Business & Beyond Robert Habeck geht. Er war der letzte, der den Grünen eine Machtoption geschaffen hat. Bislang.

Robert Habeck geht. Er war der letzte, der den Grünen eine Machtoption geschaffen hat. Bislang.

Das Wappentier der Grünen nimmt seinen Abschied aus dem Bundestag. Jetzt kann sich die Partei neu erfinden.

Robert Habeck geht. Mit seinem Abschied aus dem Bundestag endet nicht nur die Karriere eines Politikers, sondern eine Ära grüner Führung. Denn schon zuvor hatten Annalena Baerbock und Ricarda Lang ihren Verzicht erklärt. Cem Özdemir hat sich auf die Landesbühne in Baden-Württemberg zurückgezogen, wo er den grünen Ober-Daddy Winfried Kretschmann beerben will. Die Wahl wird kein Selbstgänger. Mindestens vier Köpfe, vier Stimmen, vier Gesichter, die die Grünen über Jahre geprägt haben, verschwinden von der politischen Bühne. Mit ihnen verabschiedet sich eine Generation, die den Anspruch der Vorgänger um Jürgen Trittin und Joschka Fischer erneuerte, die Grünen von der Nischen- zur Machtpartei zu führen.

Das Bild, das bleibt, ist das einer Schlange, die sich häutet. Die alte Haut liegt mal wieder abgestreift am Weg, sichtbar und leblos. Darunter erscheint etwas Neues, zunächst fragil, verletzlich, noch unklar in Kontur und Farbe. Aber es ist lebendig. Die Grünen müssen sich neu erfinden.

Die Abgänge kommen nicht zufällig. Sie sind die Folge von Jahren, in denen die Partei zerrissen war zwischen moralischem Anspruch und politischer Wirklichkeit. Habeck, der Philosoph im Ministeramt, wollte beides: Haltung zeigen und regieren. Am Ende ist er an den Realitäten der Energiekrise und am ständigen Druck aus allen politischen Richtungen zerbrochen. Baerbock, einst Hoffnungsträgerin im Kanzleramt, ging unter in diplomatischen Dauerschleifen und feministischen Getöse. Ricarda Lang, die für eine neue Generation stand, blieb im Maschinenraum der Partei stecken, ohne das große Bild zeichnen zu können. Und Cem Özdemir ist alt geworden, bevor er groß wurde.

So stehen die Grünen heute da: ohne Führung, aber mit der Chance auf einen Neuanfang. Denn jede Häutung bedeutet nicht nur Verlust, sondern auch Wachstum. Die Frage ist nur: Wofür wollen die Grünen stehen?

Es gibt zwei Wege. Der eine ist die Rückkehr zur Fundamental-Opposition. Die Grünen könnten sich wieder als moralisches Korrektiv begreifen, als Stimme gegen alles, was nicht ökologisch rein ist. Das bedeutet Moral, aber nicht Macht. Es bringt Applaus in den eigenen Reihen, aber entfernt die Partei von jeder realen Gestaltungsmacht. Der andere Weg ist schwieriger: Die Grünen könnten endlich verstehen, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sind, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Klimaschutz kostet Geld, schafft aber auch Wachstum, wenn er klug gestaltet wird. Energiepolitik ist nicht nur Ideologie, sondern Standortfrage. Nachhaltigkeit ist kein Luxus für Besserverdienende, sondern Basis für Wettbewerbsfähigkeit. Wenn die Grünen es schaffen, das Wort „Öko“ glaubhaft mit „Ökonomie“ zu verknüpfen, wären sie mit einmal die Partei, die Deutschland in einer Welt im Umbruch gebrauchen könnte.                                                            

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