Business & Beyond OXFAM: Milliardäre im Geldrausch – der Rest zahlt den Preis

OXFAM: Milliardäre im Geldrausch – der Rest zahlt den Preis

Milliardäre verzeichnen einen historischen Vermögenszuwachs. Während Milliarden Menschen weltweit in Armut leben, wächst der Reichtum an der Spitze schneller als je zuvor. Ein neuer Bericht von Oxfam zeigt die drastische Dimension globaler Ungleichheit. Und macht deutlich: Die Folgen sind längst politisch relevant.

Reichtum auf Hochgeschwindigkeit

Die globale Vermögensungleichheit hat sich weiter verschärft. Laut Oxfam ist das Vermögen der rund 3.000 Milliardärinnen seit 2020 inflationsbereinigt um rund 81 Prozent gestiegen. Allein im vergangenen Jahr nahm ihr Reichtum um 2,5 Billionen US-Dollar zu – eine Summe in der Größenordnung des gesamten Vermögens der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung.

Damit erreichte das Gesamtvermögen der Milliardärinnen einen Rekordwert von 18,3 Billionen Dollar. Gleichzeitig lebt fast jeder zweite Mensch weltweit in Armut. Oxfam sieht darin kein zufälliges Phänomen, sondern ein strukturelles Ungleichgewicht.

Zwölf gegen vier Milliarden

Besonders deutlich wird die Konzentration an der Spitze in einem Vergleich des Berichts: Die zwölf reichsten Menschen der Welt verfügen inzwischen über mehr Vermögen als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung – also mehr als vier Milliarden Menschen.

Während diese Hälfte lediglich 0,52 Prozent des globalen Vermögens besitzt, entfallen auf das reichste Prozent 43,8 Prozent. Oxfam spricht von einer beispiellosen Ballung von Reichtum und wirtschaftlicher Macht. Der weltweite Wohlstand wächst – erreicht jedoch nur einen kleinen Teil der Bevölkerung.

Reichtum in Zahlen illustriert

Um die Dimensionen greifbarer zu machen, führt Oxfam mehrere Vergleichsrechnungen an. Demnach verdient der derzeit reichste Mensch der Welt, Elon Musk, in vier Sekunden so viel wie ein Durchschnittsmensch im weltweiten Jahresdurchschnitt. Damit sein Vermögen schrumpfen würde, müsste er pro Sekunde mehr als 4.500 Dollar verschenken.

Zudem seien die vier reichsten Männer der Welt zusammen mehr wert als alle Kühe weltweit. Milliardärinnen könnten rechnerisch über 600 Milliarden sogenannte Labubu-Blind-Boxes kaufen – das Auspacken würde rund sechs Millionen Jahre dauern. Während eines 20-minütigen Powernaps verdienen Milliardärinnen durchschnittlich 6.000 Dollar, während eines achtstündigen Schlafs etwa 145.000 Dollar.

Deutschland: Platz vier im Milliardärs-Ranking

Auch in Deutschland nahm der Reichtum an der Spitze deutlich zu. Die Zahl der Milliardär*innen stieg binnen eines Jahres um rund ein Drittel auf 172. Damit liegt Deutschland weltweit auf Platz vier. Ihr Gesamtvermögen wuchs inflationsbereinigt um etwa 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar.

Rechnerisch verdient ein deutscher Milliardär in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen. Oxfam warnt, dass diese wachsende Kluft zwischen Arm und Reich einen Nährboden für antidemokratische Kräfte schaffen könne, und fordert politische Gegenmaßnahmen wie höhere Steuern für sehr hohe Vermögen.

Politischer Einfluss der Superreichen

Sorgen bereitet Oxfam zudem, dass wirtschaftliche Macht zunehmend in politischen Einfluss übersetzt werde. Besonders deutlich sei dies in den USA zu beobachten. Dort habe etwa Donald Trump sein Vermögen in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert, unter anderem durch Geschäfte mit Kryptowährungen. Dem Bericht zufolge investierten 100 milliardenschwere Familien im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf insgesamt 2,6 Milliarden Dollar.

Die Wahrscheinlichkeit, ein politisches Amt zu bekleiden, sei für Milliardär*innen schätzungsweise 4.000-mal höher als für Durchschnittsbürger. Zudem befinden sich sieben der zehn größten Medienhäuser zumindest teilweise im Besitz von Milliardären – eine Entwicklung, die Oxfam als Risiko für demokratische Strukturen bewertet.

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