Fuck, aber up!
Never failed so good… Wir feiern Fehler, damit andere sie nicht wiederholen müssen. Business Punk Interview mit Magnus Bilke, Gründer und Geschäftsführer von Done! Financials über Karriere-Flops und die Learnings daraus. Aus unserem aktuellen Heft „It’s a match“ 3/2026.
Diesmal beantwortet Magnus Bilke uns den Business-Punk-Fragebogen: Der Gründer und Geschäftsführer von Done! Financials baut mit seiner Berliner Boutique-Beratung Finanzabteilungen für Unternehmen auf – etwa für Isar Aerospace und Amnesty International. Rund 10.000 Menschen folgen ihm auf LinkedIn für seinen Ansatz: „Let’s make numbers sexy again.“
Business Punk: Dein größter Fuck-up?
Magnus Bilke: Ich habe 350.000 Euro zweimal überwiesen. Nicht ein bisschen zu viel. Das Doppelte. 2011, meine erste Position als Head of Accounting. Ich war stolz wie Bolle: eigenes Team, eigene Verantwortung, eigener Zahlungsverkehr. Wir hatten zwei feste Zahlläufe pro Woche, Dienstag und Donnerstag. Den Dienstagssammler habe ich aufgebaut, geprüft, freigegeben. Und am Donnerstag habe ich denselben Sammler noch einmal rausgeschickt. Weil er noch da lag. Weil er aussah wie der neue. Weil ich in dem Moment nicht auf die Datei geschaut habe, sondern auf meine Routine.
Business Punk: Dein größter Denkfehler?
Magnus Bilke: Ich durfte 350.000 Euro allein rausschicken. Es gab keinen zweiten Zeichner, keine zweite Freigabe, kein Vier-Augen Prinzip. Und mein Denkfehler war: Ich habe mich nie gefragt, warum das eigentlich geht. Ich habe diese Alleinvollmacht als Vertrauensbeweis gelesen. Dabei war sie ein Konstruktionsfehler, den ich für eine Beförderung gehalten habe.
Business Punk: Was hat dich das gekostet?
Magnus Bilke: Das Verrückte ist: Die Firma fast nichts. Wir hatten genug Liquidität, es wurde nie eng, kein Kontokorrent, keine verschobenen Zahlungen. 98 Prozent waren nach der Rückholaktion wieder da. Aber es hat mich Nerven, Nächte und mein Bild von mir selbst gekostet.

Business Punk: Wie offen bist du mit diesem Fail umgegangen?
Magnus Bilke: Die Offenheit wurde mir abgenommen. Wenn dein Team den Fehler findet, kannst du dich nur noch entscheiden, wie du dich in den nächsten zehn Minuten verhältst. Ich konnte das Ding nicht kleinreden, und genau das hat mir eine Menge erspart. Fehler in der Buchhaltung altern nämlich nicht gut: Legst du sie an Tag eins auf den Tisch, bist du der, der ein Problem löst. Findet sie jemand anders an Tag zehn, bist du das Problem.
Business Punk: Was hast du draus gelernt?
Magnus Bilke: Dass gute Buchhaltung nicht von guten Menschen kommt, sondern von guten Prozessen. Menschen sind an einem Donnerstagnachmittag um 16:40 Uhr einfach nicht so zuverlässig wie um 9:00 Uhr — und ein Prozess, der das nicht einkalkuliert, ist kein Prozess, sondern eine Hoffnung. Und ich habe gelernt, was ein gutes Team wert ist. Meins hat den Fehler gefunden. Nicht die Bank, nicht der Wirtschaftsprüfer, nicht der Lieferant. Dass es mir wehgetan hat, war mein Problem, dass sie hingeschaut haben, war mein Glück. Dieser Fehler ist einer der Gründe, warum ich heute so besessen von Automatisierung und Kontrollmechanismen bin. Bei Done! Financials bauen wir genau die Systeme, die ich 2011 gebraucht hätte. Zahlen sollten nicht von der Tagesform abhängen.
Diesen Artikel und weitere spannende Themen gibt’s in unserem aktuellen Heft „It’s a match“ 3/2026 unter https://www.business-punk.com/ausgabe/
