Finance & Freedom Top 10 der Rentenreform: Diese Vorschläge sind besonders brisant

Top 10 der Rentenreform: Diese Vorschläge sind besonders brisant

Minijobs verlieren Sonderstatus

Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse werden voll rentenversicherungspflichtig, der steuer- und sozialversicherungsrechtliche Sonderstatus fällt weg. Ausnahme: Schüler. Für alle anderen bedeutet das: Schluss mit der Opt-out-Möglichkeit, Schluss mit dem Midijob-Übergangsbereich.

Minijobber zahlen künftig reguläre Beiträge – was einerseits Rentenansprüche schafft, andererseits die Nettolöhne drückt. Arbeitgeber werden sich überlegen, ob sich Minijobs dann noch lohnen. Die Kommission argumentiert mit Alterssicherung, Kritiker sehen den Einstieg in die Abschaffung flexibler Beschäftigungsformen.

Altersteilzeit startet erst ab 58

Die Altersgrenze für Altersteilzeit steigt von 55 auf 58 Jahre und wird künftig an die Regelaltersgrenze gekoppelt. Das Blockmodell – erst Vollzeit arbeiten, dann komplett freigestellt werden – fällt komplett weg.

Wer Altersteilzeit nutzen will, muss künftig tatsächlich in Teilzeit arbeiten, nicht nur auf dem Papier. Die Maßnahme zielt darauf ab, ältere Arbeitnehmer länger im Job zu halten. Faktisch bedeutet es: Der sanfte Ausstieg aus dem Berufsleben wird schwieriger, die Belastung im Alter steigt.

Nettoersatzquote wird neue Messgröße

Die Rente wird künftig daran gemessen, wie viel vom letzten Nettoeinkommen im Alter übrig bleibt – Zielgröße sind mindestens 70 Prozent nach Steuern. Die Nettoersatzquote soll regelmäßig für verschiedene Einkommensgruppen ausgewiesen werden, inklusive gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge.

Klingt nach mehr Transparenz, ist aber auch eine Verschiebung der Verantwortung: Wer die 70 Prozent erreichen will, muss zusätzlich vorsorgen. Die gesetzliche Rente allein wird das nicht leisten – und genau das ist die Botschaft.

Betriebsrente wird quasi Pflicht

Die Kommission will die betriebliche Altersversorgung annähernd flächendeckend verbreiten. 2026 sollen Sozialpartner konkrete Maßnahmen erarbeiten, die dann per Gesetz kommen. Betriebsrenten sollen weniger bürokratisch, leichter übertragbar und attraktiver für Geringverdiener werden.

Zwischen den Zeilen steht: Ohne Betriebsrente wird das mit der Altersvorsorge nichts. Unternehmen werden faktisch verpflichtet, Modelle anzubieten – ob sie wollen oder nicht. Die Kosten trägt am Ende der Arbeitnehmer, auch wenn es paritätisch klingt.

Nachhaltigkeitsfaktor kommt zurück

Die Rentenanpassung wird wieder stärker an die demografische Entwicklung gekoppelt. Der Nachhaltigkeitsfaktor, dessen Anwendung bis 2031 ausgesetzt ist, wird reaktiviert – und verschärft.

Der Parameter Alpha steigt auf 0,33, was bedeutet: Die Last der Alterung wird stärker auf Rentner verteilt. Renten steigen weiter mit den Löhnen, aber gedämpfter als bisher. Die Kommission verspricht, dass das Rentenniveau nicht sinkt – aber nur, wenn man die neue Kapitalrente mitrechnet. Ohne Aktiengewinne sieht die Rechnung düster aus.

Business Punk Check

Die Rentenkommission verkauft ihre Vorschläge als Generationenvertrag 2.0 – faktisch ist es ein Lastenverschiebungspaket. Länger arbeiten, mehr einzahlen, stärker auf Kapitalmarkt setzen: Die Botschaft lautet, dass die gesetzliche Rente allein nicht mehr reicht. Die Aktienrente klingt modern, birgt aber Risiken: Was passiert bei Crashs kurz vor Renteneintritt? Der Übergangsfaktor ist ein teures Pflaster, das der Steuerzahler finanziert.

Die Ausweitung der Versicherungspflicht auf Selbstständige, Vorstände und Abgeordnete schafft zwar Gerechtigkeit auf dem Papier, löst aber das Grundproblem nicht: zu wenige Beitragszahler für zu viele Rentner. Die Nettoersatzquote von 70 Prozent ist ein frommer Wunsch – wer die erreichen will, muss privat und betrieblich massiv vorsorgen. Die Wahrheit ist: Das Rentensystem wird auf drei Säulen umgebaut, weil eine Säule allein nicht mehr trägt. Wer heute unter 50 ist, sollte sich auf deutlich weniger staatliche Rente einstellen – und entsprechend handeln. Die Kommission liefert keine Lösung, sondern einen Fahrplan zur Eigenverantwortung.

Quellen: Bild

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