Business & Beyond Volkswagen: 25.000 Jobs weg, Gehaltsfreeze ab 2026

Volkswagen: 25.000 Jobs weg, Gehaltsfreeze ab 2026

Ein Jahr nach dem Tarifkompromiss bei VW ist der Abgang von 25.000 Mitarbeitern besiegelt. 2026 folgt der nächste Schlag: Nullrunde beim Gehalt, gestrichene Boni und ein radikaler Umbau der deutschen Produktion.

Der Volkswagen-Konzern befindet sich mitten im größten Transformationsprozess seiner jüngeren Geschichte. Die vor einem Jahr nach zähen Verhandlungen erzielte Tarifeinigung zwischen Management und IG Metall zeigt inzwischen deutliche Wirkung: Von den geplanten 35.000 Stellenstreichungen bis 2030 sind bereits 25.000 „vertraglich fixiert“, wie ein Volkswagen-Sprecher auf Anfrage des „ndr“ bestätigte. Rund 11.000 Stammbeschäftigte werden den Konzern bis Ende 2025 tatsächlich verlassen haben.

Schmerzhafte Einschnitte für die Verbleibenden

Für die verbleibenden der insgesamt mehr als 130.000 Mitarbeiter in Deutschland steht 2026 ein finanziell ernüchterndes Jahr bevor. Unternehmensintern ist laut „Handelsblatt“ von einem „Gehaltsfreeze“ die Rede. Der Tarifkompromiss bedeutet konkret: keine Gehaltserhöhungen, keine Höhergruppierungen und der komplette Wegfall der Gewinnbeteiligung.

Auch das erhöhte Urlaubsentgelt von knapp 2300 Euro entfällt, wie „n-tv“ berichtet. Die Einschnitte treffen alle Hierarchieebenen. Die rund 4000 Manager müssen auf einen erheblichen Teil ihrer Boni verzichten, was Gehaltseinbußen von acht bis zehn Prozent bedeutet. Der Vorstand soll sich laut Konzernangaben „überproportional“ beteiligen – mit Gehaltskürzungen von elf Prozent, wie bereits im laufenden Jahr.

Produktionskapazitäten werden massiv reduziert

Parallel zum Personalabbau verringert VW seine Produktionskapazitäten in Deutschland erheblich. Die Fahrzeugfertigung in Dresden endet zum Jahreswechsel, in Osnabrück läuft die Cabrio-Produktion im Herbst 2027 aus. Auch das Stammwerk Wolfsburg wird nach der Verlagerung des Golf nach Mexiko deutlich schrumpfen.

Für das Werk Osnabrück bleibt die Zukunft ungewiss. „Wir wollen, dass endlich Klarheit geschaffen wird“, fordert Thorsten Gröger von der IG Metall laut „ndr“. Der Automobilexperte Frank Schwope geht davon aus, dass ein anderes Unternehmen den Standort übernehmen könnte – idealerweise mit Perspektiven für die Belegschaft.

Transformation oder Krise?

Über die tatsächliche Lage des Konzerns gehen die Einschätzungen auseinander. „Man kann nicht wirklich sagen, dass VW in einer Krise ist“, meint Automobilexperte Schwope laut „ndr“. Der Konzern verdiene operativ noch Milliarden und zähle zu den fünf größten Elektroautoherstellern weltweit. Die Gewerkschaft sieht die Situation kritischer. „Von Zufriedenheit kann man nicht sprechen“, erklärt Thorsten Gröger.

Die wirtschaftliche Lage sei noch schwieriger als vor einem Jahr. Immerhin: „Durch die teilweise Umsetzung ist ein Stück weit der Druck im Konzern rausgenommen worden, weitere Stellen abzubauen“, so Schwope laut „ndr“. Die Sparmaßnahmen zeigen erste Erfolge. „Seit Jahresbeginn sind die Fabrikkosten in Wolfsburg, Zwickau und Emden, den drei Werken der Marke Volkswagen, bereits um fast 30 Prozent gesunken“, teilte ein VW-Sprecher mit. Das erklärte Ziel bleibt, bis 2029 wieder international wettbewerbsfähig zu sein – mit einer Rendite von 6,5 Prozent in der Kernmarke.

Business Punk Check

Was bei VW passiert, ist kein isolierter Fall, sondern ein Vorgeschmack auf die Transformation der gesamten deutschen Automobilindustrie. Der Konzern versucht einen Spagat zwischen notwendiger Kostenreduktion und dem Erhalt der Innovationskraft – mit gemischten Ergebnissen. Die Realität: Der Abbau von 35.000 Stellen wird nicht ausreichen, wenn die Elektrooffensive nicht zündet. Die Konkurrenz aus China und den USA schläft nicht.

Entscheidend wird sein, ob VW die eingesparten Milliarden tatsächlich in zukunftsfähige Technologien investiert oder nur die Rendite kurzfristig aufpoliert. Für den Mittelstand in den betroffenen Regionen bedeutet der Umbau massive Herausforderungen – von Zulieferern bis zur lokalen Wirtschaft. Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor: Wenn 2030 die Jobgarantie ausläuft und die Transformation zur E-Mobilität voll durchschlägt.

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Regionen in Deutschland sind vom VW-Umbau am stärksten betroffen?
    Niedersachsen trägt die Hauptlast der Transformation mit den Standorten Wolfsburg, Emden und Osnabrück. Besonders der Standort Osnabrück steht vor einer ungewissen Zukunft, während Wolfsburg nach der Golf-Verlagerung nach Mexiko deutlich schrumpfen wird.
  • Wie wirkt sich der VW-Umbau auf den regionalen Mittelstand aus?
    Zulieferer und Dienstleister in den betroffenen Regionen müssen mit erheblichen Umsatzrückgängen rechnen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen sollten ihre Abhängigkeit von VW reduzieren und Diversifizierungsstrategien entwickeln.
  • Welche Branchen könnten von der Transformation bei VW profitieren?
    IT-Dienstleister, Batteriehersteller und Spezialisten für Ladeinfrastruktur haben gute Wachstumschancen. Auch Unternehmen im Bereich der Produktionsautomatisierung und Robotik können vom Umbau profitieren.
  • Wie können Regionen den Strukturwandel durch den VW-Umbau aktiv gestalten?
    Wirtschaftsförderung sollte gezielt auf neue Technologiefelder und Start-ups setzen, die Fachkräfte aus dem Automobilsektor absorbieren können. Gleichzeitig sind Umschulungsprogramme und regionale Innovationscluster entscheidend für eine erfolgreiche Transformation.
  • Was bedeutet der VW-Umbau für die Zukunft des Automobilstandorts Deutschland?
    Der Umbau bei VW ist ein Indikator für den grundlegenden Wandel der deutschen Automobilindustrie. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die Produktivitätsvorteile asiatischer Hersteller aufzuholen und gleichzeitig bei Software und Batterietechnologie aufzuschließen.

Quellen: „ndr“, „waz-online“, „n-tv“, „Handelsblatt“

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