Business & Beyond Zu heiß für Konzerne: ICE wird zum Image-GAU

Zu heiß für Konzerne: ICE wird zum Image-GAU

ICE steht längst nicht mehr nur in den USA unter Druck. Immer mehr internationale Unternehmen ziehen die Reißleine und trennen sich von Aufträgen mit der Behörde. Auslöser sind harte Abschiebungen, öffentliche Proteste – und tödliche Vorfälle, die Empörung schüren. Was als Regierungsauftrag begann, wird für Konzerne zum Reputationsrisiko.

Wenn der Auftrag zum Problem wird

Der französische IT-Riese Capgemini verkauft eine US-Tochter, die mit der Immigration and Customs Enforcement zusammenarbeitet. Auslöser war ein 4,8-Millionen-Dollar-Vertrag des Department of Homeland Security für sogenanntes „Skip Tracing“ – also das systematische Aufspüren schwer auffindbarer Personen mithilfe von Online-Daten, Wählerregistern und mehr. Capgemini-Chef Aiman Ezzat räumte ein, Art und Umfang der Arbeit passten nicht zu dem, was man als Technologie- und Beratungsfirma üblicherweise tue. Juristische Auflagen bei Regierungsaufträgen hätten zudem verhindert, die US-Einheit so zu kontrollieren, dass sie mit den eigenen Unternehmenszielen im Einklang bleibt.

Watchdogs, Minister und ein altes Web-Zitat

Ins Rollen kam die Sache, nachdem das Pariser Multinationals Observatory Vertragsdetails publik machte. Frankreichs Wirtschaftsminister Roland Lescure stellte daraufhin Fragen. Auf einer archivierten Capgemini-Seite war sogar davon die Rede, ICE zu helfen, „Zeit und Kosten zu minimieren, um alle abschiebbaren Personen aus den USA zu entfernen“. Spätestens da war klar: Das ist kein technisches Randprojekt, das ist politischer Sprengstoff.

Kanada mischt sich ein

In Kanada gerät Milliardär Jim Pattison unter Druck. Jim Pattison Developments stoppte den geplanten Verkauf eines Lagers in Virginia an das DHS, das „ICE-Operationen unterstützen“ sollte. Die Chefin der Grünen in British Columbia, Emily Lowan, rief sogar zum Boykott der Pattison-Firmen auf, solange die Verbindungen zu ICE bestehen. Deutlicher kann öffentlicher Druck kaum werden.

Protest vor der Bürotür

Auch Hootsuite bekam den Zorn der Straße zu spüren. Hootsuite ist eine Social-Media-Management-Plattform, mit der Unternehmen, Behörden und Organisationen ihre Accounts auf Netzwerken wie X, Facebook, Instagram oder LinkedIn zentral steuern, Beiträge planen, auswerten und Kampagnen überwachen. Demonstrierende versammelten sich vor dem Vancouver-Hauptquartier wegen der Zusammenarbeit mit ICEs Öffentlichkeitsarbeit. CEO Irina Novoselsky betonte, man betreibe weder Tracking noch Überwachung von Personen mit den eigenen Tools – räumte aber ein, wie „komplex“ das Thema sei. Gleichzeitig sprach sie offen aus, was viele denken: Die jüngsten Durchsetzungsaktionen seien verheerend, die Angst in den Communities real.

Selbst in den USA wird Abstand gesucht

In Oklahoma City zogen sich Immobilienbesitzer aus Gesprächen mit dem DHS zurück; Bürgermeister David Holt lobte die Entscheidung öffentlich. Händler wie Target und Best Buy forderten zuletzt eine „Deeskalation der Spannungen“. Und während in mehreren US-Städten Anti-ICE-Märsche stattfanden, kochte die Empörung nach tödlichen Schüssen von ICE-Agenten auf zwei US-Bürger in Minneapolis hoch.

Der Ruf kostet jetzt mehr als der Vertrag bringt

Was hier sichtbar wird: Nicht Moralpredigten, sondern Reputationsrisiken bewegen Konzerne. Ein Auftrag, der nur 0,4 % des globalen Umsatzes ausmacht, kann 100 % der Schlagzeilen dominieren. ICE steht für viele nicht mehr nur für Grenzschutz, sondern für Härte, Angst und politische Eskalation. Und Firmen merken: Wer da mitmacht, steht schneller im Scheinwerferlicht, als ihm lieb ist.

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