreift. Wohlstand ist eher ein Hefeteig. Wenn er aufgeht, wird mehr daraus. Für alle. Und genau das zeigen – Überraschung – die gleichen Weltbank-Daten, auf die sich Oxfam beruft.

2020 lebten noch 50,5 Prozent der Weltbevölkerung in Armut. 2025 sind es 45,5 Prozent. In fünf Jahren sind hunderte Millionen Menschen aus der Armut rausgekommen. Weltweit. Parallel dazu sind Milliardäre reicher geworden. Kein Skandal. Kein Widerspruch. Sondern Wirtschaftswachstum in Echtzeit.

Auch die extreme Armut ist gesunken: von 11,4 auf 10,1 Prozent. Und selbst diese Zahl ist schlechter gerechnet, als sie sein müsste. Denn 2025 hat die Weltbank die Armutsgrenze mal eben um rund 40 Prozent angehoben. Ergebnis: Auf dem Papier plötzlich hunderte Millionen „neue“ extrem Arme. Ohne diesen statistischen Turbo läge der Anteil heute bei etwa 6,5 Prozent – dem niedrigsten Wert der Menschheitsgeschichte. Vor 200 Jahren lebten rund 90 Prozent der Menschen in extremer Armut. Heute sind es so wenige wie nie zuvor. Das ist kein PR-Sprech, das sind Zahlen.

Die entscheidende Frage ist also nicht, warum Milliardäre reicher werden. Sondern: Warum werden gleichzeitig so viele Menschen weniger arm?

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