Deluxe & Destinations Auf (mehr als) einen Aperol Spritz mit Galerie Arschgeweih

Auf (mehr als) einen Aperol Spritz mit Galerie Arschgeweih

Ein großes deutsches Handelsunternehmen allerdings wollte jedenfalls lieber nicht mit Galerie Arschgeweih in Verbindung gebracht werden. Damals hieß die Seite noch Galeria Arschgeweih. Der Warenhauskonzern störte sich an einer Ähnlichkeit zu seinem Unternehmensnamen, wandte sich per Anwalt an die Betreiber. Der Streitwert wurde auf eine viertel Million Euro beziffert, erinnert sich Bogner.

Sie entschieden sich schließlich dafür, das A im Namen durch ein E zu ersetzen. Die Anwaltskosten der Gegenseite mussten sie trotzdem tragen. Aber da halfen die Fans mit Spenden. Ob die Episode dem Ruf der Kaufhauskette genutzt hat, ist zweifelhaft. Oder wie Bogner es damals auf Twitter zusammenfasste: „zweitgrößter warenhaus konzern europas vs meme account peinlo“.

Andere reißen sich darum, so zu sein wie die Galerie. Es gab auch unverhohlene Plagiate. Etwa eine Person, die Arschgeweih-Memes auf Tiktok hochlud. Wiegärtner schrieb eine Nachricht. Der Plagiator zeigte sich sofort reumütig, entschuldigte sich mit dem Verweis darauf, noch minderjährig zu sein.

Wie es weitergeht? Vielleicht mit nicht virtuellen Galerieprojekten wie einer Ausstellung. Auch die Expansion auf andere Plattformen ist denkbar. Und vielleicht liest ja jemand bei Aperol diesen Text und kommt auf Ideen.

Was Memefiguren transportieren, ist so universell, dass es sich auf alle möglichen Situationen anwenden lässt. Den Markenkern von Galerie Arschgeweih haben mittlerweile andere Seiten aufgegriffen, produzieren auch Memes, die sich aus der deutschsprachigen 2000er-Popkultur nähren. Bogner, Lichtenegger und Wiegärtner verlieren kein böses Wort über sie. „Wir sehen sie als Söhne“, sagt Wiegärtner. Neid ist ja bekanntlich die ehrlichste Anerkennung.

„Es geht uns nicht darum, dass wir uns über deutsche Popkultur lustig machen. Wir wollen die Wahrnehmung zurechtrücken“, sagt Bogner. Sie spielt darauf an, dass junge Frauen wie die No Angels, Kader Loth, Nadja Abd el Farrag und so viele andere in den frühen 2000ern und bis heute öffentlich verhöhnt werden. „Sie mussten sich von Harald Schmidt beleidigen lassen“, sagt Lichtenegger. Er trägt auf seinem rechten Arm ein Tattoo in Form einer Flamme. Es ist das Logo der No Angels. Wiegärtner ergänzt: „Wir sehen uns als Racheengel.“

Vielleicht ist es so: Doppelt gespiegelte Ironie ist wieder Ernsthaftigkeit, aber sichtbar gebrochen. „Hegel bemerkt irgendwo, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce“, hat Karl Marx einmal geschrieben. Was aber, wenn die zweite Runde statt einer Farce eine liebevolle Hommage mit Retrocharme ist, wie bei Galerie Arschgeweih?

Der neue Blick auf die Prominenten von damals hat auch damit zu tun, dass das Internet die Machtverhältnisse von Medien und Konsumierenden verändert. Wenn alle selbst zum Medium werden können, sind Images von Künstlern und Künstlerinnen viel flüchtiger, formbarer.

Lange waren es Menschen in Redaktionen und Agenturen, die entschieden, was echte Kultur war und was nicht. Wenn über Kader Loth berichtet wurde oder über die No Angels, dann oft herablassend, gar verächtlich. Oder über den Umweg einer arroganten Ironie, unter Labels wie Trash.

Aber Bogner sagt: „Es gibt kein Guilty-Pleasure.“ Agentur Arschgeweih lassen die versnobte Trennung von cool-cool und trashy-cool hinter sich. Sie wollen nicht Teil eines elitären Diskriminierungsapparats sein. „Für mich ist man nicht cool, wenn man artsy ist, sondern wenn man sich zu dem bekennt, was man wirklich mag.“

Oder wie die No Angels singen: „You try to figure out: Is it real? Is it show? / I don’t wanna hear this nasty stuff / Cause you don’t know the things I know“.

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