let's techle it · Berliner Start Up

Die beste Idee

Die beste Idee
Erschienen
Lesezeit3 Min · 511 Wörter

Wir alle sind Verschwender. Vor allem, wenn’s ums Essen geht. Das lässt sich viel besser machen. Dieses Berliner Einhorn zeigt, wie.

„Es ist“, sagt Daniel Khachab, „beim Gründen nicht das Problem, sich für eine Idee zu entscheiden, sondern sich gegen alle anderen zu entscheiden.“ 

Finde, als ich mit ihm spreche: Der Satz ist Punk. Denn er ist das Gegenteil von dem, was alle denken. Ich feiere Daniel für diesen Satz. Wofür hat er sich entschieden?

Daniel kommt von Rocket, hat Choco gegründet und ist sein Anführer. Das Start-up entwickelt Technologien zur Vernetzung des globalen Lebensmittelsystems, um eines der größten Probleme der Welt zu lösen – die Lebensmittelverschwendung. Über die berufliche Vergangenheit heißt es von ihm: Er wollte keine unwichtigen ­Probleme lösen. Sondern eines, das auf den Nägeln brennt. Ebendies: Die Menschen produzieren doppelt so viele Nahrungsmittel, wie sie überhaupt brauchen. 

Das Essen landet im Müll, verschwindet im Lieferprozess, verdirbt. Ließe sich zielgenauer produzieren, würde das Transport und Anbaufläche sparen, aber auch Geld und Emissionen. Die Lebensmittelverschwendung zu minimieren, bringe dem Klima mehr, als den Verkehr zu elektrifizieren, sagt Daniel.

Brüllerei in der Küche

Also hat er das gemacht. Hat eine KI-schlaue Messenger-App für Wirte und Händler programmiert. Damit können sie ihre Lebensmittelbestellungen planen, abgeben und verfolgen, Rechnungen gehen direkt dort ein. Das macht das Leben von Köchen, Restaurantbesitzern und ihren Lieferanten deutlich leichter. Keiner muss seine Bestellungen nach Restaurantschluss beim Gemüsehändler, bei der Fischfrau und beim Schlachter abgeben.

Die App macht es zielgenau, indem sie alles zusammenführt, was in der Küche passiert. „Am Anfang“, sagt Daniel, „sind wir mit unserer App hinten in die Küchen rein, haben uns 20 Sekunden vom Chefkoch anbrüllen lassen, bis der begriff, dass es funktionieren könnte.“

Und ganz viele andere haben es auch begriffen. 2018 gegründet, wurde das Berliner Start-up Choco drei Jahre später ein Unicorn. Die Gründer machen 1,6 Milliarden Euro Außenumsatz, sind in den Vereinigten Staaten, Deutschland, Spanien, Österreich und Paris aktiv. Was?! Ja, jedes zweite Restaurant dort nutzt die App. Oh, là, là. Demnächst will Daniel auch die Erzeuger direkt erreichen, die Bauern, die Züchter, die Fischer. Läuft also grandios.

Dann noch eine Prise Metaebene. „In Deutschland ist alles möglich“, sagt Daniel. Alles andere seien Ausreden. „Es gibt genug Kapital. Es gibt genug Talente. Jedenfalls für die Guten.“ Und die Ideen, die er umsetzt oder die er weglässt, sortiert Daniel so: Erstens – KI müsse dabei sein. „Wer keine KI nutzt, hat keine Chance. Ich bin total dafür, wir haben zu viele Leute die repetitive Jobs machen.“ Und zweitens erzählt Daniel die Geschichte von der Generationenabfolge: Die erste Generation habe Bäume gepflanzt, um ihren CO₂-Fußabdruck zu verbessern. Die zweite habe ihre Prozesse optimiert, um möglichst wenig zu verbrauchen. Die dritte Generation von Unternehmen verdiene umso mehr Geld, je weniger CO₂ produziert werde. Das sei dann wirklich die beste Idee.

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.