Business & Beyond Tesla wächst – und die Aktie fällt: Was Musk verschweigt

Tesla wächst – und die Aktie fällt: Was Musk verschweigt

Tesla meldet 22,4 Milliarden Dollar Umsatz und 56 Prozent mehr Gewinn. Doch die Aktie sackt ab. Grund: Elon Musk bleibt bei seinen Zukunftsprojekten vage – und setzt alles auf autonome Robotaxis.

Elon Musk verkauft wieder mehr Elektroautos. Umsatz steigt um 16 Prozent auf 22,4 Milliarden Dollar, der Gewinn klettert um 56 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Klingt nach Erfolg. Die Börse sieht das anders: Nach kurzem Kurssprung sackte die Tesla-Aktie ab und notierte zuletzt 0,3 Prozent im Minus. Was läuft schief bei Musks E-Mobilitäts-Imperium?

Zahlen gut, Stimmung mies

Tesla lieferte im ersten Quartal 358.023 Fahrzeuge aus – ein Plus von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Deutschland kamen über 12.800 Tesla-Modelle neu auf die Straße, allein 9.250 davon im März. Die Nachfrage in Asien und Südamerika ziehe ungebrochen an, in Europa und Nordamerika erhole sie sich nach dem Einbruch 2025, so n-tv. Der Cashflow lag mit 1,4 Milliarden Dollar mehr als doppelt so hoch wie vor Jahresfrist. Trotzdem reagieren Anleger verhalten.

Der Grund: Musk bleibt bei seinen angekündigten Zukunftsprojekten erschreckend vage. „Tesla arbeitet an vielen großen, ehrgeizigen Projekten, die alle sehr anspruchsvoll sind, aber meiner Meinung nach revolutionär sein werden“, sagte Musk in der Telefonkonferenz. Konkret wurde er nicht – oder dämpfte bewusst die Erwartungen.

Vom E-Auto zum Robotaxi

Musk setzt längst nicht mehr auf klassische Elektroautos. Die Zukunft liege in autonom fahrenden Robotaxis und humanoiden Robotern, erklärte er bereits nach den Absatzrückgängen 2025. Das Cybercab soll ab diesem Jahr produziert werden und langfristig das wichtigste Fahrzeug in der Tesla-Flotte werden. In mehreren US-Städten fahren Tesla-Fahrzeuge bereits autonom.

Im April erhielt Tesla in den Niederlanden die offizielle Genehmigung für sein Fahrsystem Full Self-Driving – allerdings noch mit Sicherheitsfahrer. Die Strategie ist riskant. Während Konkurrenten wie BYD oder Volkswagen auf bezahlbare E-Mobilität setzen, will Musk die gesamte Branche überspringen. Günstigere Versionen des Model 3 und Model Y sollen kurzfristig Absatz bringen. Langfristig zählt nur noch autonomes Fahren.

Musk-Politik kostet Kunden

2025 war kein gutes Jahr für Tesla. Die Auslieferungen fielen um 13 Prozent, Produktionslinien wurden für ein Update des Bestsellers Model Y umgerüstet. Schwerer wog ein anderer Faktor: Musks politische Aktivitäten. Als enger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump sollte er Regierungsausgaben kürzen. Seine rechten politischen Ansichten schreckten potenzielle Käufer ab, berichtet der Spiegel.

Zusätzlich ließ Trump Ende September 2025 die Steuervergünstigung von 7.500 Dollar beim Kauf eines Elektroautos streichen. Tesla profitierte kurzfristig von einer Torschlusspanik im dritten Quartal – danach brachen die Verkäufe erneut ein. Das europäische Werk in Grünheide bei Berlin produziert weiterhin das Model Y, doch die politischen Turbulenzen hinterlassen Spuren.

Business Punk Check

Teslas Quartalszahlen zeigen: Das klassische E-Auto-Geschäft funktioniert wieder. Aber Musk hat längst das Interesse verloren. Sein Fokus liegt auf autonomen Robotaxis – ein Markt, der noch nicht existiert. Während Konkurrenten wie BYD mit günstigen E-Autos Marktanteile erobern, verspricht Musk eine Zukunft, die er nicht konkretisieren kann. Die Börse merkt das.

Die Wahrheit über Teslas Mobilitätswende: Full Self-Driving ist in den meisten Ländern noch nicht zugelassen, Cybercabs existieren nur als Prototypen, und die Infrastruktur für autonome Flotten fehlt komplett. Musk verkauft eine Vision, keine Produkte. Wer jetzt in Tesla investiert, wettet nicht auf E-Mobilität, sondern auf Musks Fähigkeit, regulatorische Hürden zu überwinden und eine völlig neue Branche aufzubauen.

Häufig gestellte Fragen

Wie realistisch ist Teslas Robotaxi-Vision wirklich?

Teslas Full Self-Driving ist in den meisten Ländern noch nicht für autonomen Betrieb zugelassen. In den Niederlanden gilt die Genehmigung nur mit Sicherheitsfahrer, in Deutschland fehlt sie komplett. Das Cybercab existiert bisher nur als Prototyp, Produktionsstart und Zulassung sind unklar. Wer auf Robotaxis setzt, spekuliert auf regulatorische Durchbrüche, die Jahre dauern können.

Lohnt sich ein Tesla-Kauf noch für Privatnutzer?

Für Käufer, die ein solides E-Auto suchen, bieten günstigere Versionen des Model 3 und Model Y weiterhin gute Reichweite und Ladeinfrastruktur. Allerdings holt die Konkurrenz auf: BYD, Hyundai und Volkswagen liefern vergleichbare Modelle zu niedrigeren Preisen. Teslas Vorteil liegt im Supercharger-Netzwerk und der Software – nicht mehr im Preis-Leistungs-Verhältnis.

Warum reagiert die Börse so verhalten auf Teslas Quartalszahlen?

Die Zahlen sind solide, aber Anleger vermissen konkrete Details zu Zukunftsprojekten. Musk verspricht revolutionäre Technologien, bleibt aber vage bei Zeitplänen und Markteinführung. Die Börse bewertet Tesla längst nicht mehr als Autohersteller, sondern als Tech-Unternehmen – und dort zählen Produktankündigungen, nicht nur Umsatz.

Welche Rolle spielt Musks politisches Engagement für Tesla?

Musks rechte politische Ansichten und seine Nähe zu Donald Trump schreckten 2025 nachweislich Käufer ab. In Europa und Nordamerika sanken die Verkäufe deutlich. Zwar erholt sich die Nachfrage wieder, doch das Image-Problem bleibt. Wer Tesla kauft, kauft auch Musks politische Marke – das spaltet die Kundschaft.

Was kostet die Mobilitätswende Tesla wirklich?

Tesla investiert massiv in autonomes Fahren, Roboter und neue Produktionslinien. Der Cashflow von 1,4 Milliarden Dollar klingt gut, doch die Entwicklungskosten für Full Self-Driving und Cybercab sind enorm. Gleichzeitig muss Tesla im klassischen E-Auto-Geschäft gegen günstigere Konkurrenz bestehen. Die Mobilitätswende wird teuer – und ob sie sich auszahlt, entscheidet sich in den nächsten zwei Jahren.

Quellen: n-tv, Spiegel, Handelsblatt

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