Finance & Freedom Verdi-Chef fordert Reichen-Steuer für Renten-Boost

Verdi-Chef fordert Reichen-Steuer für Renten-Boost

Während die Regierung das Rentenniveau bei 48 Prozent stabilisiert, reicht das laut Verdi-Chef Werneke nicht aus. Seine Lösung: Vermögende stärker besteuern, um Millionen Geringverdiener vor Altersarmut zu schützen.

Die Rentendebatte erreicht einen neuen Höhepunkt. Während die Bundesregierung sich für die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031 feiert, rechnet Verdi-Chef Frank Werneke vor, warum dies bei weitem nicht ausreicht. Nach einem Leben in Vollzeit erhalten viele Rentner gerade einmal 1.200 bis 1.300 Euro monatlich – bei Teilzeitphasen sinkt der Betrag oft unter 1.000 Euro, besonders bei Frauen, wie Werneke in einem Interview betont, laut „web.de“.

Die Rentenkluft wächst

Januar tritt das neue Rentengesetz in Kraft, das das Absicherungsniveau bei 48 Prozent festschreibt. Doch die Realität sieht anders aus: Ende 2024 lag die durchschnittliche Altersrente für Männer bei 1.892 Euro, für Frauen bei nur 1.459 Euro brutto.. Erschreckend: Rund 8,5 Millionen Menschen erhielten laut offizieller Statistik maximal 1.050 Euro Rente monatlich. Die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Alter erreichte mit 739.000 einen neuen Höchststand.

Die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen ist alarmierend. In Westdeutschland verfügen Frauen jährlich über durchschnittlich 13.500 Euro weniger Altersversorgung als Männer – eine Lücke von 61 Prozent. In Ostdeutschland beträgt die Differenz aufgrund längerer Erwerbsbiografien immerhin „nur“ 24 Prozent. Hauptursache: Teilzeitarbeit für Kinderbetreuung.

Wernekes Lösungsansatz

„Das geht nur durch Umverteilung, indem auch steuerpolitisch dafür gesorgt wird, dass Vermögende, reiche Erbinnen und Erben, einen höheren Anteil am Steueraufkommen übernehmen“, fordert Werneke laut „boerse.de“. Er spricht von „wirklich Vermögenden und Reichen“ und einem „angemessenen Steuersatz“ bei Vermögen von mehreren hunderttausend Euro.

Die neu eingesetzte Rentenkommission, die bis Mitte des Jahres Reformvorschläge vorlegen soll, betrachtet Werneke mit Skepsis. Die Positionen seien „denkbar weit auseinandergehend“, so der Gewerkschaftschef. Besonders kritisch sieht er Überlegungen, Renten künftig nur noch an die Inflation statt an die Lohnentwicklung zu koppeln, was das Rentenniveau schnell sinken lassen würde.

Business Punk Check

Die Rentendebatte offenbart ein fundamentales Dilemma der deutschen Wirtschaftspolitik: Während Start-ups und Digitalwirtschaft boomen, droht ein Drittel der Bevölkerung in die Altersarmut abzurutschen. Die Forderung nach höherer Besteuerung von Vermögen trifft den Nerv einer gespaltenen Ökonomie.

Doch die eigentliche Herausforderung liegt tiefer: Deutschland hat ein massives Produktivitätsproblem. Ohne Wirtschaftswachstum wird jede Umverteilung zum Nullsummenspiel. Statt nur über Steuern zu diskutieren, müsste die Politik endlich den Innovationsstandort stärken – denn nur eine wachsende Wirtschaft kann langfristig höhere Renten finanzieren. Die Rentenkommission wird diesen Elefanten im Raum kaum ansprechen.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum reicht das stabilisierte Rentenniveau von 48 Prozent nicht aus?
    Selbst mit 48 Prozent Rentenniveau erhalten Millionen Menschen weniger als 1.050 Euro monatlich. Besonders bei unterbrochenen Erwerbsbiografien und Teilzeitarbeit – typisch für viele Frauen – reicht diese Absicherung nicht für ein würdiges Leben im Alter.
  • Welche Auswirkungen hätte eine höhere Besteuerung von Vermögen auf den Mittelstand?
    Wernekes Vorschlag zielt explizit auf „wirklich Vermögende und Reiche“ ab, nicht auf den klassischen Mittelstand. Unternehmer mit Betriebsvermögen könnten durch Freibeträge geschützt werden, während sehr große Vermögen und Erbschaften progressiv besteuert würden.
  • Wie könnten Unternehmen auf die Rentenkrise reagieren?
    Unternehmen sollten ihre betriebliche Altersvorsorge ausbauen und besonders für Teilzeitkräfte attraktiver gestalten. Innovative Arbeitszeitmodelle, die höhere Beitragszeiten ermöglichen, und automatische Einschreibung in Betriebsrenten könnten die größten Rentenlücken schließen.
  • Welche Branchen wären von einer Umverteilungspolitik besonders betroffen?
    Finanzdienstleister, Vermögensverwalter und der Immobiliensektor würden direkte Auswirkungen spüren. Gleichzeitig könnten Einzelhandel und Dienstleistungsbranchen profitieren, da Rentner mit höheren Bezügen mehr konsumieren würden – ein klassischer Binnenmarktimpuls.

Quellen: „web.de“, „boerse.de“, „de.investing.com“

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