Business & Beyond Uber schnappt sich Delivery Hero für 12,7 Milliarden

Uber schnappt sich Delivery Hero für 12,7 Milliarden

Uber übernimmt Delivery Hero für 12,7 Milliarden Euro. Der Deal macht den US-Konzern zum globalen Lieferriesen, doch Kartellwächter könnten den Plan noch durchkreuzen.

Der US-Konzern Uber kauft den Berliner Lieferdienst Delivery Hero für 12,7 Milliarden Euro. Das Angebot liegt bei 41,50 Euro je Aktie, mehr als eine Verdopplung des Kurses von Mitte April.

„Das talentierte Team von Delivery Hero hat ein beeindruckendes Unternehmen aufgebaut – mit beliebten lokalen Marken und führenden Positionen in einigen der weltweit am schnellsten wachsenden Liefermärkte“, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi (57)

Großaktionär Prosus verkauft seine 17-Prozent-Beteiligung, Uber hatte sich bereits im Frühjahr 37 Prozent der Anteile gesichert. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus einer Aktie. Was nach einem klassischen Konsolidierungsdeal aussieht, könnte die globale Lieferlandschaft neu ordnen oder an kartellrechtlichen Hürden scheitern.

Marktmacht durch Asien und Nahost

Delivery Hero operiert nicht mehr in Deutschland, seit das Geschäft 2018 an Just Eat Takeaway ging. Die Stärke liegt woanders: Asien, Südeuropa, Arabische Halbinsel, Afrika. Märkte, in denen Uber bisher schwach aufgestellt ist.

Delivery-Hero-Mitgründer und CEO Niklas Östberg: „Ubers globale Mobilitäts- und Lieferplattform und unser gemeinsames Bekenntnis zu Innovation machen dies zur richtigen Partnerschaft, um auf den Stärken von Delivery Hero in der lokalen Essenslieferung und im Quick Commerce aufzubauen.“

Mit der Übernahme würde Uber seine globale Reichweite massiv ausbauen und Uber Eats zur dominierenden Plattform machen. Parallel will der Konzern Überschneidungen abbauen – die türkische Tochter Yemeksepeti und weitere Ländermärkte sollen an Investoren gehen. In Polen, Portugal, Spanien und Schweden konkurrieren beide Dienste direkt. Genau hier könnten Kartellbehörden einschreiten.

Berlin bleibt Hauptsitz – vorerst

Uber verspricht, den Berliner Hauptsitz und die regionalen Hubs für drei Jahre zu erhalten. Die Belegschaft soll geschützt werden, zwei Milliarden Euro will der Konzern bis 2031 in Deutschland investieren. Klingt nach Standortsicherung, ist aber zeitlich begrenzt. Was nach 2029 passiert, bleibt offen.

Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg betont die gemeinsame Innovationskraft und die Everyday-App-Strategie. Uber-CEO Dara Khosrowshahi lobt die lokalen Marken und Marktpositionen. Beide sehen den Deal als logische Partnerschaft, die Aktionäre auch: Die Delivery-Hero-Aktie stieg vorbörslich um drei Prozent auf 39,35 Euro.

Kartellrecht als Stolperstein

Die Übernahme muss noch durch die Wettbewerbshüter. In mehreren europäischen Märkten würde Uber durch den Zusammenschluss marktbeherrschend. Die EU-Kommission könnte Auflagen verhängen oder Teile des Geschäfts zum Verkauf zwingen.

Uber hat bereits angekündigt, Überschneidungen zu reduzieren, ob das reicht, entscheiden Brüssel und nationale Behörden. Der Deal zeigt: Die Konsolidierung im Liefermarkt beschleunigt sich. Kleinere Anbieter geraten unter Druck, Plattformen kämpfen um globale Dominanz. Für Verbraucher könnte das weniger Auswahl und höhere Preisen bedeuten.

Business Punk Check

Uber kauft sich mit Delivery Hero Zugang zu Wachstumsmärkten, die dem Konzern bisher verschlossen waren. Kluger Schachzug – aber nur, wenn die Kartellbehörden mitspielen. Die Versprechen zur Standortsicherung laufen nach drei Jahren aus, die Zwei-Milliarden-Investition verteilt sich über fünf Jahre. Das sind Beruhigungspillen, keine Garantien. Interessanter ist die strategische Frage: Kann Uber die lokalen Marken von Delivery Hero halten, oder wird daraus eine globale Einheitsplattform?

Die Stärke von Delivery Hero lag in der regionalen Verankerung. Uber Eats ist eine US-Marke mit globaler Expansion. Wer hier die kulturelle Integration vermasselt, verbrennt Milliarden. Für Gründer und Investoren bleibt die Lektion: Wer früh in Schwellenländer geht und dort Marktführer wird, macht sich zum Übernahmeziel. Delivery Hero hat Deutschland aufgegeben und in Asien gewonnen – jetzt zahlt Uber dafür. Die Frage ist nur: Wird aus dem Deal ein globaler Champion oder ein kartellrechtlicher Albtraum?

Quellen: Bild, Spiegel, T Online

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