Easyjet-Übernahme: Apollo gewinnt den Poker & Piloten fürchten die Rechnung
Apollo schlägt Castlelake im Bieterkampf um Easyjet und zahlt 6,7 Mrd. Euro. Gewerkschaften warnen vor Zerschlagung, während Reisende auf Preisfolgen warten.
Ein Kursrutsch von zehn Prozent binnen Minuten, gefolgt von einem kräftigen Sprung nach oben: So reagierte die Börse am Donnerstag auf das Ende eines monatelangen Übernahmekampfs um Europas zweitgrößten Billigflieger. Der US-Finanzinvestor Apollo Global Management setzt sich gegen Konkurrent Castlelake durch und übernimmt Easyjet für umgerechnet rund 6,7 Mrd.
Euro, wie Handelsblatt berichtet. Für deutsche Reisende, die Easyjet vor allem ab Berlin nutzen, ist damit noch nicht geklärt, ob der Deal Ticketpreise oder Streckennetz verändert. Easyjet gilt wegen seiner wertvollen Start- und Landerechte an stark ausgelasteten Flughäfen in London, Mailand und Genf als besonders begehrt, dazu kommen eine moderne Airbus-Flotte und das wachsende Pauschalreisegeschäft, wie Google News Wirtschaft (DE) berichtet.
Der Bieterkampf kippte innerhalb weniger Tage
Castlelake buhlte laut Handelsblatt bereits seit Mai um Easyjet und hatte insgesamt fünf Angebote vorgelegt, zuletzt eine Offerte von 6,90 Pfund pro Aktie. Easyjet warf Castlelake zwischenzeitlich vor, die Airline zu billig übernehmen zu wollen. Anfang Juli einigten sich beide Seiten laut Bild grundsätzlich auf umgerechnet 8,05 Euro je Aktie. Wenige Tage später stieg Apollo mit einem Angebot von 8,35 Euro je Aktie ein, 30 Cent mehr. Easyjet wechselte daraufhin die Seiten.
Castlelake zog sein Angebot am Donnerstag zurück. Der Rückzug soll den Investor nach Angaben, die BBC zugeschrieben werden, überrascht haben: Er sieht sich durch die kurzfristige Wende trotz vorheriger Grundsatzeinigung ausgebremst. Vorstand und Gründerfamilie Haji-Ioannou, die 15,3 Prozent der Aktien halten, unterstützen nun den Apollo-Deal. Der Easyjet-Vorstand empfiehlt den Aktionären laut Bild, das Barangebot anzunehmen.
Piloten und Gewerkschaften fürchten die Zerschlagung
Noch handelt es sich um eine Grundsatzvereinbarung. Apollo muss nach britischem Übernahmerecht ein verbindliches Angebot vorlegen, zudem müssen Aktionäre und Behörden zustimmen. Genau hier setzt die Kritik an: Die britische Pilotengewerkschaft Balpa warnt vor hartem Kostendruck und einer möglichen Aufspaltung von Easyjet unter einem US-Private-Equity-Eigentümer und fordert Beschäftigungs- und Standortgarantien.
Der Verdi-Fachbereich Luftverkehr äußert ähnliche Sorgen für deutsche Easyjet-Standorte und verlangt Mitsprache bei etwaigen Einschnitten. Apollo hat Befürchtungen einer Zerschlagung zurückgewiesen, ohne bislang konkrete langfristige Pläne zu bestätigen. Als Alternativszenarien gelten der Verkauf einzelner Unternehmensteile oder eine stärkere Ausrichtung auf Pauschalreisen. Eine drohende Zerschlagung könnte Flüge ab Berlin verteuern, sollten Kapazitäten oder Strecken dort tatsächlich zur Disposition stehen.
Regulierung entscheidet über Tempo und Bedingungen
Als US-Investor darf Apollo Easyjet nicht allein kontrollieren: Britische und europäische Luftfahrtregeln verlangen mehrheitlich britische beziehungsweise europäische Kontrolle über die Airline. Apollo erklärte, diese Vorgaben erfüllen zu wollen. Zusätzlich prüfen das britische Takeover Panel sowie Wettbewerbsbehörden in Großbritannien und der EU die Auswirkungen auf Wettbewerb, Start- und Landerechte sowie Verbraucherschutz.
Die europäische Verbraucherorganisation BEUC kritisiert Private-Equity-Übernahmen im Luftverkehr grundsätzlich wegen möglicher Preissteigerungen und Kapazitätskürzungen und fordert strenge Auflagen für den Fall Easyjet. Ganz sicher ist der Verkauf trotz der Grundsatzeinigung noch nicht, da Aktionäre und Behörden zustimmen müssen. Ob Apollo das bestehende Billigmodell fortführt oder über Kostensenkungen an anderer Stelle Margen erhöht, bleibt offen und dürfte den Preisverlauf für deutsche Kunden maßgeblich bestimmen.
Business Punk Check
Fakt ist: Apollo zahlt 6,7 Mrd. Euro und hat sich gegen Castlelake durchgesetzt, Vorstand und Gründerfamilie stehen dahinter. Fakt ist auch, dass der Deal noch keine endgültige Zustimmung von Behörden und Aktionären hat.
Interpretation: Die Warnungen von Balpa und Verdi vor Zerschlagung sind legitime Sorgen Betroffener, aber keine belegte Unternehmensabsicht. Offen bleibt, ob Apollo das Billigmodell erhält oder Kosten dort schneidet, wo es Reisende zuerst merken.
Auf einen Blick
- Apollo Global Management übernimmt Easyjet für rund 6,7 Mrd. Euro und setzt sich damit gegen Castlelake durch, das sein Angebot zurückzog.
- Vorstand und Gründerfamilie Haji-Ioannou unterstützen den Deal, der noch von Aktionären und Behörden bestätigt werden muss.
- Gewerkschaften wie Balpa und Verdi warnen vor Kostendruck und möglicher Zerschlagung der Airline unter Private-Equity-Eigentum.
- Britische und europäische Regulierer prüfen Kontrollvorgaben sowie Auswirkungen auf Wettbewerb und Verbraucher.