Green & Generation AI: Zwei Buchstaben finanzieren ein ganzes Land – Anguillas .ai-Jackpot

AI: Zwei Buchstaben finanzieren ein ganzes Land – Anguillas .ai-Jackpot

Die Karibikinsel Anguilla verdient mit ihrer .ai-Domain über 59 Millionen Euro jährlich. Zwei Buchstaben sanieren Straßen, finanzieren kostenlose Krankenversicherung für Kinder und sichern Generationen ab.

Eine Karibikinsel mit 16.000 Einwohnern kassiert Millionen, weil Tech-Unternehmen weltweit ihre Domain-Endung haben wollen. Anguilla besitzt.ai – und der KI-Boom macht das britische Überseegebiet reich. Über eine Million Domains sind mittlerweile registriert, Tendenz: ein Prozent Wachstum pro Woche. Die Einnahmen fließen in Infrastruktur, Gesundheit und einen Staatsfonds für künftige Generationen. Was nach digitalem Glücksfall klingt, ist knallhartes Business mit Preisen zwischen 140 und mehreren hunderttausend Dollar pro Adresse.

Die Zahlen hinter dem Domain-Goldrausch

59 Millionen Euro hat Anguilla laut Heise bis November 2024 mit.ai-Domains eingenommen – fast doppelt so viel wie im Vorjahr mit 32 Millionen Euro. Die Regierung rechnet für 2025 mit weiteren Steigerungen auf umgerechnet 49 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Der Tourismus, traditionell wichtigste Einnahmequelle, bringt 37 Prozent der Staatseinnahmen. Die Domain-Verkäufe liefern bereits 23 Prozent. Über 850.000 .ai-Adressen existieren mittlerweile, 2020 waren es weniger als 50.000.

Die Wachstumskurve zeigt steil nach oben, solange KI-Startups und Tech-Konzerne um die besten Namen konkurrieren. Einzelne Premium-Domains wechseln für sechsstellige Summen den Besitzer. HubSpot-Mitgründer Dharmesh Shah zahlte 700.000 Dollar für you.ai, cloud.ai ging für 600.000 Dollar weg, law.ai für 350.000 Dollar. Die Basispreise liegen zwischen 150 und 200 Dollar, Verlängerungen kosten alle zwei Jahre ähnlich viel. Anguilla kassiert die Verkaufserlöse komplett, der US-Partner Identity Digital erhält rund zehn Prozent Provision für die technische Verwaltung.

Vom Tourismus-Eiland zum Tech-Profiteur

Anguilla hat aus der Zufallsglück eine Strategie gemacht. Die Regierung investiert die Domain-Einnahmen gezielt in langfristige Projekte: Straßensanierungen, Flughafenausbau, kostenlose Krankenversicherung für Kleinkinder. Im Dezember kündigte die Regierung einen Staatsfonds an, um die Einnahmen für kommende Generationen zu sichern. Vernünftig, denn niemand weiß, wie lange der KI-Hype anhält.

Die Insel liegt mitten im Hurrikan-Gürtel des Nordatlantiks. 2017 verwüstete Hurrikan Irma große Teile der Infrastruktur, Großbritannien steuerte 60 Millionen Pfund Wiederaufbauhilfe bei. Die Domain-Einnahmen diversifizieren die Wirtschaft weg von der wetteranfälligen Tourismusbranche. Identity Digital hat die Server-Infrastruktur von der Insel auf ein globales Netzwerk verlagert – Schutz vor Stromausfällen und Naturkatastrophen inklusive.

Andere Inseln, ähnliche Geschichten

Anguilla steht nicht allein mit dem Domain-Glück. Tuvalu erwirtschaftet mit .tv rund zehn Prozent seines Bruttoinlandsprodukts, beliebt bei Streaming-Diensten und Medienunternehmen. Mikronesiens .fm nutzen Radiosender und Podcaster. Tongas .to-Domain zieht Torrent-Seiten und illegale Streaming-Plattformen an. Tokelau hat mit .tk allerdings ein Imageproblem: Die Domain wird massenhaft von Betrügern missbraucht.

Anguilla positioniert sich anders – als seriöser Partner für die Tech-Industrie, nicht als Schlupfloch für zwielichtige Geschäfte. Der internationale Währungsfonds lobt Anguillas Umgang mit den unerwarteten Einnahmen. Die Regierung zeigt Weitsicht statt schneller Ausgaben. Ob .ai langfristig mit.com konkurrieren kann, bleibt offen. HubSpot-Gründer Shah glaubt, dass .com-Domains ihren Wert besser halten werden. Trotzdem kauft er weiter .ai-Adressen – als Wette auf die KI-Zukunft und als handelbare Assets.

Business Punk Check

Anguilla hat Glück in Strategie verwandelt – aber die Rechnung hat Haken. Erstens: Niemand weiß, wie lange Tech-Unternehmen bereit sind, sechsstellige Summen für zwei Buchstaben zu zahlen. Der KI-Hype kann kippen, dann bleiben überteuerte Domains ohne Käufer. Zweitens: Die Abhängigkeit von einem US-Partner wie Identity Digital ist riskant. Zehn Prozent Provision klingen fair, aber wer kontrolliert wirklich die Preisgestaltung und Marktmacht? Drittens: .com-Domains haben Jahrzehnte Vertrauen aufgebaut. Dharmesh Shah sagt selbst, dass .com langfristig stabiler bleibt – und der kauft trotzdem .ai-Domains. Widerspruch oder Hedging-Strategie?

Die Wahrheit: Anguilla macht vieles richtig. Staatsfonds statt Verschwendung, Infrastruktur statt Konsum, Diversifizierung statt Tourismus-Monokultur. Aber die Insel sitzt auf einem Asset, dessen Wert von externen Faktoren abhängt. Wenn KI-Startups pleite gehen oder Investoren vorsichtiger werden, schrumpft die Nachfrage. Die nächsten drei Jahre zeigen, ob .ai eine dauerhafte Einnahmequelle bleibt oder nur ein glücklicher Moment war. Für Early Adopters gilt: Premium-Domains nur kaufen, wenn die Marke davon wirklich profitiert. Für Anguilla gilt: Weiter sparen, nicht feiern.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich der Kauf einer .ai-Domain für Startups?

Für KI-fokussierte Startups kann eine .ai-Domain Markenwert schaffen und Positionierung unterstreichen. Die Preise zwischen 150 und mehreren hunderttausend Dollar erfordern jedoch strategische Abwägung: Ist die Domain essenziell für die Marke oder reicht eine günstigere Alternative? Premium-Domains wie you.ai für 700.000 Dollar sind Luxus, keine Notwendigkeit.

Wie nachhaltig sind Anguillas Domain-Einnahmen?

Die Regierung plant vorausschauend mit einem Staatsfonds für künftige Generationen. Niemand kann garantieren, dass der KI-Hype ewig anhält, aber über eine Million registrierte Domains mit zweijährigen Verlängerungszyklen sichern mittelfristige Einnahmen. Die Diversifizierung weg vom wetteranfälligen Tourismus macht wirtschaftlich Sinn.

Welche Risiken bergen .ai-Domains für Unternehmen?

Die technische Infrastruktur liegt bei Identity Digital, nicht mehr auf Anguilla selbst – Schutz vor Naturkatastrophen inklusive. Politische Risiken sind minimal, da Anguilla britisches Überseegebiet mit stabiler Verwaltung ist. Das größere Risiko: Überbewertung von .ai-Domains, wenn der KI-Hype abflacht und .com-Adressen wieder attraktiver werden.

Können andere Länder Anguillas Modell kopieren?

Nur mit der richtigen Domain-Endung zur richtigen Zeit. Tuvalu (.tv) und Mikronesien (.fm) zeigen, dass Nischen funktionieren. Entscheidend ist die Kombination aus begehrter Buchstabenkombination und passendem Trend. Die meisten Länder-Domains bleiben bedeutungslos, weil keine Branche sie gezielt nachfragt.

Quellen: Heise, BBC

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