Finance & Freedom US-Schuldenapokalypse: „Es ist wie bei einem Herzinfarkt: Man weiß, dass er kommt, aber nicht genau, wann“

US-Schuldenapokalypse: „Es ist wie bei einem Herzinfarkt: Man weiß, dass er kommt, aber nicht genau, wann“

Die Begleitmusik zum innenpolitisch wirksamen Schuldenpaket ist die auf die Außenpolitik gerichtete US-Zollpolitik. Zölle, die mal angekündigt, mal tatsächlich erhoben, dann wieder ausgesetzt werden, sind Gift für Handelsbeziehungen. Beides zusammen hat an den Finanzmärkten etwas ins Rutschen gebracht. Es ist ein Effekt entstanden, der noch nie dagewesen ist: Die Kurse von US-Aktien sind gefallen, gleichzeitig ist der Dollarkurs gesunken, aber anstatt, dass das Geld wie bisher in solchen Momenten in sichere Anleihen wandert, herrscht auch auf diesem Markt Verkaufsdruck. Alles drei signalisiert gleichzeitig einen Abwärtstrend. Es ist ein Trio Infernale, das dauf eine echte Kapitalflucht aus den USA hindeutet. Ein größeres Misstrauensvotum gibt es in der Finanzwelt nicht. Die USA als sicherer Hafen für Investitionen, diese Kombination aus der stärksten und dynamischsten Volkswirtschaft der Welt, der globalen Reservewährung und einer Notenbank, die zur Not mit unbegrenzten Mitteln einschreiten kann, geraten gerade ins Wanken.

Wie immer auf einem Markt, hat das Phänomen zwei Seiten. Die aktuelle US-Schwäche sorgt dafür, dass Anleger anderswo in der Welt auf Renditesuche gehen. Stefan Wintels, Chef der Staatsbank KfW beschreibt das Szenario, das er gerade wahrnimmt, in einem Interview mit dem Handelsblatt so: „Ich beobachte auf meinen Roadshows in New York, London und Zürich, dass das Interesse internationaler Investoren am Standort Deutschland  wächst. Viele institutionelle Investoren sind in den USA überinvestiert und würden gern stärker in Europa und innerhalb Europas, insbesondere in Deutschland, investieren.“ In seinen mehr als 30 Berufsjahren habe er noch nie einen so rasanten Stimmungswechsel miterlebt, fügt er hinzu.

Auch der größte europäische Vermögensverwalter, Amundi aus Paris, beobachtet die Konsequenzen: Die Hälfte der gesamten Zuflüsse in ETF`s haben sich im Mai auf europäische Aktien-Strategien konzentriert. Die Rotation in ETFs auf europäische Aktien setzte sich damit fort. Und besonders auffällig: „Bei Staatsanleihe-ETFs bevorzugen Anleger auf Euro lautende Indizes (+2,5 Mrd. Euro). Auf US-Dollar-Strategien entfielen hingegen nur 900 Millionen Euro“ – was eine komplette Kehrtwende gegenüber dem bisherigen Trend bedeutet.

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