Finance & Freedom Beitrags-Schraube: Sechs Krankenkassen könnten ab Juli die Beiträge erhöhen

Beitrags-Schraube: Sechs Krankenkassen könnten ab Juli die Beiträge erhöhen

Das Milliardendefizit der Krankenkassen führt zu einer neuen Beitragswelle. Experten warnen vor drastischen Erhöhungen bei sechs Kassen ab Juli 2025. Versicherte sollten jetzt handeln – ein Sonderkündigungsrecht macht’s möglich.

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung spitzt sich dramatisch zu. Nach der flächendeckenden Beitragserhöhung zum Jahresbeginn steht die nächste Kostenwelle bevor: Sechs Krankenkassen haben für Juli 2025 bereits Beitragserhöhungen beantragt, wie Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, in Berlin, laut „stuttgarter-nachrichten.de“ mitgeteilt hat. Das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherungen belief sich 2024 auf satte 6,2 Milliarden Euro – eine Zahl, die das Ausmaß der Krise verdeutlicht.

Beitragserhöhungen im Schnelldurchlauf

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag kletterte bereits zum Jahresbeginn 2025 von 1,7 auf 2,9 Prozent – ein historischer Höchstwert. Doch damit nicht genug: Allein in den ersten Monaten des Jahres mussten zahlreiche Kassen nachziehen. Die BKK 24 erhöhte zum 1. April ihren Zusatzbeitrag drastisch von 3,25 auf 4,39 Prozent. Auch die mhplus BKK (von 2,56 auf 3,29 Prozent), die BKK Salzgitter (von 2,8 auf 3,5 Prozent) und die BKK VerbundPlus (von 2,85 auf 3,89 Prozent) drehten kräftig an der Preisschraube.

Im Mai folgten die BKK Firmus mit einer Erhöhung auf 2,18 Prozent und die BKK Scheufelen mit einem Sprung auf 3,4 Prozent. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, beschreibt die Situation unmissverständlich: „Das System braucht eine Akuttherapie, sonst werden zum nächsten Jahreswechsel die Krankenkassenbeiträge durch die Decke gehen.“

Finanzielle Schieflage mit System

Die Ursachen für die prekäre Lage sind vielschichtig. Einerseits müssen die Kassen stark steigende Milliardenausgaben für medizinische Leistungen und Medikamente stemmen. Andererseits wurden die Finanzreserven politisch erzwungen deutlich geschrumpft. Ende 2024 lagen sie nur noch bei sieben Prozent einer Monatsausgabe – weit unter den vorgeschriebenen 20 Prozent.

„Es gibt derzeit kein wirkliches Konzept zur Stabilisierung der Finanzen“, beklagt der Verband der Ersatzkassen (vdek), der die größten Krankenkassen Deutschlands vertritt, gegenüber dem „merkur“. Die Folge: „Wir befürchten, dass die Beiträge auch im nächsten Jahr erneut steigen werden.“

Besonders problematisch: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt Aufgaben, für die eigentlich der Staat zuständig wäre. Allein für die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern fehlen jährlich rund zehn Milliarden Euro, die der Staat nicht ausreichend erstattet. „Würde der Staat diese Kosten vollständig erstatten, würde die GKV um jährlich rund zehn Milliarden Euro entlastet“, erklärt der vdek.

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