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For Women in Science: „Uns fehlen Role Models in der Wissenschaft“

For Women in Science
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Aktualisiert
Lesezeit5 Min · 1.071 Wörter

Weil Frauen nicht nur in den Vorständen deutscher börsennotierter Unternehmen seltener sind als echte Gucci-Caps auf dem Kopf von Teenagern, sondern auch in der Wissenschaft trotz ähnlicher Doktorand:innen-Abschlussquote von Männern und Frauen unterrepräsentiert sind, soll die Initiative „For Women in Science“ Frauen bestärken, den Schritt in die Wissenschaft zu wagen.

Dazu werden jährlich drei Stipendien an „exzellente Frauen in der deutschen Forschung“ vergeben. Dahinter steht die Deutsche UNESCO-Kommission und L’Oréal Deutschland in Partnerschaft mit der Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung. Wir haben eine der Stipendiatinnen, Dr. Antje Peters, zu ihrem Projekt und der Initiative interviewt.

Kannst du in deinen eigenen Worten erklären, um was es bei deiner Forschung geht?

Ich bin in den Neurowissenschaften unterwegs und bringe meinen Hintergrund als promovierte theoretische Physikerin mit. Ich habe sowohl einen  mathematischen als auch medizinischen Hintergrund, da ich parallel zu meiner wissenschaftlichen Arbeit auch Medizin studiere.

Das bringe ich beides zusammen in den Neurowissenschaften ein. Was ich genau erforsche, ist das menschliche Bewusstsein auf Reize. Warum wird eigentlich der Großteil aller Reize, die so auf uns einströmen gar nicht bewusst? Also wir hören, sehen, fühlen, schmecken, riechen und das meiste bekommen wir nicht mit, aber manches setzt sich eben durch. Die Mechanismen, die dazu führen, dass sich manches durchsetzt, sind noch nicht vollständig erforscht.

Wenn du einen typischen Arbeitstag von dir beschreiben müsstet: Wie sieht der bei dir aus?

Ich forsche hier in Münster am Institut für medizinische Psychologie und Systemneurowissenschaften. Das ist ein kleines, feines Institut, das der medizinischen Fakultät angeschlossen ist. Wir haben ein Labor in unserem Institut, ein EEG-Labor, in dem wir Messungen mit Proband:innen machen.

Ich verbringe meine Zeit sowohl am Schreibtisch, als auch im Labor. Ich plane selbst Experimente und führe diese durch. Ich leite meine studentischen Hilfskräfte an, die dann auch die Experimente betreuen. Am Schreibtisch programmiere ich die verschiedenen Maschinen und Routinen, die nötig sind für die Auswertung. Ich verbringe auch viel Zeit mit Datenanalyse. Aber das Schöne ist, dass immer wieder jemand reinkommt, weil zum Beispiel etwas Ungewöhnliches im Labor passiert und dann bin ich ruckzuck unten und schaue es mir an.

Dr. Antje Peters bei ihrer Arbeit im Labor

Das ist das Tolle daran: die vielen Menschen, die man trifft. Wir sind ein großartiges Team von studentischen Hilfskräften, Praktikant:innen, Doktorand:innen, Postdocs. Wir haben jede Woche ein Kolloquium, wo wir unsere Themen vorstellen. Wenn ich Lust habe, über was zu sprechen, gehe ich rüber zu meinen Kolleg:innen und frage nach. Ich bin genauso froh, wenn jemand kommt und sagt: Ich habe nachgedacht, wie wäre es denn hiermit? Das ist der Alltag, der einen so wahnsinnig bereichert. Man weiß eigentlich nie genau im Voraus, was der Tag bringt.

Wie viele Leute arbeiten für dieses Projekt?

Wir haben verschiedene Projekte. In dem Projekt, das ich aktuell hauptsächlich betreue, sind wir fünf Personen. Und ich bin sozusagen diejenige, bei der die Fäden zusammenlaufen.

Woher kommt denn die Inspiration für euer Forschungsthema?

Es ergibt sich viel im Austausch. Klar, es gibt in jedem Forschungsbereich Strömungen und Bleeding Edges, wo man sich gerne aufhält. Aber die echten Experimente, die basieren immer auf Ideen. Nicht umsonst heißt es, dass Ideen die Währung der Wissenschaft sind.

Neben deiner wissenschaftlichen Arbeit managst du auch noch deine Familie. Dabei unterstützt dich jetzt die „For Women in Science“-Initative?

Genau, dieser „For Women in Science“-Preis wird ausgeschrieben von der UNESCO und L’Oreal in Kollaboration mit der Christiane Nüsslein-Volhard Stiftung. Und diese Stiftung hat sich die Förderung von Frauen in Erziehungsverantwortung auf die Fahne geschrieben.

Was sind denn bisher deine Erfahrungen gewesen? Hattest du im Gegensatz zu den männlichen Kollegen das Gefühl, dich mehr beweisen zu müssen?

Wenn man an der richtigen Stelle in der alltäglichen Arbeit ist, spielt es keine Rolle, welchen Hintergrund man hat. Das ist, was ich so sehr schätze, wenn es wirklich nur um Wissenschaft geht. Es geht um die Idee. Es geht darum, konstruktive Kritik zu üben. Klar treffe ich auch auf Leute mit einem sehr überkommenen Rollenverständnis, von denen dann ein unsachlicher Spruch kommt.

Ich versuche dann immer, solche Dinge an mir abprallen zu lassen und wieder zurück auf die Sachebene zu kommen. Zu sagen: Wie ist es mit dem Projekt? Wo stehen wir denn? Das ist auch das, worum es allen gehen sollte. Ich will meine Zeit nicht mit Metadiskussionen verschwenden, ich will über Wissenschaft reden.

Wieso landen trotz ähnlicher Quote für den Doktorand:innen-Abschluss, deutlich mehr Männer am Ende in der Wissenschaft?

Ich kenne das Phänomen sehr gut und habe mich auch in der Gleichstellungsarbeit engagiert. Uns fehlen Role Models. Es ist auch so, dass gerade jungen Frauen oft Angst gemacht wird. In die Richtung: wie willst du das denn machen? Willst du denn keine Familie? Und was ist denn, wenn du in eine andere Stadt ziehen musst?

Ob es aus der Wissenschaft direkt oder aus der Gesellschaft kommt, kann man gar nicht so eindeutig sagen. Förderinstrumente wie „For Women in Science“ sind dann wahnsinnig wichtig, um auch zu zeigen, dass es eine Plattform gibt, auf der Role Models präsentiert werden und man sich austauschen kann mit Frauen, die es geschafft haben.

Wenn man diese Strukturen etabliert, müssen Frauen nicht jedes Mal wieder diskutieren. Ob es ein Zimmer ist, wo man sich mit den Kindern aufhalten kann oder Kinderbetreuung am Arbeitsplatz. Wenn das selbstverständlich ist, kann ich direkt zur Sache kommen und inhaltlich arbeiten. Das würde vielen Frauen auch die Angst nehmen, wenn man sagt: „Ja, das kriegst du hin“.

Wie sieht die Unterstützung der Stiftung für euch Stipendiatinnen genau aus?

Für mich ist es toll, Ansprechpartner:innen zu haben, aber natürlich auch meine Co-Stipendiatinnen kennenzulernen. Wir schreiben uns regelmäßig auf WhatsApp, das ist super. Dieses Netzwerk zu haben, das ist für mich das Allerbeste daran, wenn man Personen trifft, die in einer ähnlichen Situation und genauso fasziniert von ihren Forschungsthemen sind.

Das heißt, es geht über das Finanzielle hinaus?

Ja, da ist wieder das Stichwort Role-Models. Die müssen nicht älter sein, die können auch genauso alt sein. Es gibt verschiedene Aspekte, bei denen man sich untereinander helfen kann.

Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!