Business & Beyond Super-Apps: Europas digitale Zukunft oder Big-Tech-Albtraum?

Super-Apps: Europas digitale Zukunft oder Big-Tech-Albtraum?

Die europäische Firewall

Doch Europa ist nicht Asien. Während in China die digitale Allmacht von WeChat auch politisch gewollt ist, stehen in der EU gleich mehrere Barrieren im Weg. Allen voran der Datenschutz. Die DSGVO und weitere Regularien verhindern genau das, was Super-Apps so wertvoll macht: Die umfassende Verknüpfung von Nutzerdaten über verschiedene Lebensbereiche hinweg.

„Die sehr strikten Datenschutz-Richtlinien verbieten es eigentlich, das Verhalten von Konsumenten in einem Bereich auf einen anderen Bereich zu übertragen. Von daher ist die Logik einer Super-App mit der europäischen Regulierung nicht ganz so zu vereinen“, betont Schickentanz.

Hinzu kommt das scharfe EU-Wettbewerbsrecht. Plattformen, die zu viele Dienste bündeln, geraten schnell ins Visier der Kartellbehörden – ein Risiko, das Tech-Konzerne ernst nehmen müssen. Der Digital Markets Act (DMA) und der Digital Services Act (DSA) bilden ein regulatorisches Bollwerk gegen die Marktmacht einzelner Anbieter.

Zwischen Bequemlichkeit und Abhängigkeit

Trotz aller Hürden: Das Interesse an Super-Apps ist auch in Europa vorhanden. Laut einer Umfrage der Vergleichsplattform GetApp schätzen potenzielle Nutzer vor allem die Zeitersparnis und Bequemlichkeit. Doch mit jedem Klick innerhalb eines geschlossenen Systems steigt auch die Abhängigkeit.

„Wenn eine Super-App zu dominant wird, könnte dies den Wettbewerb einschränken und die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher reduzieren“, warnt Marvin Pawelczyk vom Branchenverband Bitkom gegenüber der ARD laut einem Tagesschau-Bericht. Zudem entstehen neue Risiken: „Wenn viele Dienste von einer einzigen App abhängen, könnten technische Ausfälle außerdem größere Auswirkungen haben als dies bei der Störung einzelner Apps der Fall ist.“

Holger Hoos, Alexander-von-Humboldt-Professor für KI an der RWTH Aachen, ergänzt: „Wenn das alles in einer Hand ist, dann hat man sich ziemlich abhängig gemacht. Und dann lernt auch dieses Unternehmen an sehr, sehr viel über die Kundschaft. Und das kann nicht immer nur positiv sein.“

Kulturelle Unterschiede als Bremse

Neben den regulatorischen Hürden gibt es noch einen weiteren Faktor, der die Verbreitung von Super-Apps in Europa bremst: kulturelle Unterschiede. Asiaten sind deutlich offener, teilen auch ihre E-Commerce-Käufe mit Freunden. Das gilt hier in Europa als deutlich weniger wahrscheinlich

Europäer legen traditionell mehr Wert auf Privatsphäre und Datensouveränität. Die Bereitschaft, persönliche Informationen für mehr Bequemlichkeit preiszugeben, ist geringer als in anderen Weltregionen. Diese kulturelle Zurückhaltung könnte ein entscheidender Faktor sein, warum Super-Apps in Europa einen schweren Stand haben.

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