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Espresso-Revolution: Wie LAP Coffee für 1,50 € die Branche wachrüttelt

LAP krempelt den Kaffeemarkt um
picture alliance/dpa | Jens Kalaene LAP krempelt den Kaffeemarkt um
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Lesezeit5 Min · 963 Wörter

Während Kaffeepreise explodieren, bietet LAP Coffee Espresso für 1,50 € und Cappuccino für 2,50 €. Das Berliner Startup expandiert rasant und zeigt, dass günstiger Kaffee auch in Krisenzeiten möglich ist.

In Zeiten, in denen Kaffeepreise um mehr als 22 Prozent steigen und die Bohnen im Supermarkt wie teurer Schnaps weggeschlossen werden, schwimmt ein Unternehmen konsequent gegen den Strom. LAP Coffee verkauft Espresso für 1,50 Euro und Cappuccino für 2,50 Euro – und expandiert dabei rasant.

Nach Berlin und München hat die Kette jetzt auch Hamburg erobert, wo Kunden bis auf den Bürgersteig Schlange stehen. Das Konzept polarisiert: Während Fans den günstigen Kaffee feiern, warnen Kritiker vor einem Verdrängungswettbewerb.

Vom Nahost-Konzept zum deutschen Kaffee-Phänomen

Der Name LAP steht für „Life Among People“ – ein Konzept, das Gründer Ralph Hage aus seiner Heimat, dem mittleren Osten, mitgebracht hat. „Dort bringt Kaffee die Leute zusammen, jeder trinkt ihn dort. Er ist supergünstig und an jeder Ecke erhältlich. Das schafft Gemeinschaft. Und das wollte ich in Deutschland einführen“, erklärt er laut „ndr.de“.

Mit geschicktem Online-Marketing und Community-Events wie Lauf-Veranstaltungen und Partys hat LAP einen regelrechten Hype erzeugt. Markenforscher Arnd Zschiesche von der Fachhochschule Westküste in Heide sieht darin eine kluge Strategie: „Dafür wird dann auch einiges gemacht, digital und vor Ort, damit man sich dem Ganzen zugehörig fühlt“, so der Experte laut „ndr.de“. Die Marke bietet nicht einfach nur billigen Kaffee, sondern ein Gesamtpaket, „die das Ganze spannend macht, auch für Menschen, die Geld haben und nicht von billigem Kaffee abhängig sind“, wie Zschiesche weiter ausführt.

Effizienz statt Barista-Kunst: Das Geschäftsmodell

Wie kann LAP Coffee trotz steigender Weltmarktpreise so günstig bleiben? Die Antwort liegt in der Effizienz. Statt auf traditionelles Barista-Handwerk setzt das Unternehmen auf Vollautomaten, schlanke Prozesse und ein To-go-Konzept ohne Sitzplätze. Zudem kauft LAP große Mengen einer einzigen Bohnensorte ein, was für stabile Einkaufspreise sorgt.

„Das erlaubt uns, unsere Arbeitskosten gering zu halten, sodass wir unseren Kunden diese Preise bieten können. Das ist keine Raketenwissenschaft, jeder kann das tun“, erklärt Hage laut „ndr.de“. Auch die Investorenstruktur hilft: Hinter LAP stehen namhafte Geldgeber, die jedoch laut Gründer nur die Expansion finanzieren – die bestehenden Filialen tragen sich selbst.

Kampf der Kaffeekulturen oder Platz für alle?

Die Kritik an LAP kommt hauptsächlich von traditionellen Cafés, die mit den Kampfpreisen nicht mithalten können. Kim Krause, Betreiberin eines klassischen Cafés, muss für ihren Cappuccino 3,50 Euro nehmen. „Mit 2,50 Euro für den Cappuccino ist das nicht drin“, sagt sie laut „ndr.de“. Schließlich bietet sie gemütliche Sofas, Kuchen und kunstvoll verzierte Getränke – alles Dinge, die bei LAP fehlen. Hage sieht jedoch keinen direkten Wettbewerb: „Der Kaffeemarkt ist sehr groß.

In dem Markt ist Platz für alle.“ Er betont laut „ndr.de“, dass LAP eine andere Zielgruppe anspreche als traditionelle Cafés. „Wir bräuchten eine sehr lange Zeit, um den Markt zu übernehmen“, so der Gründer weiter. Diese Einschätzung teilt auch Markenforscher Zschiesche: „An sich ist die Zielgruppe hier einfach eine andere. Das sind nicht die Menschen, die fünf, sechs, sieben Euro für ihren Kaffee ausgeben können und wollen“, erklärt er laut „ndr.de“. LAP spreche bewusst ein Publikum an, das schnellen, günstigen Kaffee sucht – nicht das gemütliche Café-Erlebnis.

Zwischen Massenware und Nachhaltigkeit

Ein interessanter Aspekt des LAP-Konzepts ist der Versuch, scheinbar Unvereinbares zu verbinden. „Ein Massenprodukt, das aber gleichzeitig nachhaltig sein soll“, beschreibt Zschiesche laut „ndr.de“ das Versprechen der Marke.

Er nennt dies eine „Wunderstruktur“ – ein soziologisches Phänomen, bei dem Dinge kombiniert werden, die eigentlich nicht zusammenpassen. Trotz des To-go-Konzepts bemüht sich LAP um Nachhaltigkeit: Kunden erhalten 15 Prozent Rabatt, wenn sie eigene Becher mitbringen, und es gibt wiederverwendbare Cups. Ob das ausreicht, um das Nachhaltigkeitsversprechen einzulösen, bleibt offen.

Business Punk Check

LAP Coffee zeigt, dass der deutsche Kaffeemarkt reif für Disruption war. Während etablierte Ketten ihre Preise kontinuierlich erhöhten, hat LAP eine Marktlücke gefunden: qualitativ akzeptablen Kaffee zu Preisen, die für viele erschwinglich sind. Die Effizienz des Modells ist beeindruckend, aber die langfristige Strategie wirft Fragen auf. Sobald die Expansion abgeschlossen ist und Investoren Exit-Renditen sehen wollen, werden die Preise wahrscheinlich steigen.

Das eigentliche Genie liegt im Community-Building: LAP verkauft nicht nur Kaffee, sondern Zugehörigkeit zu einem Trend. Für Mittelständler und traditionelle Cafés bedeutet dies: Nicht gegen LAP kämpfen, sondern die eigenen Stärken ausspielen – persönlichen Service, Atmosphäre und Qualität. Der Kaffeemarkt segmentiert sich weiter, und wer seine Nische klar definiert, kann überleben.

Häufig gestellte Fragen

  • Kann das LAP-Modell langfristig mit den steigenden Kaffeepreisen funktionieren?
    Das Modell basiert auf Skaleneffekten und Prozesseffizienz. Solange LAP große Mengen einer Bohnensorte einkauft und auf teure Barista-Prozesse verzichtet, können sie die Preise halten – zumindest bis Investoren höhere Renditen fordern.
  • Was bedeutet LAP Coffee für traditionelle Cafés und den Mittelstand?
    Traditionelle Cafés sollten nicht versuchen, mit den Preisen mitzuhalten, sondern ihre Alleinstellungsmerkmale stärken: Atmosphäre, persönlichen Service und Qualität. Die Zielgruppen unterscheiden sich deutlich – wer das erkennt, kann neben LAP bestehen.
  • Welche Branchen könnten vom LAP-Modell lernen?
    Jede Branche mit überhöhten Preisen und ineffizienten Prozessen ist reif für ähnliche Disruption. Besonders Gastronomie, Fitness-Studios und lokale Dienstleistungen könnten durch Effizienzsteigerung und Community-Building ähnliche Erfolge erzielen.
  • Wie nachhaltig ist das LAP-Geschäftsmodell wirklich?
    Die Kombination aus Massenprodukt und Nachhaltigkeitsversprechen bleibt ein Spannungsfeld. Während LAP durch Rabatte für Mehrwegbecher Anreize schafft, basiert das Kerngeschäft auf To-go-Konsum. Für echte Nachhaltigkeit müsste LAP seine Lieferkette transparent machen und den Mehrweganteil deutlich steigern.

Quellen: „ndr.de“, „watson.de“

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