Finance & Freedom Rente zu knapp: Jeder Zweite würde bis 70 arbeiten – wenn es sich lohnt

Rente zu knapp: Jeder Zweite würde bis 70 arbeiten – wenn es sich lohnt

Aktien als Rettungsanker für die Altersvorsorge

Angesichts dieser Unsicherheit setzen immer mehr Deutsche auf private Vorsorge. Etwa die Hälfte der Befragten trifft bereits eigenständige Maßnahmen für einen finanziell abgesicherten Ruhestand. Besonders bemerkenswert: Fast 70 Prozent befürworten eine staatliche Förderung von Wertpapieranlagen zur Altersvorsorge – auch für Kinder und Jugendliche.

In anderen Ländern wie den Niederlanden, Großbritannien, Schweden oder den USA sind Erträge aus Aktien und anderen Finanzprodukten längst ein zentraler Baustein der Alterseinkommen. Deutschland hinkt bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge noch hinterher.

Reformen auf dem Prüfstand

Die Bundesregierung reagiert mit verschiedenen Ansätzen: Einerseits sollen Hürden abgebaut werden, damit ältere Beschäftigte länger arbeiten können. Andererseits plant sie mit der sogenannten Aktivrente zusätzliche Anreize – Rentner sollen künftig bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen dürfen.

Für die jüngere Generation steht die „Frühstart-Rente“ im Raum, die den frühen Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge fördern soll. Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, bleibt angesichts der Umfrageergebnisse fraglich.

Ausblick

Die Rentendebatte wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung stellen das Umlagesystem vor immer größere Herausforderungen. Die Bereitschaft vieler Deutscher, länger zu arbeiten, könnte ein wichtiger Baustein zur Entlastung des Systems werden – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen.

Langfristig führt jedoch kein Weg an einer Neuausrichtung der Altersvorsorge vorbei. Eine Kombination aus längerer Lebensarbeitszeit, staatlicher Grundsicherung und kapitalgedeckter Eigenvorsorge könnte das Modell der Zukunft sein. Die aktuelle Umfrage zeigt: Die Deutschen sind bereit für Veränderungen – wenn sie nachhaltig und fair gestaltet werden.

Häufig gestellte Fragen zum Thema „Rente und längeres Arbeiten“

  • Warum reicht die gesetzliche Rente vielen Menschen nicht aus? Die gesetzliche Rente basiert auf dem Umlageverfahren, bei dem die aktuellen Beitragszahler die Renten der heutigen Rentner finanzieren. Durch den demografischen Wandel kommen immer weniger Beitragszahler auf immer mehr Rentner. Zudem führen unterbrochene Erwerbsbiografien und Niedriglohnphasen zu geringeren Rentenansprüchen. Das Rentenniveau von 48 Prozent des Durchschnittslohns reicht oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.
  • Welche Vorteile bietet das Arbeiten über das Rentenalter hinaus? Längeres Arbeiten erhöht nicht nur das aktuelle Einkommen, sondern steigert auch die späteren Rentenansprüche. Für jeden Monat, den man die Rente aufschiebt, erhöht sich der Rentenanspruch um 0,5 Prozent. Zudem kann die Weiterarbeit soziale Kontakte und geistige Fitness fördern. Die geplante Aktivrente soll zusätzlich ermöglichen, bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuzuverdienen.
  • Wie kann man am besten privat für das Alter vorsorgen? Eine effektive private Altersvorsorge basiert idealerweise auf mehreren Säulen. Neben klassischen Produkten wie Riester-Rente oder betrieblicher Altersvorsorge gewinnen langfristige Investitionen in breit gestreute Aktien-ETFs an Bedeutung. Auch Immobilien können als Kapitalanlage oder zur mietfreien Nutzung im Alter dienen. Wichtig ist ein früher Beginn der Vorsorge, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren.

Quelle: YouGov-Umfrage im Auftrag der Postbank, Mai 2025, t-online.de, stern.de

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