Business & Beyond Volle Ladung Kompetenz

Volle Ladung Kompetenz

Autonome Provinz schön und gut – die Klimakrise kümmert das wenig. Aber auch Südtirol hat seine Rezepte dagegen.

Wenn jemand weiß, wie man seine Umwelt schützen muss, dann sind es die Einwohner der Region Südtirol. Denn: Über 50 Prozent der Fläche sind mit Wald bedeckt, der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten. Es gibt nur ein Problem: „Dem Wald in Südtirol geht es nicht gut. Hitze, Dürre und Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen ihm zu“, warnt Arianna Giudiceandrea, die Verkaufschefin des Holzverarbeiters Microtec. Deswegen unternehmen Giudiceandrea – und alle anderen 530.000 Menschen hier – alles, damit der Wald seine Funktion als Schutzschild behält: gegen Erdrutsche und Überschwemmungen im Sommer, vor Schneebrettern und Lawinen im Winter.

Die Liste der Unternehmen, die sich gegen den Klimawandel stemmen, damit der CO₂-Fußabdruck so gering wie möglich ausfällt, ist lang. Sie reicht von Alpitronic (im Bild), dem Bozner Schnellladesäulen-Hersteller, bis zu Hydrocell, einem Anbieter für Wasserstofflösungen. Ebenso mit dabei: Eurac Research, ein weltweites Forschungsnetzwerk, das sich über 60 Länder auf fünf Kontinenten erstreckt.

Was sie machen? „Wir entwickeln konkrete Lösungen für regionale Probleme, die dann auch global Anwendung finden“, erklärt Stephan Ortner, der CEO des Unternehmens.

Aber auch das Land selbst lässt keinen Stein auf dem anderen und will sich noch umweltfreundlicher und ökologischer aufstellen. Bis 2040 will die Politik die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreichen und den „Klimaplan 2040“ umsetzen.

Business Punk-Interview: „Wir erhöhen die Ausbeute!“

Arianna Giudiceandrea, Verkaufschefin des auf die Holzbranche spezialisierten Scannerherstellers Microtec, ist ihrer Zeit voraus.

Mit innovativen Hightech-Lösungen wächst das Unternehmen zweistellig. Und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

Frau Giudiceandrea, wie geht es eigentlich dem Wald?
Das ist eine schöne Frage – und eine, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Der Zustand des Waldes hängt stark davon ab, wo man hinschaut. Dem Wald in Südtirol geht es nicht gut. Hitze, Dürre und Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen ihm zu. In vielen Regionen Europas zeigen Wälder deutliche Stresssymptome.

Ihr Unternehmen ist laut eigenen Angaben das einzige, welches Scan- und Optimierungslösungen für die gesamte Holzindustrie anbietet. Was scannen Sie da eigentlich den ganzen Tag, was lösen Sie?

Wir scannen Holz. Vom Stamm bis zum fertigen Brett. Unsere Sensoren und KI-Systeme analysieren zum Beispiel, wo Äste sitzen, wie feucht das Holz ist oder ob es Risse gibt. Daraus errechnen wir die beste Nutzung beziehungsweise Weiterverarbeitung: wie man optimal sägt, sortiert oder trocknet, um möglichst viel hochwertiges Holz zu gewinnen. Holz hat ja auch die positive Eigenschaft, dass es das während der Wachstumsphase im Wald absorbierte CO₂ über die gesamte Lebensdauer speichert. Kurz gesagt: Wir helfen der Industrie, aus jedem Baum das Beste herauszuholen – und auch dem Planeten, indem wir den Sägewerken ermöglichen, den Rohstoff so effizient wie möglich zu nutzen.

Wie hoch war der durchschnittliche Zuwachs in den vergangenen Jahren?
Seit Jahren verzeichnen wir ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich. Das unterstreicht unsere Rolle als Innovationsführer in diesem Bereich.

Klingt gut. Geht es auch so weiter?
Wir rechnen weiterhin mit einem Wachstum im soliden zweistelligen Prozentbereich.

Beim Thema Spitzentechnologie führen Sie unter anderem KI an. Inwieweit hilft Ihnen die künstliche Intelligenz heute schon weiter?
Künstliche Intelligenz ist für uns kein Zukunftsthema mehr – sie ist längst Teil unseres Alltags. Unsere KI-Algorithmen erkennen Holzmerkmale wie Äste, Risse oder Harzgallen in Echtzeit und treffen automatisierte Entscheidungen zur optimalen Sortierung oder Schnittführung. Das erhöht die Ausbeute und senkt den Ausschuss.

„Mein neues Ziel ist die Prozessoptimierung. Ich möchte besser werden im Besserwerden“, ist ein neuer Manager-Spruch. Wie machen Sie Microtec besser?

Wir machen Microtec besser, indem wir uns selbst so analysieren wie das Holz: datenbasiert, präzise und mit dem Blick fürs Ganze. Prozesse verschlanken, Schnittstellen verbessern, international enger zusammenarbeiten – das ist unser Weg, um im „Besserwerden“ wirklich besser zu werden.

„UNSERE KI-ALGORITHMEN ERKENNEN HOLZMERKMALE IN ECHTZEIT UND TREFFEN ENTSCHEIDUNGEN ZUR OPTIMALEN SORTIERUNG ODER SCHNITTFÜHRUNG.“ (Arianna Giudiceandrea)

Arianna Giudiceandrea, Verkaufschefin von Microtec

Weitere Infos unter: www.suedtirol.biz

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