Business & Beyond VW-Chef Blume rudert bei Werkschließungen zurück: VW bleibt im Krisenmodus

VW-Chef Blume rudert bei Werkschließungen zurück: VW bleibt im Krisenmodus

Oliver Blume verspricht intelligentere Lösungen statt Werkschließungen. Doch während der VW-Chef Optimismus verbreitet, zeigen die China-Zahlen eine brutale Realität: minus 37 Prozent.

VW-Chef Oliver Blume verkündet eine Kehrtwende. Statt Werkschließungen suche der Konzern nach intelligenteren Lösungen, so der Manager gegenüber Bild. Die Fabrikkosten in Deutschland seien bereits um 20 Prozent gesunken, die neue Elektro-Einstiegsfamilie um den ID. Polo habe in vier Wochen über 50.000 Bestellungen generiert. Klingt nach Erfolgsgeschichte – wäre da nicht die Kommunikationskrise mit dem Betriebsrat und die desaströsen Verkaufszahlen aus China.

„Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen.“ Das Sparprogramm an den Standorten wirke bereits, wird Blume zitiert: „Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt.“ 

Medienstrategie statt Mitarbeiterdialog

Der Betriebsrat reagiert scharf auf Blumes Medienstrategie. Statt sich nach Ablauf eines Ultimatums direkt an die Belegschaft zu wenden, platziert der Konzernchef seine Botschaften in der Sonntagspresse.

„Wir haben es zur Kenntnis genommen, dass Dr. Blume sich auch nach Verstreichen unseres Ultimatums immer noch nicht der Belegschaft gegenüber erklärt hat“, teilte ein Sprecher laut NDR mit. „Stattdessen hat er nun der ‚Bild am Sonntag‘ Zitate übermittelt, die keinerlei Klarheit bringen und so alles nur noch schlimmer machen.“

Die Arbeitnehmervertreter sprechen von einer „schwer erträglichen Situation“ für Zehntausende Beschäftigte und ganze Regionen. Die entscheidenden Details zu Fabrikschließungen und einem massiv ausgeweiteten Stellenabbauziel würden vom Management zurückgehalten. Nach der Sommerpause, die am 7. August endet, soll Blume auf Betriebsversammlungen Rede und Antwort stehen.

China-Desaster überschattet E-Auto-Erfolge

Während Blume die europäische Marktführerschaft bei Elektrofahrzeugen betont, zeichnen Branchenexperten ein anderes Bild. Analyst Frank Schwope spricht von „sehr extremen“ Verlusten: Im zweiten Quartal brachen die weltweiten Verkäufe um 9 Prozent ein.

In China, dem wichtigsten Markt, stürzten die Zahlen um 37 Prozent ab. Die geopolitischen Spannungen, Handelsbarrieren und die intensive Konkurrenz lokaler Hersteller setzen dem Wolfsburger Konzern massiv zu.

Aufsichtsrat blockiert Sparpaket

Blumes Äußerungen folgen auf eine gescheiterte Aufsichtsratssitzung. Dort scheiterte der VW-Chef mit einem weitergehenden Sparpaket am Widerstand der Arbeitnehmervertreter und des Landes Niedersachsen. Vier Werke gelten als gefährdet: Zwickau, Emden, das Audi-Werk Neckarsulm und das Nutzfahrzeug-Werk Hannover. Dort arbeiten 40.000 Menschen.

Der Konzern prüft Alternativen wie die Ansiedlung von Rüstungsfirmen oder die Produktion von in China entwickelten Modellen. Bis 2030 sollen von weltweit 21.000 Management-Posten 5.000 gestrichen werden. Medienberichte sprechen von bis zu 120.000 gefährdeten Arbeitsplätzen weltweit.

Business Punk Check

Blumes Optimismus-Offensive verschleiert das Kernproblem: VW verdient mit seinen Autos zu wenig Geld. Die 20 Prozent Kostensenkung klingen beeindruckend, reichen aber offensichtlich nicht aus, um den Konzern zukunftsfähig zu machen. Der E-Auto-Boom in Europa kaschiert das China-Desaster nur oberflächlich. Dort verliert VW gegen lokale Hersteller wie BYD den Anschluss und zwar dramatisch. Die Kommunikationsstrategie des Konzernchefs ist ein Eigentor. Wer Zehntausende Mitarbeiter in Unsicherheit lässt und stattdessen der Boulevardpresse Exklusiv-Interviews gibt, verspielt Vertrauen.

Der Betriebsrat hat Blume ein Ultimatum gestellt – und der Manager hat es ignoriert. Diese Arroganz wird sich rächen, spätestens bei den Betriebsversammlungen im August. Die unbequeme Wahrheit: Ohne radikale Strukturreformen wird VW im globalen Wettbewerb zurückfallen. Intelligentere Lösungen als Werkschließungen? Gerne, aber bisher hat Blume keine präsentiert. Nur vage Versprechen und PR-Phrasen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob hinter der Optimismus-Fassade ein tragfähiger Plan steckt oder nur Zeitgewinn vor schmerzhaften Einschnitten.

Quellen: Ndr, Tagesschau, Bild

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