Business & Beyond Telekom träumt vom Mega-Deal – und scheitert an der Realität

Telekom träumt vom Mega-Deal – und scheitert an der Realität

Die Deutsche Telekom träumt vom größten Mobilfunkanbieter der Welt. Doch der Plan, mit T-Mobile US zu fusionieren, ignoriert politische Realitäten – und könnte Deutschland seinen wichtigsten Infrastrukturkonzern kosten.

Die Telekom wäre nicht die Telekom, wenn sie nicht hin und wieder sehr große Pläne schmieden würde. Jetzt wurde bekannt: Konzernchef Tim Höttges hat ein kleines Expertenteam verschiedene Szenarien durchspielen lassen, wie man die Deutsche Telekom mit ihrer US-Tochter T-Mobile komplett verschmelzen könnte, wie Handelsblatt und Bloomberg berichten. Das Ziel: ein transatlantischer Gigant, größer als China Mobile, Verizon und AT&T. Nur hat niemand Höttges offenbar gesagt, dass dieser Deal politisch ungefähr so realistisch ist wie eine Einladung Putins zum G7-Gipfel.

Fusion durch die Hintertür

Die technische Konstruktion klingt auf dem Papier elegant: Eine neue Holding in einem europäischen Land außerhalb Deutschlands – vermutlich nach dem Linde-Modell mit irischer Briefkastenfirma – soll beide Unternehmen aufnehmen. Die Telekom hält aktuell rund 53 Prozent an T-Mobile US, das operative Geschäft würde zusammengelegt. Gemessen am Börsenwert würde so der weltgrößte Mobilfunkanbieter entstehen.

Nicht einmal der eigene Aufsichtsrat war bisher involviert, so Handelsblatt. Das sagt bereits alles über den Reifegrad dieser Pläne.

Warum Berlin niemals zustimmen wird

Deutschland kann sich den Verlust seines erfolgreichsten Infrastrukturkonzerns schlicht nicht leisten. Während Auto- und Chemieindustrie schwächeln, hält die Telekom als ehemaliger Staatskonzern – zu 28 Prozent noch immer in Bundeshand – die Fahne deutscher Exzellenz hoch, wie WirtschaftsWoche analysiert. Mehr noch: Die Telekom ist aus der Verteidigung nicht wegzudenken. Bei der Nato-Cyber-Übung „Locked Shields“ trainiert ihre Sicherheitsabteilung die Abwehr simultaner Angriffe auf zivile Infrastruktur.

Im Ernstfall wird das Mobilfunknetz zur Luftabwehr. Gerade hat die Telekom eine eigene „Defense“-Abteilung für Bundeswehr-Angebote gegründet. Ausgerechnet jetzt, wo Trump die Nato auf eine Belastungsprobe stellt, soll dieser strategische Asset in eine ausländische Holding wandern? Über die hätte Berlin deutlich weniger Kontrolle. Das mahnende Beispiel Linde zeigt die Konsequenzen: Nach der Fusion der Linde AG mit Praxair 2018 gilt der Konzern als amerikanisch, nicht mehr deutsch.

Washington wird ebenfalls blockieren

Auch die USA haben null Interesse, T-Mobile US – den dynamischsten Telekommunikationskonzern des Landes mit dem performantesten 5G-Netz – ins Ausland ziehen zu lassen. Vielmehr muss die Telekom bereits zittern, Trumps Gunst wegen ihrer Huawei-Geschäfte nicht zu verlieren. Nicht umsonst spendet sie großzügig für den neuen Ballsaal des Weißen Hauses. Die regulatorischen Hürden sind gewaltig.

Schon die 2018 angekündigte T-Mobile-Sprint-Fusion stieß auf erheblichen Widerstand von US-Bundesstaaten und Regulierern, wurde aber trotz dieser Hürden 2020 genehmigt und durchgesetzt, so der Spiegel. Eine noch größere Transaktion mit ausländischer Beteiligung? Chancenlos.

Business Punk Check

Die Börse hat bereits ihr Urteil gefällt: Nach den Bloomberg-Berichten fiel die Telekom-Aktie um drei Prozent. Investoren durchschauen das Spiel. Ja, eine Fusion würde das Nachfolgeproblem lösen – Srini Gopalan, den Höttges nach Amerika entsenden musste, könnte den Megakonzern führen. Und ja, die Bewertungsdiskrepanz zwischen Mutter und Tochter würde sich auflösen. Aber das sind interne Telekom-Probleme, keine Argumente für einen Deal dieser Dimension.

Die brutale Wahrheit: In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen werden kritische Infrastrukturen nicht liberalisiert, sondern renationalisiert. Höttges‘ Traum vom Weltkonzern ignoriert die politische Großwetterlage komplett. Strategischer Realismus wäre angebracht – und die Erkenntnis, dass die Telekom ihre Stärke gerade aus der Verankerung in zwei getrennten Märkten bezieht. Manchmal ist Verzicht die klügere Strategie.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel ist eine fusionierte Telekom-T-Mobile wert?

Gemessen am kombinierten Börsenwert würde der weltgrößte Mobilfunkanbieter entstehen, größer als China Mobile, Verizon oder AT&T. Die Telekom hält aktuell 53 Prozent an T-Mobile US, die Tochter ist an der Börse höher bewertet als die Mutter.

Warum will die Telekom mit T-Mobile fusionieren?

Konzernchef Höttges will einen transatlantischen Giganten schaffen, der mit Cloud-Riesen wie AWS oder Google konkurrieren kann. Zudem würde eine Fusion das Nachfolgeproblem lösen und die Bewertungsdiskrepanz zwischen Mutter und Tochter beseitigen.

Was spricht gegen die Fusion?

Massive politische und regulatorische Hürden in Deutschland und den USA. Die Telekom ist kritische Infrastruktur für Verteidigung und nationale Sicherheit beider Länder. Weder Berlin noch Washington haben Interesse, Kontrolle an eine ausländische Holding abzugeben.

Wurde die Fusion schon beschlossen?

Nein. Die Pläne befinden sich laut Bloomberg in einem frühen Stadium. Nicht einmal der Telekom-Aufsichtsrat war involviert. T-Mobile US bezeichnete Berichte als „Spekulationen“, die Telekom lehnte Stellungnahmen ab.

Quellen: Handelsblatt, WirtschaftsWoche, Bloomberg, Spiegel, CIO

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