Business & Beyond Spritpreise steigen zur Reisezeit: So teuer wird der Sommerurlaub mit dem Auto

Spritpreise steigen zur Reisezeit: So teuer wird der Sommerurlaub mit dem Auto

Tankrabatt beendet, die Irankrise eskaliert: Spritpreise steigen massiv. Diesel-Exporte aus Russland brechen ein, während Millionen in den Urlaub starten. Was jetzt auf Autofahrer zukommt.

Der Tankrabatt ist Geschichte. Pünktlich zur Hauptreisezeit ziehen die Spritpreise wieder an und das ist kein Zufall.

Während halb Deutschland in den Sommerurlaub startet, verschärft sich die Lage auf den globalen Energiemärkten dramatisch. Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten treiben die Preise nach oben. Für Millionen Urlauber bedeutet das: Der Weg ans Meer wird deutlich teurer.

Russlands Diesel-Exporte brechen ein

Die Zahlen sind eindeutig. Russlands Diesel-Lieferungen haben sich im Juni im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert, wie Daten des Analyseunternehmens Vortexa zeigen. Der sogenannte Diesel-Crack-Spread, ein Indikator für die Knappheit des Kraftstoffs erreichte Bild zufolge den höchsten Stand seit April.

Eugene Lindell von der Beratungsgesellschaft FGE NexantECA bringt es auf den Punkt: Die Exporte aus Russland seien schockierend niedrig, gleichzeitig fehlten Lieferungen aus dem Persischen Golf. Analystin Natalia Losada von Energy Aspects sieht die Ursache klar in den Drohnenangriffen auf russische Raffinerien. Ein mögliches Exportverbot würde den Wettbewerb um Lieferungen von der US-Golfküste zusätzlich verschärfen.

Tankrabatt-Ende treibt Preise nach oben

Juli endete der staatliche Tankrabatt – und die Auswirkungen sind sofort spürbar. Laut ADAC kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel 2,024 Euro, Diesel liegt bei 1,953 Euro. Das sind jeweils rund zehn Cent mehr als in der Vorwoche.

Die Entlastung von 17 Cent pro Liter ist damit komplett aufgehoben. Bereits in den letzten Junitagen hatten viele Tankstellen die Preise hochgesetzt – ein Teil der Erhöhung wurde also vorweggenommen.

Beispielrechnung: So teuer wird die Urlaubsfahrt ohne Tankrabatt

Wie stark die höheren Spritpreise Familien treffen, zeigt eine einfache Schätzung. Für eine vierköpfige Familie von München an den Gardasee fallen für Hin- und Rückfahrt grob rund 800 Kilometer an. Bei einem Benziner mit sieben Litern Verbrauch auf 100 Kilometer und einem gemischten Streckenpreis von etwa 1,78 Euro pro Liter ergeben sich rund 100 Euro Spritkosten. Mit Tankrabatt wären es bei rund 17 Cent weniger pro Liter etwa 90 Euro gewesen – also rund zehn Euro weniger. Bei einem Diesel mit 5,8 Litern Verbrauch und etwa 1,83 Euro pro Liter wären es aktuell rund 85 Euro. Mit Tankrabatt läge die Rechnung bei etwa 77 Euro, also rund acht Euro niedriger.

Von Hamburg nach Dänemark hängt die Rechnung stark vom Ziel ab: Bis Jütland können für Hin- und Rückfahrt etwa 640 Kilometer anfallen. Dann lägen die Kosten geschätzt bei rund 96 Euro mit Benzin und etwa 73 Euro mit Diesel. Mit Tankrabatt wären es rund 88 Euro beziehungsweise 67 Euro gewesen. Geht es bis Kopenhagen, können es eher 940 Kilometer sein. Dann wären aktuell rund 141 Euro mit Benzin und etwa 108 Euro mit Diesel realistisch. Mit Tankrabatt wären es rund 130 Euro beziehungsweise 99 Euro. Wichtig: Das sind Schätzungen ohne Maut, Fähren, Staus, Umwege, Klimaanlage, Dachbox oder Fahrten vor Ort.

Geopolitische Spannungen verschärfen die Lage

Die Rohölpreise reagieren nervös auf die Eskalation im Nahen Osten. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte auf 78,50 US-Dollar – ein Plus von knapp sechs Prozent. WDR-Wirtschaftsexperte Ulrich Ueckerseifer kritisiert die Tankstellenbetreiber scharf: Wer jetzt die Preise erhöhe, betreibe eine Frechheit.

Der aktuell verkaufte Sprit sei längst geliefert worden, die gestiegenen Rohölpreise rechtfertigten die Erhöhungen nicht. Zudem hätten die Betreiber den Rückgang der Rohölpreise von über 100 auf etwa 70 Dollar pro Fass nur teilweise an die Kunden weitergegeben.

Prognose bleibt unsicher

Der ADAC hält sich mit Prognosen zurück. Der Rohölpreis sei zu volatil, die Folgen von Krisen und Kriegen auf den Preis meist erheblich. Ueckerseifer schließt weitere Preissteigerungen nicht aus, rechnet aber nicht mit den extremen Sprüngen der vergangenen Monate.

Die Märkte passten sich zunehmend an. Sollte sich die Lage im Nahen Osten beruhigen, könnte es auch auf dem Kraftstoffmarkt wieder eine Preisdämpfung geben. Bis dahin gilt: Tanken wird teuer bleiben.

Business Punk Check

Die Wahrheit hinter den Spritpreisen: Tankstellenbetreiber nutzen jede Krise für Preiserhöhungen, während sinkende Rohölkosten kaum weitergegeben werden. Der Tankrabatt war ohnehin nur ein teures Placebo – die Mineralölkonzerne haben die Entlastung zum Großteil selbst eingestrichen. Jetzt zeigt sich die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern in voller Härte. Unternehmen, die auf Diesel-Flotten setzen, stehen vor massiven Kostensteigerungen. Die Logistikbranche rechnet mit Margenerosion, der Mittelstand mit steigenden Betriebskosten. Wer jetzt nicht über alternative Antriebe oder zumindest Effizienzsteigerungen nachdenkt, verschläft die Zeitenwende. Die geopolitischen Spannungen werden nicht verschwinden – im Gegenteil. Russlands Raffinerien bleiben Angriffsziele, der Nahe Osten ein Pulverfass. Entscheider sollten Spritpreise von über zwei Euro als neue Normalität einkalkulieren und ihre Mobilitätsstrategie entsprechend anpassen. Wer auf sinkende Preise hofft, setzt auf die falsche Karte.

Quellen: Bild, Zeit, 1.wdr.de

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