AnlagePunk Startup-Deutschland dreht wieder auf – Milliardenregen für KI & Co.

Startup-Deutschland dreht wieder auf – Milliardenregen für KI & Co.

Mehr Geld, größere Deals, klare Gewinner: 2025 flossen knapp 8,4 Milliarden Euro in deutsche Start-ups. Bayern zieht an Berlin vorbei und wird neuer Hotspot der Szene. KI, Rüstung und Biotech kassieren ab. Doch für ganz junge Gründer bleibt das Klima rau.

Startup-Deutschland meldet sich 2025 eindrucksvoll zurück. Knapp 8,4 Milliarden Euro Risikokapital flossen im vergangenen Jahr in deutsche Start-ups – ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit war 2025 das drittstärkste Jahr in der Geschichte der deutschen Gründerlandschaft, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft EY zeigt. Nach dem Einbruch nach dem Corona-Boom dreht der Markt wieder nach oben, vor allem dank weniger, dafür umso größerer Deals.

Bayern überholt Berlin

Der auffälligste Gewinner des Jahres ist Bayern. Mit rund 3,3 Milliarden Euro eingesammeltem Wagniskapital ließ der Freistaat die Gründermetropole Berlin hinter sich, die auf knapp 2,7 Milliarden Euro kam. Zusammen stehen beide Bundesländer für mehr als 70 Prozent aller Start-up-Investitionen in Deutschland. EY spricht bereits von einer „Wachablösung“. Besonders München profitiert von der Nähe zu renommierten Universitäten, finanzstarken Investoren und einem klaren Fokus auf technologiegetriebene Geschäftsmodelle.

Die größten Deals gehen in den Süden

Die größten Finanzierungsrunden des Jahres gingen allesamt nach Bayern. Spitzenreiter war erneut der Münchner Drohnen- und KI-Spezialist Helsing mit 600 Millionen Euro. Es folgten das Energie-Start-up Green Flexibility mit 400 Millionen Euro und das Biotech-Unternehmen Tubulis mit 344 Millionen Euro. Sieben der zehn größten Investitionsrunden entfielen auf bayerische Start-ups, zwei auf Berliner Unternehmen und eines auf Baden-Württemberg. Insgesamt zählte EY 2025 ganze 18 Großinvestitionen mit jeweils mindestens 100 Millionen Euro – sechs mehr als im Vorjahr.

KI ist der große Geldmagnet

Inhaltlich zieht vor allem ein Thema das Kapital an: Künstliche Intelligenz. Start-ups aus den Bereichen Software und Analytics erzielten 2025 ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 2,7 Milliarden Euro – etwa 450 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Dahinter folgten der Energie- und der Gesundheitssektor. Während Berlin weiterhin stark in Online-Handel und FinTech aufgestellt ist – aktuell eher schwächelnde Segmente –, profitieren bayerische Start-ups besonders vom Boom um KI, Deep Tech und Rüstungstechnologien.

Gutes Klima – mit Schattenseiten

Trotz der starken Zahlen bleibt das Umfeld herausfordernd. Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, komplexe regulatorische Vorgaben und eine schwache Konjunktur belasten den Wirtschaftsstandort Deutschland. Dennoch bewertet EY-Partner Thomas Prüver das Investitionsklima vorsichtig positiv. Vor allem Start-ups, die bereits erste Erfolge vorweisen können, kommen wieder leichter an frisches Kapital.

Frühphasen-Gründer bleiben unter Druck

Für sehr junge Unternehmen bleibt die Lage dagegen schwierig. Die Zahl kleiner Finanzierungsrunden sank 2025 weiter, und insgesamt ging die Zahl der Deals bereits das vierte Jahr in Folge zurück – um fünf Prozent auf 716 Abschlüsse. Heißt: Geld ist wieder da, aber es fließt vor allem zu denen, die schon bewiesen haben, dass ihr Modell funktioniert.

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