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Epstein in der Startup-Garage: Die EV-Szene und ihr Schattenkapital

Epstein in der Startup-Garage: Die EV-Szene und ihr Schattenkapital
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Lesezeit3 Min · 540 Wörter

Neue Epstein-Dokumente legen offen, wie nah dubiose Geldgeber an den Electric Vehicle-Stars des Silicon Valley dran waren. Ein deutscher Strippenzieher, ein verurteilter Sexualstraftäter und Milliardenfantasien rund um die Mobilität der Zukunft. Es geht nicht um Innovation – sondern um schnellen Profit, Deals im Schatten und ein Netzwerk, das moralische Grenzen systematisch ignorierte. Die Akten zeigen: Die Elektro-Revolution hatte von Anfang an dunkle Investoren im Kofferraum.

Der Mann im Hintergrund: David Stern

In den frisch veröffentlichten Epstein-Unterlagen taucht ein Name immer wieder auf: David Stern. Ein weitgehend unbekannter deutscher Geschäftsmann, vernetzt in China, mit Nähe zu Prinz Andrew – und tief drin in den Frühphasen mehrerer Elektroauto-Startups. Stern fungierte als Türöffner zwischen Jeffrey Epstein und der aufstrebenden EV-Szene. Seine Mission: den notorischen Financier in Firmen wie Faraday Future, Lucid Motors oder Canoo einzukaufen. Epstein selbst investierte am Ende zwar nicht – aber die E-Mails zeigen, wie intensiv Stern ihn mit Deal-Infos, Insider-Kontakten und Investmentchancen fütterte. Aus einem „Unbekannten“ wurde so ein Schattenakteur im Hintergrund der Mobilitätsblase der 2010er.

EV-Hype als Geldmagnet für dubiose Player

Die Recherchen werfen ein grelles Licht auf die Frühphase der Elektro-Startup-Welle. Damals, lange vor Teslas Börsenhype oder Chinas EV-Dominanz, suchten Investoren weltweit nach dem „nächsten großen Ding“. Silicon Valley war Projektionsfläche: Jeder Autobauer wollte plötzlich Mobility-Startup sein, jeder Investor beim Zukunftsverkehr dabei. In diesem Klima konnten auch diskrete, schwer überprüfbare Geldquellen andocken. Gerade Canoo galt intern als Paradebeispiel: ein Startup mit auffällig geheimnisvollen Investoren, deren Identitäten erst durch spätere Rechtsstreitigkeiten ans Licht kamen. Darunter ein chinesischer Polit-Verwandter, ein taiwanischer Elektronikmagnat – und eben Stern.

Deals, Daten, Doppelmoral

Besonders brisant: Epstein und Stern agierten laut E-Mails nicht als langfristige Aufbau-Investoren, sondern als Opportunisten. Beispiel Lucid Motors: Als das Startup dringend Kapital brauchte, diskutierten beide, ob man günstig einsteigen und später mit Ford-Interesse schnell wieder verkaufen könne. Kein Produkt-Vision-Talk, kein Technologie-Idealismus – nur Exit-Timing. Die Akten zeichnen das Bild eines Finanzoperators Epstein, der trotz seiner 2008 bekannten Verurteilung weiter als Tür zu Geld und Macht akzeptiert wurde. Kontakte, Reputation, Zugang: Für viele im Valley offenbar wichtiger als Vergangenheit oder Moral.

Silicon Valley wusste – und schaute weg

Ein zentraler Punkt der neuen Einblicke: Fast alle dokumentierten Kontakte stammen aus der Zeit nach Epsteins Schuldeingeständnis wegen Sexhandels mit Minderjährigen. Sein Ruf war bereits beschädigt, seine Praktiken bekannt. Trotzdem blieb er für Teile der Tech- und Investmentwelt ein legitimer Player. Der Fall zeigt ein strukturelles Muster: Solange Kapital, Beziehungen und Status stimmen, wird Herkunft selten hinterfragt. Gerade in Boomphasen wie der EV-Goldgräberzeit verschwimmen Grenzen zwischen Vision und Gier – und problematische Akteure finden problemlos Zugang.

Die dunkle Seite der Elektro-Utopie

Heute gilt die EV-Revolution als Fortschrittserzählung: sauber, technologisch, unvermeidlich. Die Epstein-Files erinnern daran, dass auch diese Zukunft von Machtspielen, Schattenfinanzierung und moralischer Blindheit geprägt war. Nicht jeder Investor wollte die Welt retten – manche wollten nur schnell reich werden. Die neuen Dokumente ändern damit nicht nur den Blick auf einzelne Figuren. Sie verändern die Erzählung einer ganzen Branche: Die Mobilität der Zukunft wurde nicht nur von Ingenieuren und Visionären gebaut, sondern auch von Netzwerken, die lieber im Dunkeln operierten.

Günther Suchy

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist er Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Der promovierte Volkswirt kennt den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: Er leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder in die Welt hinaus: Nach China, Chile, Marokko oder Bhutan, wo er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College lehrte und das Nationale Olympische Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“ beriet. An der Universität Durban in Südafrika gibt er Seminare zum Thema "Green Startups". Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.