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Diese zwei Brüder wollen mit ihrer Software Seatable Excel in Rente schicken

Diese zwei Brüder wollen mit ihrer Software Seatable Excel in Rente schicken
Seatable
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit6 Min · 1.291 Wörter

Es gibt unzählige Tools, die das Arbeiten erleichtern sollen. Und dennoch haben sich Ralf Dyllick-Brenzinger und Christoph Dyllick-Brenzinger vorgenommen, mit der Software Seatable interne Arbeitsabläufe für Teams zu verbessern.

Auf der Webseite heißt es: „Wir verändern die Art und Weise, wie Menschen Spreadsheets zukünftig verwenden werden.“ Wie und warum? Das hat Christoph Dyllick-Brenzinger im Interview beantwortet.

In eigenen Worten: Was ist Seatable?

Seatable ist für uns das Excel der Zukunft. Ein Tabellen- und Datenbankhybrid, der es Menschen ermöglicht, gemeinsam, effizienter und flexibler an Ideen, Aufgaben und Projekten zu arbeiten.

Seatable ist auch mehr als einfach nur ein Excel im Browser. Das gibt es schon und das nennt man Google Sheets. Nein, Spaß beiseite. Seatable ist mehr als nur Zahlen, Texte und Formeln in einem Browser. Mit Seatable kann man Prozesse effizienter machen. Seatable ist wie der Baukasten von Lego, nur eben für Software und mit dem ich mir meine ganz eigenen und individuellen Prozesse entwickeln kann. Dazu gehört auch, dass Prozesse, die vorher manuell liefen, automatisiert werden können. Deshalb werden die Menschen auch nicht in irgendwelche vordefinierten Prozesse reingezwungen, sondern bauen sich ihre ganz eigenen Prozesse.

Und was kann Seatable genau?

In Seatable lässt sich fast jede Art von Information strukturiert erfassen und sinnvoll darstellen. Dafür stellen wir mehr als 20 verschiedene Spaltentypen, Plug-ins wie etwa Galerie, Kanban, Zeitleiste, Karte oder Kalender zur Verfügung. Zudem haben Nutzer:innen die Möglichkeit, sich Ansichten anhand von Filter-, Sortierung- und Gruppierungsfunktionen so zu bauen, wie sie es gerne hätten. Auch statistische Auswertungen und Webformulare sind Kernfunktionen von Seatable. Ich würde behaupten, dass in 80 % der Fälle die Leute lieber SeaTable anstatt Excel nutzen sollten, weil Sie dann einfach Ihre Aufgaben effizienter erledigt bekommen.

Warum wollt ihr Excel in Rente schicken?

Es wird immer Situationen geben, in denen Excel genau das richtige Tool ist. Aber nicht alle sind Statistiker:innen und deshalb passt das klassische Excel nicht mehr in unsere heutige Zeit. Es limitiert einen an zu vielen Stellen. Mit Excel kann man perfekt mit Zahlen und Formeln arbeiten. Bilder, Dateien, E-Mails oder Checkboxen gibt es einfach nicht.

Zusammenarbeit im Team ist für Excel ein Fremdwort. Die Listen werden per E-Mail oder Dropbox herumgeschickt und können immer nur von einer Person bearbeitet werden.

Auch wenn man damit einen Ablauf darstellen will, wird es schwierig. Jetzt könnte man einwenden, dass man ja ein Makro schreiben kann. Aber wer kann das schon? Hinzu kommt, dass Makros allgemein als großes Sicherheitsrisiko wahrgenommen werden und deshalb häufig pauschal deaktiviert werden. All diese Einschränkungen fressen Zeit.

Wie kamt ihr auf die Idee von Seatable?

Dazu muss ich ganz kurz ausholen: Vor dem Sprung in die Selbstständigkeit im Jahr 2014 haben wir beide mehrere Jahre als Unternehmensberater gearbeitet. Seatable ist bereits die zweite gemeinsame Firma von meinem Bruder und mir. 2017 lernten wir durch einen glücklichen Zufall unsere heutigen chinesischen Mitgeschäftsführer kennen.

Im Jahr 2020 waren mein Bruder und ich in Peking, um die weitere Zusammenarbeit zu besprechen und da kamen unsere Partner mit der Idee für Seatable auf uns zu. Sie wollten die Software damals DTable nennen, wobei das „D“ für „Datenbank“ stehen sollte. Das ging jedoch nicht, weil DTable in Europa bereits als Marke eingetragen war.

Auf jeden Fall haben mein Bruder und ich sofort das Potenzial erkannt und wir haben nicht gezögert. Schon am nächsten Tag begannen die Pläne für die Seatable GmbH und seitdem entwickeln wir gemeinsam am Excel der Zukunft und verbinden das Beste aus zwei Kulturen. Unser chinesischer Partner kann unglaublich schnell und kostengünstig die Software entwickeln. Wir hingegen können unser typisch deutsches Qualitätsbewusstsein mit einbringen. Eine Win-win-Situation.

©Seatable

Wieso der Vergleich mit Excel der Zukunft?

Es kommt natürlich immer darauf an, wen man vor sich hat: Für Informatiker:innen ist Seatable keine Excel-Alternative, sondern eine Datenbank bzw. eine No-Code-Plattform. Für Geschäftsführer:innen ist Seatable eine Lösung, mit der Mitarbeiter:innen selbst neue Prozesse für sich, das Team und das Unternehmen entwickeln können.

Wir starten meistens mit dem Vergleich zu Excel, weil einfach jeder Excel kennt und die Vorteile im Bereich der Datenerfassung, Zusammenarbeit und Automation einfach auf der Hand liegen. Wenn die Leute dann anhand eines Beispiels verstanden haben, was man mit Seatable machen kann, versuchen wir Seatable in den größeren Zusammenhang zu setzen.

Kannst du mir zwei konkrete Beispiele nennen, welche Probleme des Büroalltags sich mit Seatable lösen lassen?

Ein gutes Anwendungsbeispiel für Seatable ist die redaktionelle Planung eines Marketingteams. Mit Seatable kann man die gesamte Planung zum Beispiel für einen Blog oder Social Media an einer Stelle bündeln. Wann ein Artikel veröffentlicht werden soll, welche Grafiken verwendet werden sollen, welche Suchbegriffe dadurch abgedeckt werden etc. Das sind ganz unterschiedliche Informationen, die perfekt in Seatable zusammengeführt werden können. Mit dem Kalender hat man einen super Überblick über die Veröffentlichungstermine und man kann diese Planung so freigeben, dass zum Beispiel externe Autor:innen nur ihren Input speichern, sonst aber nichts bearbeiten können.

Auch bei der Bewerbung von neuen Mitarbeiter:innen kann Seatable seine Stärken ausspielen. Die Personalabteilung erfasst in Seatable welche freien Stellen es gerade gibt. Seatable erzeugt daraus ein Webformular, über das man sich bewerben kann. Sobald eine Bewerbung eingeht, bekommen passende Mitarbeiter:innen eine E-Mail und können ein oder mehrere Gespräche planen. Die Gesprächsnotizen und die Beurteilung der Bewerber:innen landen in Seatable und bei einer Einstellung kann direkt der Onboarding-Prozess starten.

Klar, dafür gibt es fantastische Speziallösungen, aber diese sind teuer und lassen sich selten anpassen oder erweitern. Seatable ist da genau das Gegenteil: Man startet auf der grünen Wiese oder mit einer unserer Vorlagen und baut sich dann ohne eine einzige Zeile Code die perfekte Lösung zusammen.

Wie unterstützt Seatable das Arbeiten remote?

Seatable kann als Cloud-Produkt von überall aus erreicht und genutzt werden. Damit schaffen wir einen zentralen Ort, an dem Teams ganz einfach online zusammenarbeiten können. Zudem unterstützen wir die Teamarbeit mit der Kommentarfunktion in Echtzeit, die den Austausch im Team deutlich beschleunigt. Auch können verschiedene Regeln innerhalb von Seatable festgelegt werden. Man kann zum Beispiel dafür sorgen, dass Personen per E-Mail oder innerhalb von Seatable über Änderungen benachrichtigt werden.

Weiterhin können verschiedene Ansichten auf die jeweiligen Daten oder einzelnen Tabellenblätter erstellt werden, damit alle im Team immer die passende Ansicht erhält. Zu guter Letzt kann man in SeaTable auch problemlos mit Externen zusammenarbeiten. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, seine Tabelle zu teilen beziehungsweise freizugeben, sodass andere SeaTable-Nutzer, aber auch die, die eventuell SeaTable bislang noch nicht verwenden, Lese- und / oder Schreibrechte erhalten.

Es gibt viele Tools für Remote-Arbeiten, wie wollt ihr Marktführer werden? Was sind eure Strategien?

Wir wollen ehrlich gesagt gar nicht Marktführer im Bereich „Remote-Arbeiten“ werden.

Unser kurzfristiges Ziel in diesem und nächstem Jahr ist es, der Marktführer im Bereich „selbst gehostete No-Code Plattform“ zu werden. Weil hier haben wir ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal. Wir sind eine der wenigen Anwendungen, die man komplett auf der eigenen Hardware betreiben kann. Für manche Unternehmen und Organisationen ist das essenziell wichtig und andere Lösungen, die vielleicht aus den USA kommen, werden deshalb gar nicht erst in Betracht gezogen.

Doch natürlich werden wir auch unser Cloud-Angebot verbessern. Wir wollen SeaTable auf der einen Seite so einsteigerfreundlich wie möglich machen. Dafür bieten wir viele fertige Vorlagen an, sodass man direkt loslegen kann. Auf der anderen Seiten werden wir weitere Automationen hinzufügen, durch die sich wiederkehrende Arbeiten einfach von selbst erledigen.

Portrait Nicole Plich

Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.