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Fröhliches Bahn-Chaos, zweiter Teil: Hier sind eure absurdesten Pendler-Stories

Business Punk Leser teilen ihre Bahn Erlebnisse
Business Punk by KI Business Punk Leser teilen ihre Bahn Erlebnisse
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Lesezeit5 Min · 1.037 Wörter

Von Lokführern, deren Arbeitszeit mitten auf der Strecke abläuft, bis zu den punkigsten Ansagen der Zugbegleiter. Business Punks teilen ihre skurrilsten Bahn-Erlebnisse.

Der Lokführer macht Feierabend, während 500 Menschen im Zug sitzen. Willkommen im deutschen Bahnalltag. Angesichts solcher Szenarien erscheint die Ankündigung von Flixbus, mit 65 quietschgrünen Zügen für 2,4 Milliarden Euro ein „Produkt auf Augenhöhe mit dem ICE“ zu schaffen, wie ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Doch was erleben Bahnreisende tatsächlich auf Deutschlands Schienen?

Wir haben Euch nach euren persönlichen Bahn-Geschichten gefragt – die Resonanz ist groß und die Geschichten teils absurd und teils ernüchternd. Ich fasse sie hier zusammen – übrigens während einer Zugfahrt: Die Kühlung an der Bar ist ausgefallen, das Bier hat 28 Grad, aber die Kellnerin muss selber lachen, so dass die Laune prächtig ist. Der Zug mit der steilen Nummer ICE 1000 hat auf dem ersten Viertel seiner viereinhalbstündigen Reise 17 Minuten Verspätung eingefahren. Doch dazu hinten mehr. Ich verspreche eine Pointe am Ende.

Wenn der Zug fährt, aber ohne Lokführer

Mein Bericht von der Reise zur „Hinterland of Things“ nach Bielefeld stand exemplarisch für das, was viele täglich erleben: Ein ausgefallener ICE, eine S-Bahn-Odyssee, die überall hält, eine Regionalbahn, die bis Hamm bummelt. Doch der Höhepunkt: Als endlich ein Zug einfährt, der nach Bielefeld fahren soll, macht der Lokführer Feierabend. Die Durchsage: Der Zug sei da, nur der Lokführer könne aufgrund zu vieler Überstunden nicht weiterfahren. Die Rettung kam schließlich in Form eines Fahrgastes, der selbst Lokomotivführer war und ein Erbarmen hatte.

„Das Arbeitszeitgesetz kennen“ – Beistand für die Lokführer

Viele von Euch haben sich zu Wort gemeldet und sind für den Lokführer in die Bresche gesprungen. Christian H. stellt klar: „Der Lokführer hat Feierabend gemacht, weil es das Arbeitszeitgesetz so verlangt. Ein Lokführer darf tagsüber 9 Stunden und nachts 8 Stunden Fahrzeit nicht überschreiten.“ Christoph Hoffmann ergänzt: „Kein Mitarbeiter würde von sich aus gegen Lenk- und Ruhezeiten verstoßen wollen, die Verantwortung übernimmt dann auch nicht der Arbeitgeber, sondern der Mitarbeiter.“ Er weist auch auf die Herausforderungen bei der Personalgewinnung hin: „Von den 50 Prozent, die als Triebfahrzeugführer arbeiten, werden innerhalb von 2 Jahren wieder 50 Prozent den Hut an den Nagel hängen.“

Domingo Peiniger findet die ständige Bahnkritik „langsam etwas ermüdend“ und findet einen neuen Blickwinkel: „Spannend finde ich auch, dass niemand einen Artikel über den täglichen Frust auf der A40 oder dem Kölner Ring schreibt.“ Er verweist auf strukturelle Probleme: „Die unerträglichen Zustände bei der Bahn liegen vermutlich auch daran, dass seit den 90er Jahren rund 25 Prozent der Gleise abgebaut worden sind und rund 25 Prozent mehr Verkehr auf den Gleisen unterwegs ist.“

„Nicht nur die Deutsche Bahn“ – Differenzierung tut not

Hannelore Heide plädiert für mehr Präzision in der Berichterstattung: „Es wäre wünschenswert, wenn mal ein Journalist nicht immer nur die Deutsche Bahn schreibt, sondern einmal die privaten Verkehrsunternehmen benennen würde.“ Sie weist darauf hin, dass viele Regionalverbindungen von privaten Unternehmen wie Eurobahn oder Nationalexpress betrieben werden.

„24 Stunden für eine 6-Stunden-Strecke“ – Bibis Bahn-Marathon

Bianca Sieberer teilt ihre Winterodyssee von 2012: „Es war richtig kalt, ich wollte abends von Bayreuth nach Wismar fahren, um Weihnachten mit meinem Freund zu verbringen.“ Was als sechsstündige Reise geplant war, entwickelte sich zum 24-Stunden-Marathon. Nach mehreren verpassten Anschlüssen und unfreundlichen Begegnungen mit Bahnpersonal verbrachte sie die Nacht im Personalraum eines Bahnhofs. „Ich war am Rande des Zusammenbruchs“, berichtet Bibi. Am nächsten Tag ging die Odyssee weiter – nur per Nahverkehr, keine ICEs mehr. Als sie nach über 24 Stunden endlich ankam, schlief sie die letzten 60 Minuten Autofahrt vom Bahnhof zum Zielort fast komplett durch.

„Einmal mit Profis arbeiten“ – Flixtrains treue Anhängerin

Steffi Schramm ist flix-Fan. Sie reist seit fünf Jahren monatlich mit Flixtrain von Hamburg nach Düsseldorf: „Es ist einfach nur geiles Reisen und die Male, bei denen es nicht ganz so geil lief, sind im Verhältnis echt gering.“ Ihre Kritik richtet sich an die Deutsche Bahn, die sich laut Schramm zwei beliebte Fahrtzeiten von Flixtrain „gekrallt“ hat. „Die DB konnte es wohl nicht ertragen, dass Flixtrain einfach besser performt“, urteilt sie und schließt mit einem klaren Statement: „Ich kann nur sagen: einmal mit Profis arbeiten, dann klappt’s auch mit zufriedenen Fahrgästen.“

„Nicht immer draufhauen“ – Die Stimme der Vernunft

Siegfried Landgraf mahnt zur Differenzierung: „Leider wird Vieles schlechter geredet, als es ist.“ Er zählt Faktoren auf, für die die DB „eigentlich nichts kann“: Unwetter, Kabelklau, Suizide, fehlendes Personal, randalierende Fahrgäste. Seine persönliche Erfahrung von Amsterdam nach Dresden mit Umstieg in Hannover verlief reibungslos. „Ich war pünktlich in Dresden“, berichtet er und lobt die rechtzeitige Information per Mail bei Änderungen. Sein Fazit: „Also nicht immer hau drauf.“

Ich rolle jetzt – eine knappe halbe Stunde später, in der ich dies zusammengefasst habe – mit 21 Minuten Verspätung durchs Land. Aber ich habe hier noch die versprochene Pointe. Eine positive finde ich. Heute morgen auf der Hinfahrt schepperte es kurz im Lautsprecher, und dann ertönte die Stimme der Zugbegleiterin. Ihre Ansage bezog sich aufs Gepäckchaos im überfüllten ICE und löste fröhliche Heiterkeit unter den sicher mehr als 1000 Mitreisenden aus: „Ich bin schon schwarz“, sagte sie, „und bekomme deswegen keine blauen Flecke. Aber bitte räumen sie ihr Gepäck dennoch aus dem Gang.“

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass eine freche Klappe auch die komplizierteste Situation zum Vorteil wenden kann. Davon braucht es viele, denn die anderen denken sonst ständig daran, dass Deutschland ein fundamentales Mobilitätsproblem hat. Die Bahn steht dabei symbolisch für ein größeres Dilemma: Wie schaffen wir den Spagat zwischen wirtschaftlicher Effizienz, ökologischer Nachhaltigkeit, zuverlässigem Service und technologischer Spitzenleistung? Flixtrains Vorstoß könnte ein Katalysator für mehr Wettbewerb und bessere Leistungen sein – oder ein weiteres Kapitel in der endlosen Geschichte deutscher Mobilitätsträume. Bis dahin bleibt für viele nur der Griff zum Smartphone, um die nächste Verspätung zu dokumentieren – oder zum Autoschlüssel.

Was denkt ihr? Schreibt uns Eure Erlebnisse und Gedanken zur Bahn an: buerk@business-punk.de

Portrait Oliver Stock

Oliver Stock

Oliver Stock ist Herausgeber und Chefredakteur von Business Punk. Der studierte Volkswirt und Historiker sowie Autor mehrerer Bücher und Blogger (https://einbisschenbesser.de/) kennt die Welt der Politik, der Startups und der Unternehmen: Als Journalist arbeitet der 1965 in Hannover geborene Stock für focus online, die Schweizer Weltwoche und den Börsianer aus Wien. Er war Vize-Chef bei der Wirtschaftswoche und 16 Jahre beim Handelsblatt, als Korrespondent in Zürich, als Chef der Finanzzeitung in Frankfurt und die letzten fünf davon als Anführer von Handelsblatt online. Als Kommunikationschef von Ergo, Sprecher im Wirtschaftsministerium und Startup-Mitgründer kennt er auch die andere Seite.