Drive & Dreams 74 Millionen E-Autos weltweit: China fährt allen davon

74 Millionen E-Autos weltweit: China fährt allen davon

Während China mit 44 Millionen E-Autos die globale Elektromobilität dominiert, dümpelt Europa mit 16 Millionen hinterher. BYD überholt Tesla, deutsche Hersteller kämpfen um Platzierungen.

74 Millionen Elektroautos weltweit – ein neuer Rekord, der vor allem eine Wahrheit offenbart: China hat die Elektromobilität längst zur Chefsache erklärt, während der Rest der Welt noch diskutiert. 19 Millionen neue Stromer, Plug-in-Hybride und Range-Extender kamen 2025 hinzu, so das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung. Das übertrifft den bisherigen Höchstwert aus 2023 um satte 5 Millionen Fahrzeuge.

Die Botschaft: Elektromobilität ist keine Zukunftsvision mehr, sondern globale Realität – mit klaren Gewinnern und Verlierern.

Chinas Dominanz: 60 Prozent aller E-Autos weltweit

44 Millionen Elektrofahrzeuge rollen durch China – sechs von zehn E-Autos weltweit stammen aus dem Reich der Mitte. Der Abstand zur Nummer zwei ist brutal: Die USA bringen es gerade mal auf 7 Millionen Fahrzeuge, Deutschland auf 3,2 Millionen. Dahinter rangieren Großbritannien mit 2,8 Millionen und Frankreich mit 2,5 Millionen. Was nach europäischer Schwäche aussieht, relativiert sich beim Blick auf die Gesamtzahl: Die 14 größten europäischen Märkte kommen zusammen auf über 16 Millionen E-Autos laut Zeit – mehr als doppelt so viel wie die USA. Die geopolitische Dimension wird greifbar, wenn Andreas Püttner vom ZSW die Kraftstoffpreise ins Spiel bringt.

„Die Entwicklungen der Kraftstoffpreise in den letzten Wochen zeigen eindrücklich, dass Länder mit einem hohen Anteil an Elektrofahrzeugen resilienter aufgestellt sind als Länder mit geringen Anteilen“, erklärt der Experte gegenüber Spiegel. Seine These: Wer auf Elektromobilität setzt, macht sich unabhängig von fossilen Brennstoffen und schützt seine Wirtschaft vor Preisschocks. „Besitzer von Elektroautos sind nicht von fossilen Kraftstoffen abhängig und dadurch besser gegen extreme Preissprünge geschützt, was soziale und wirtschaftliche Belastungen in Krisenzeiten begrenzen kann.“.

BYD überholt Tesla – deutsche Hersteller im Mittelfeld

Bei den Herstellern hat sich die Rangfolge verschoben: BYD führt mit 15 Millionen kumulierten Neuzulassungen, Tesla folgt mit 9 Millionen, Volkswagen mit 5,7 Millionen. Die Zahlen basieren auf addierten Neuzulassungen, nicht auf tatsächlichen Bestandszahlen – ein methodischer Schwachpunkt, der die reale Flottengröße tendenziell überschätzt.

BMW schafft es mit 3,1 Millionen Fahrzeugen auf Rang sechs, Mercedes-Benz mit gut 2 Millionen auf Platz acht laut T Online. Die deutschen Premiumhersteller bleiben in den Top Ten, aber ihre Position wirkt defensiv. Während BYD und Tesla aggressiv skalieren, kämpfen BMW und Mercedes um Marktanteile in einem Segment, das längst von chinesischen Playern dominiert wird. Die Frage ist nicht mehr, ob Europa aufholt – sondern ob es den Anschluss überhaupt noch halten kann.

Business Punk Check

Die 74 Millionen E-Autos weltweit klingen nach Erfolgsgeschichte – sind aber vor allem ein Zeugnis chinesischer Industriepolitik. Während Europa noch über Verbrenner-Verbote streitet, hat China Fakten geschaffen: 44 Millionen Elektrofahrzeuge sind das Ergebnis staatlicher Subventionen, Kaufanreize und einer Infrastruktur, die funktioniert. Die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen sinkt, die Resilienz gegenüber Ölpreisschocks steigt – ein strategischer Vorteil, den Europa verschläft. BYDs Aufstieg zum weltgrößten E-Auto-Hersteller zeigt, dass Tesla verwundbar ist.

Die deutschen Premiumhersteller spielen in der zweiten Liga mit – respektabel, aber nicht marktführend. Die unbequeme Wahrheit: Wer heute in Elektromobilität investiert, kauft chinesische Technologie oder zahlt drauf. Europas Antwort? 16 Millionen E-Autos verteilt auf 14 Länder – fragmentiert, unkoordiniert, zu langsam. Die Handelspolitik der nächsten Jahre wird entscheiden, ob europäische Hersteller Nischenplayer bleiben oder den Anschluss verlieren. Early Adopters setzen auf chinesische Brands, Abwarten-Strategen hoffen auf europäische Aufholjagd. Beides riskant.

Häufig gestellte Fragen

Warum dominiert China den globalen E-Auto-Markt so deutlich?

China hat Elektromobilität zur Staatsaufgabe erklärt: massive Subventionen, flächendeckende Ladeinfrastruktur und strikte Vorgaben für Hersteller schufen einen Heimmarkt von 44 Millionen Fahrzeugen. Europäische Hersteller kämpfen mit fragmentierten Märkten und unterschiedlichen nationalen Förderungen. Das Ergebnis: China setzt Standards, Europa reagiert.

Welche Branchen profitieren von der steigenden E-Auto-Nachfrage?

Batteriehersteller, Ladeinfrastruktur-Anbieter und Rohstofflieferanten für Lithium und Kobalt verzeichnen Rekordumsätze. Auch Energieversorger profitieren vom steigenden Strombedarf. Verlierer sind Zulieferer für Verbrennungsmotoren und traditionelle Tankstellenbetreiber, die ihre Geschäftsmodelle radikal umbauen müssen.

Wie wirkt sich die E-Mobilität auf die Energieunabhängigkeit aus?

Länder mit hohem E-Auto-Anteil reduzieren ihre Abhängigkeit von Ölimporten und werden resistenter gegen Preisschocks an Rohstoffmärkten. Andreas Püttner vom ZSW betont, dass Elektrofahrzeuge soziale und wirtschaftliche Belastungen in Krisenzeiten begrenzen können. Die strategische Dimension: Wer auf Elektromobilität setzt, gewinnt geopolitische Handlungsfähigkeit.

Was bedeutet BYDs Aufstieg für europäische Autohersteller?

BYD zeigt, dass Skaleneffekte und vertikale Integration entscheidend sind – der chinesische Hersteller produziert Batterien selbst und kontrolliert die gesamte Wertschöpfungskette. Europäische Hersteller wie VW, BMW und Mercedes müssen entweder massiv in Batterieproduktion investieren oder dauerhaft von asiatischen Zulieferern abhängig bleiben. Die Konsequenz: höhere Kosten, geringere Margen.

Welche Rolle spielt Europa im globalen E-Auto-Wettbewerb?

Mit 16 Millionen Fahrzeugen liegt Europa vor den USA, aber weit hinter China. Die Fragmentierung in nationale Märkte verhindert einheitliche Standards und Skaleneffekte. Ohne koordinierte Industriepolitik droht Europa zur verlängerten Werkbank chinesischer Hersteller zu werden – mit allen Konsequenzen für Arbeitsplätze und Wertschöpfung.

Quellen: Zeit, Spiegel, T Online

Das könnte dich auch interessieren